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ApoVWG: Verordnungen für heimversorgende Apotheken via Direktzuweisung durch den Vertragsarzt möglich
Die Ausnahme vom Zuweisungsverbot wurde mit dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das Anfang Juli in Kraft trat, auf Initiative der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) geschaffen, um es Praxen zu ermöglichen, Rezepte für Arzneimittel und apothekenpflichtige Medizinprodukte einer Apotheke zuweisen, die einen Vertrag mit dem Heim abgeschlossen hat. Diese Erleichterung löst das bürokratische Verfahren ab, bei der die Praxis neben dem e-Rezept auch noch einen papiergebundenen Patientenausdruck ausstellen musste, der entsprechend abgeholt und in der Apotheke eingelöst werden musste. Alternativ wurde das e-Rezept via elektronischer Gesundheitskarte (eGK) des Heimbewohners in der Apotheke eingelöst. Die Regelung ist bis Ende 2028 befristet. Ab Januar 2029 sollen alle Pflegeheime an den eRezept-Fachdienst angeschlossen werden und darüber Zugriff auf die eRezepte bekommen, um für ihre Bewohner die Arzneimittelversorgung besser zu organisieren. Dies betrifft die Verordnung von Arzneimitteln, apothekenpflichtige Medizinprodukte sind aktuell ausschließlich nur auf Muster-16-Rezepte und noch nicht elektronisch verordnungsfähig. Voraussetzungen für die Direktzuweisung von e-Rezepten ist ein Heimversorgungsvertrag nach § 12a ApoG zwischen Arztpraxis und Apotheke und die Apotheke hat mit der Arztpraxis eine entsprechende Absprache über die Direktzuweisung getroffen.
13.07.2026 Beitrag PD
BfArM informiert zur Umsetzung der AbEM bei DiGA am 15. September 2026
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lädt am 15. September 2026 von 09:30 bis 12:00 Uhr zu einer virtuellen Informationsveranstaltung zur Umsetzung der Anwendungsbegleitenden Erfolgsmessung (AbEM) . Zu Beginn des Webinars erhalten die Teilnehmenden einen Überblick über die Grundlagen und Hintergründe der AbEM. Im Anschluss werden die Anforderungen und Prozesse zur Übermittlung der erhobenen Daten an das BfArM erläutert. Dabei stehen insbesondere die Anpassungen im Antragsportal und im DiGA-Verzeichnis sowie die technische Ausgestaltung der Datenübermittlung im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung ist die Vorstellung des künftig anzuwendenden JSON-Schemas, das für die Übermittlung der AbEM-Daten vorgesehen ist. Das BfArM erläutert die Struktur des Schemas und gibt Hinweise für die praktische Umsetzung durch die Hersteller. Die Veranstaltung richtet sich primär an DiGA-Hersteller und findet ausschließlich virtuell statt. Eine vorherige Registrierung über das bereitgestellte Anmeldeformular ist erforderlich. Die Anmeldung dient zugleich dazu, weitere Informationen zur Veranstaltung zu erhalten. Für Rückfragen steht das BfArM unter der E-Mail-Adresse events@bfarm.de zur Verfügung.
13.07.2026 Beitrag
Tabaksteuer soll stärker steigen als geplant
Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Koalitionskreisen, die Regierungsfraktionen hätten entschieden, die im Regierungsentwurf vorgesehenen Steuertarife noch einmal nach oben anzupassen. So solle vor allem der Aspekt des Gesundheitsschutzes noch einmal gestärkt werden. Sparpaket im Gesundheitswesen Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) verwies im ARD-«Morgenmagazin» zur Tabaksteuer auf Veränderungen zugunsten der Krankenhäuser und der stationären Versorgung. Nach dem Bundestag hatte am Freitag auch der Bundesrat den Weg für ein Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) freigemacht, das die Krankenkassenbeiträge stabil halten soll. Es sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Krankenhäusern und Pharmabranche vor. Dabei war der Bund den Ländern noch mit finanziellen Zugeständnissen für die Kliniken entgegengekommen. Wie das RND berichtete, sollen die geplanten die Änderungen bei der Tabaksteuer jährlich jeweils rund 800 Millionen Euro mehr in die Kasse des Bundes spülen als bisher vorgesehen. Konkret solle der durchschnittliche Packungspreis für Zigaretten 2027 auf 9,10 Euro steigen, bisher geplant gewesen seien 8,77. Dann soll es demnach schrittweise bis zum Jahr 2030 hochgehen auf 11,78 Euro. Haushaltskonsolidierung und Gesundheitsschutz Aus Koalitionskreisen hieß es nun zum Beschluss des Bundeskabinetts zur Erhöhung der Tabaksteuer, dies diene der Haushaltskonsolidierung. Der Bund muss Milliardenlücken schließen. Die Erhöhung diene aber auch dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und stehe im Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken.
13.07.2026 Beitrag
Bundesrat berät Änderungen im Apothekenrecht
Mit der geplanten Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Apotheken angepasst werden. Im Mittelpunkt stehen Erleichterungen im Apothekenbetrieb, flexiblere Einsatzmöglichkeiten von Personal sowie Änderungen in weiteren arzneimittel- und apothekenrechtlichen Vorschriften. Der Bundesrat hat sich mit dem Verordnungsentwurf auf Grundlage der Empfehlungen seiner Ausschüsse befasst. Er spricht sich grundsätzlich für eine Zustimmung aus, schlägt aber mehrere Änderungen und Ergänzungen vor. Dazu gehört unter anderem, Personen, die sich im Verfahren zur Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation befinden, unter bestimmten Voraussetzungen Tätigkeiten in der Apotheke zu ermöglichen. Damit soll ein Beitrag zur Entlastung der Apotheken und zur besseren Nutzung vorhandener Fachkräftepotenziale geleistet werden. Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem die Herstellung medizinischer Gase in Krankenhausapotheken sowie Fragen der Apothekenvergütung. Zudem wird der europäische Versandhandel mit Arzneimitteln aufgegriffen und eine ergänzende Entschließung gefasst. Damit werden neben kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen auch grundsätzliche Fragen der Arzneimittelversorgung und der Wettbewerbsbedingungen im Apothekenmarkt adressiert. Dem vollständigen Beschluss ( Drucksache 317/26 ) lassen sich diese Informationen sowie die ebenfalls gefasste Entschließung entnehmen.
13.07.2026 Beitrag
Bundesrat billigt GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Wie bereits letzten Freitag berichtet, ist am 10. Juli 2026 in 2./3. Lesung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Bundestag beschlossen worden. Auch über den Verlauf der Aussprache im Bundesrat ist hierin bereits berichtet worden. Am Ende der Sitzung hat der Bundesrat beschlossen, den Vermittlungsausschuss nicht anzurufen ( Beschluss Drucksache 411/26 ) und somit „grünes Licht“ für das Gesetz gegeben. Wie bereits berichtet, sind die wesentlichen Inhalte: Ein fester zusätzlicher und unbefristeter Herstellerabschlag von 8,5% (insgesamt somit 15,5%) statt des zunächst vorgesehenen dynamischen Herstellerabschlags. Ausnahmen sind möglich bei Biosimilars und deren biologische Referenzarzneimittel, bei Ablösung durch eine Erstattungsbetragsvereinbarung sowie bei klinischen Prüfungen, die zu einem relevanten Anteil in Deutschland durchgeführt wurden. Gemäß des ebenfalls am 10. Juli 2026 verabschiedeten Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen soll im Rahmen des Pharma- und Medizintechnikdialogs innerhalb einer neu einzusetzenden Kommission, besetzt mit Sachverständigen, Gewerkschaftsvertretern, Industrievertretern und den Fachberichterstattern der Koalitionsfraktionen, geprüft werden, wie weitere Ausnahmen aufgenommen werden können, um – im Einklang mit europa- und handelsrechtlichen Vorgaben und unter Wahrung der Beitragssatzstabilität der gesetzlichen Krankenversicherung – die Arzneimittelproduktion in Deutschland sowie relevante Investitionen in den Pharmastandort im Interesse von Wertschöpfung, tarifgebundener Beschäftigung und resilienter Versorgung durch finanzielle Anreize gefördert werden können. Der zusätzliche Impfstoffabschlag wird auf 9% (statt der im Regierungsentwurf vorgesehene 7%) erhöht. Bei der Preis-Mengen-Regelung wird der Rabattfaktor pro überschrittenen 100 Mio. Euro Umsatz von 1% auf 1,5% angehoben. Rabattverträge auch für patentgeschützte Arzneimittel mit therapeutisch vergleichbarer Wirkung, zunächst in einer Pilotphase bis zum 31. Dezember 2030 für fünf Wirkstoffgruppen. Das Preismoratorium wird bis Ende 2030 verlängert, aber nicht wie im Regierungsentwurf noch vorgesehen, ausgeweitet. Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel und Leistungen werden u. a. als Satzungsleistung der GKV ausgeschlossen. Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon für Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung, zunächst im Rahmen eines sechsmonatigen Therapieversuchs. Das parlamentarische Verfahren ist damit abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, wann die Verkündung im Bundesgesetzblatt erfolgen wird.
13.07.2026 Beitrag
KI-Hub: „Einsatz von KI bei der klinischen Bewertung von Medizinprodukten: Möglichkeiten und Vorteile“
Wie kann KI die klinische Bewertung von Medizinprodukten unterstützen? Der KI-HUB von Pharma Deutschland beleuchtet aktuelle Anwendungsfelder, regulatorische Anforderungen und praxisnahe Einsatzmöglichkeiten von KI entlang des klinischen Bewertungsproze
Mo 23 Nov Veranstaltung
HMA: HMPWG-Bericht der 41. Sitzung vom 26.- 27. Februar 2026 veröffentlicht
Die Sitzung fand vom 26. bis 27. Februar hybrid in Limassol, Zypern statt. Da es keinen ständigen Vorsitzenden der HMPWG gab, leitete das zyprische HMPWG-Mitglied die Sitzung in seiner Eigenschaft als derzeitiger stellvertretender Vorsitzender. Besonders erwähnenswert sind folgende Punkte: Sicherheit Es wurde ein Überblick über die im März 2025 reaktivierte Unterarbeitsgruppe „First Safe Dilution“ (s-WG FSD) vorgestellt. Die Gruppe setzt sich aus Experten für FSD und Mitgliedern der HMPWG (Sekretariat) zusammen. Da der Schwerpunkt der s-WG FSD auf der Bewertung von FSDs bei neuen homöopathischen Substanzen liegt, wird derzeit ein Entwurf für die „6. FSD-Liste“ ausgearbeitet. Angesichts der geplanten Aktualisierung der EMA-Leitlinie zur Festlegung des Schwellenwerts für Laktoseallergien bei allen Arzneimitteln, einschließlich homöopathischer Arzneimittel (Anhang zur „Leitlinie zu Hilfsstoffen“), erörterte die HMPWG die möglichen Auswirkungen auf homöopathische Arzneimittel, einschließlich der einheitlichen Anwendung durch die verschiedenen Zulassungsbehörden. Homeopathic use Das überarbeitete Dokument Consolidated List of Stocks for which Homeopathic Use is Justified , wurde zur anschließenden Veröffentlichung auf der Website der HMPWG angenommen. Qualität Der Vorsitzende der Unterarbeitsgruppe „Qualität“ (Qs-WG) fasste die seit der letzten HMPWG-Sitzung durchgeführten Aktivitäten zusammen, darunter die Absicht der Gruppe, neue Q&A-Dokumente zu erstellen. Der Entwurf des Dokuments „Zu beachtende Punkte zu Pyrrolizidinalkaloiden in homöopathischen Arzneimitteln“ wurde zur Veröffentlichung im Rahmen einer öffentlichen Konsultation auf der HMA-Website angenommen. ( Anmerkung Pharma Deutschland: Pharma Deutschland reichte die Stellungnahme zu dieser öffentlichen Konsultation am 8. Juni 2026 ein .) Gesetzgebung Änderung der Vorschriften für homöopathische Arzneimittel Es wurde ein aktueller Überblick über die neue Arzneimittelgesetzgebung (NPL) gegeben. Über die Änderungen in Bezug auf homöopathische Arzneimittel wurde anhand eines detaillierten Vergleichs mit den derzeit geltenden Rechtsvorschriften berichtet. SoHO-Verordnung Im Anschluss an eine Präsentation zur Verordnung (EU) 2024/1938 („SoHO-Verordnung“) wurden deren konkrete Auswirkungen auf die Regulierung homöopathischer Arzneimittel unter den Mitgliedern der HMPWG erörtert. Um eine einheitliche Auslegung der Vorschriften zu unterstützen und die Angleichung an den SoHO-Rahmen für homöopathische Arzneimittel sicherzustellen, plant die HMPWG, verfügbare Informationen zum Zulassungsstatus relevanter Produkte in den Mitgliedstaaten zu sammeln. Status Modul 1.2 – Antragsformular für homöopathische Arzneimittel Dieses Thema wurde erörtert, und es wurde vereinbart, dass weitere Klarstellungen erforderlich sind, um die Anwendbarkeit auf europäischer Ebene zu prüfen. Nationale Informationen Nach den Stellungnahmen der HMPWG-Mitglieder zum vorgeschlagenen ersten Entwurf einer Fragen-und-Antworten-Liste zu Bachblüten-Heilmitteln und Zellmineralprodukten wird eine konsolidierte Aktualisierung ausgearbeitet, die den HMPWG-Mitgliedern zur endgültigen Zustimmung vorgelegt wird. Nächste Sitzungen Der irische Vertreter der HMPWG erklärte, dass Irland beabsichtige, in der zweiten Jahreshälfte 2026 eine virtuelle HMPWG-Sitzung zu organisieren. Weitere Einzelheiten werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Details können dem Public Report of the 41th Meeting of the Homeopathic Medicinal Products Working Group entnommen werden.
13.07.2026 Beitrag PD
Health4EU
ZukunftsDialog Europäische Gesundheit
Do 08 Apr Veranstaltung
KI-HUB: Vorstellung des Leitfadens „KI im GDP- und GMP-Bereich“
Wie kann Künstliche Intelligenz im GDP/GMP-regulierten Umfeld verantwortungsvoll eingesetzt werden? Im Webinar stellt der KI-HUB von Pharma Deutschland den neuen Leitfaden „KI im GDP- und GMP-Bereich“ vor.
Do 05 Nov Veranstaltung PD
SONDERAUSGABE_Pharma_Update_China_2026.pdf
PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 1 PharmaUpdate China Mit uns am Puls der Gesundheitswirtschaft SONDERAUSGABE 2026 NEWSLETTER EINLEITUNG ...................................................................................................................................................... 1 VORGABEN DES 15. FÜNFJAHRESPLANS ........................................................................................................... 2 Allgemeine Ziele (Abschnitt 1) .......................................................................................................................... 2 Strategische Aufgaben, Ausschnitt (Abschnitt 2) .............................................................................................. 2 Umsetzung des „155“-Plans (Abschnitt 3), Pharma-relevante Ziele .................................................................. 3 GESUNDHEITSPOLITIK IN DER „155“ PLANPERIODE .......................................................................................... 5 EIN BLICK AUF DIE ERGEBNISSE DER „145“-PLANPERIODE ................................................................................ 6 WAS IST FÜR DIE PLANPERIODE „155“ ZU ERWARTEN? .................................................................................... 7 Pharma-Wirtschaft und Innovation .................................................................................................................. 7 Gesundheitspolitik ........................................................................................................................................... 8 Forschung und Entwicklung .............................................................................................................................. 9 AUSBLICK ....................................................................................................................................................... 10 Einleitung Im März 2026 verabschiedeten die konstitutionellen Körperschaften der VR China den 15. Fünfjahresplan „155“ (2026-2030) ( 中 华 人 民 共 和 国 国 民 经 济 和 社 会 发 展 第 十 五 个 五 年 规 划 纲 要 (https://www.ndrc.gov.cn/fggz/fzzlgh/gjfzgh/202603/U020260317369114704096.pdf). 1 Er bildet einen strategischen Entwicklungsrahmen für die nationalen Ziele und Prioritäten in Wirtschaft, Technologie, Sozialpolitik und Umwelt. Formuliert von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC,发改委), liegt seine Ausgestaltung und Umsetzung bei den Ministerien in Peking und den 26 Verwaltungseinheiten Chinas (Provinzen, autonome Gebiete, Municipalities). Einzelne Maßnahmen werden sich also erst in den kommenden Monaten ergeben, und wir werden in unseren Newslettern darüber berichten. Bereits der 14. Fünfjahresplan „145“ (2021-2025) enthielt keine Planzahlen mehr, wie sie in den früheren Fünfjahresplänen formuliert und meist übertroffen wurden. Nur noch selten werden quantitative Ziele festgelegt. Stattdessen geht es jetzt vor allem um qualitative Fortschritte und Innovationen, auch im Gesundheitssektor und bei „grünen“ Technologien. Chinas 15. Fünfjahresplan „155“ umfasst 140 Seiten und ist in drei große Abschnitte unterteilt. Abschnitt 1 enthält 20 Hauptziele für die zukünftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung. 1 https://www.ndrc.gov.cn/fggz/fzzlgh/gjfzgh/202603/U020260317369114704096.pdf https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://www.ndrc.gov.cn/fggz/fzzlgh/gjfzgh/202603/U020260317369114704096.pdf PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 2 Abschnitt 2 enthält die strategischen Aufgaben und wesentlichen Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen. Er ist in 16 Kapitel aufgeteilt. Ein eigenes Kapitel beschreibt wegweisende Projekte, die das Niveau der digitalen und KI-getriebenen Entwicklung Chinas steigern sollen. Abschnitt 3 enthält auf 130 der 140 Seiten Einzelheiten zur Umsetzung des Plans, darunter einen Punkt 8 „Schlüsseltechnologien an der wissenschaftlichen Front“. Im Folgenden referieren wir ausgewählte Abschnitte des Plans und seine bisher erkennbaren Pharma-relevanten Inhalte. Vorgaben des 15. Fünfjahresplans Allgemeine Ziele (Abschnitt 1) Bruttoinlandsprodukt. Im Jahr 2035 wird sich das BIP pro Kopf gegenüber 2020 verdoppelt haben. Strategische Aufgaben, Ausschnitt (Abschnitt 2) Gesundheitsversorgung • Die Anzahl der zugelassenen Ärzte pro 1.000 Einwohner steigt bis 2030 von 3,1 auf 3,7 und der registrierten Pflegekräfte von 4,3 auf 5,1. • Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt bis 2030 von 79,25 auf 80 Jahre. Industriestruktur Die Entwicklung von zehn strategischen Industrien wird beschleunigt. Dazu gehören neben Informationstechnologie der neuen Generation, neuen Energien und Materialien, intelligent vernetzten Batteriefahrzeugen, Robotern, Luft- und Raumfahrt auch die Biomedizin. Als besonders förderungswürdige neue Technologien werden herausgestellt die Quantentechnologie, Biofabrikation, Wasserstoff- und Kernfusionsenergie, Gehirn-Computer-Schnittstellen, humanoide Roboter und der Ausbau von 6G- Kommunikationssystemen. Wissenschaft und Technik, Digitalisierung • Die Abhängigkeit vom Ausland soll stark verringert werden. • Die Effektivität des Innovationssystems wird deutlich verbessert. • Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wuchsen 2025 um 9,1 Prozent und sollen bis 2030 um mindestens 7 Prozent pro Jahr steigen; der F&E-Anteil am BIP soll dann 2,8 Prozent betragen. • Der Anteil des digitalen Wirtschaftssegments am BIP soll von 10,5 Prozent (2025) bis 2030 auf 12,5 steigen. Urbanisierung, Nahrungs- und Energiesicherheit • Die „Urbanisierung neuen Typs“2 soll von 67,9 Prozent (2025) bis 2030 auf 71 Prozent wachsen. • Die Getreideproduktion soll etwa 725 Millionen Tonnen erreichen 3 , und die umfassende Produktionskapazität von Energie soll 5,8 Milliarden Tonnen Standardkohle betragen. „Beautiful China“ • Mehr „Bio“-Produkte werden angebaut und konsumiert. 2 Kreisgebiete mit einer Bevölkerung von mindestens 80.000 Einwohnern, von denen mindestens 30 Prozent nicht in der Landwirtschaft tätig sind 3 Das Ziel wurde bereits in der „145“-Periode erreicht. https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 3 • Der CO2-Ausstoß erreicht wie geplant bis 2030 ein Maximum und nimmt dann ab. • Die CO2-Emissionen bezogen auf das BIP sollen von 17,7 Prozent bis 2030 auf 17 Prozent reduziert werden. • Ein neues sauberes, kohlenstoffarmes, sicheres und effizientes Energiesystem soll entstehen. • Die Qualität der ökologischen Umwelt wird umfassend verbessert. • Die Gesamtmenge der Hauptschadstoffemissionen geht weiter zurück. • Die Konzentration von Feinstaub (PM2,5) in Städten auf Präfekturebene und darüber wird unter 27 Mikrogramm/Kubimeter reduziert. 4,5 • Der Anteil von Gewässern ausgezeichneter Qualität steigt auf 85 Prozent6. • Die Waldbedeckung steigt von 25,09 Prozent auf 25,8 Prozent 7. • Die Stabilität der Ökosystemvielfalt wird kontinuierlich verbessert. Umsetzung des „155“-Plans (Abschnitt 3), Pharma-relevante Ziele Auf den Seiten 67 bis 102 des Dokuments findet man zahlreiche gesundheitsrelevante Themen und Ziele. 1. Biomanufacturing (Biologische Produktion) Durchbrüche bei Schlüsseltechnologien wie Enzympräparaten, intelligenter Gestaltung biologischer Ressourcen (Germplasma) und intelligenter Fermentation sollen erzielt werden. Ziel ist die Förderung von Innovationen und Anwendungen in den Bereichen Biotechnologiezüchtung, Biochemie, Biopharmazie und Bioenergie. Darüber hinaus soll die Entwicklung und Anwendung von Zell- und Gentherapeutika, Antikörpermedikamenten, Nukleinsäure-basierten Arzneimitteln sowie Radiopharmaka beschleunigt werden. Gleichzeitig wird die Fähigkeit zur Forschung, Produktion und Anwendung von Impfstoffen und Arzneimitteln für Notfallsituationen gestärkt. 2. Brain-Computer-Interfaces (BCI) Die Entwicklung von Schlüsseltechnologien wie neuartigen Elektroden und spezialisierten Chips (Hard- und Software), Signal-Kodierungs- und Dekodierungsalgorithmen sowie Chinesisch-sprachigen Korpusdatenbanken8 wird beschleunigt. Ziel ist die Anwendung von BCI-Produkten in der Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen, in der motorischen Rehabilitation und beim Gesundheitsmonitoring. 4 https://www.news.cn/politics/20260227/096d43068fdb48269d548f6c9fe57310/c.html 5 Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche PM2,5-Konzentration in Städten auf Präfekturebene und darüber landesweit bei 28,0 µg/m3 und der Anteil der Tage mit guter Luftqualität erreichte 89,3 Prozent. Während des 14. Fünfjahresplans sank die landesweite PM2,5-Konzentration um 20 Prozent und die Zahl der Städte, die die Luftqualitätsstandards erfüllten, stieg von 206 auf 2465. 6 Sie lag allerdings 2025 bereits bei 90 Prozent, http://www.npc.gov.cn/npc/c2/c30834/202504/t20250427_444948.html 7 https://www.forestry.gov.cn/lyj/1/lcdt/20260312/662822.html 8 digitale Sprachsammlungen, in denen chinesische Texte oder gesprochene chinesische Sprache annotiert und durchsuchbar gemacht werden; ein Korpus unterscheidet sich von einem bloßen Textarchiv dadurch, dass er Recherchesoftware und linguistische Annotationen enthält. https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://www.news.cn/politics/20260227/096d43068fdb48269d548f6c9fe57310/c.html http://www.npc.gov.cn/npc/c2/c30834/202504/t20250427_444948.html https://www.forestry.gov.cn/lyj/1/lcdt/20260312/662822.html PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 4 3. Hochwertige Medizintechnik (High-End Medical Devices) Gefördert werden technologische Durchbrüche und die großskalige Anwendung neuer Diagnose- und Therapiesysteme, zum Beispiel hochentwickelte Computertomographie, hochauflösende Magnetresonanztomographie, Strahlentherapiesysteme, intelligente Operationsroboter und lebenserhaltende Systeme. Zudem sollen neuartige implantierbare und interventionelle Medizinprodukte für die Behandlung schwerer chronischer Erkrankungen entwickelt werden, insbesondere in den Bereichen Neurostimulation, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Orthopädie. Als weitere, nicht-medizinische Zukunftsindustrien werden genannt: • Künstliche Intelligenz (Chips und Software) • Quantentechnologie (Quantencomputer) • Kontrollierte Kernfusion (Fusionsreaktoren) • Tiefsee-, Tiefen- und Polarforschung • Weltraumforschung Abschnitt 8 „Schlüsseltechnologien an der wissenschaftlichen Front“ Hier wird es dann auf Seite 26 bis 32 noch etwas konkreter. Drei aus acht der dort genannten Punkte betreffen Pharma-relevante Themen, für die in naher Zukunft auch mit Ausschreibungen für konkrete Forschungsprojekte zu rechnen ist. 04 Lebenswissenschaften und Biotechnologie • Vertiefung der Forschung zur Genomeditierung, • präzise molekulare Wirkstoffabgabe, • Zellprogrammierung und -regulation, • fortgeschrittene Omics-Technologien, • Entwicklung von Technologien zu künstlichen Lebenssystemen, • Organoide und Organe „on-a-chip“, • biotechnologische Herstellung (synthetische Biologie, biomanufacturing), • Struktur- und Funktionsbildgebung, • Entwicklung von Softwaretools für das Bioengineering und das Protein-Design. 05 Neurowissenschaften und neuromorphe Forschung • Aufklärung der Prinzipien von Kognition und Gehirnfunktion, • Aufbau innovativer Technologien zur Erfassung und Modulation neuronaler Aktivität, • Stärkung von Technologien zur aktiven Förderung der Gehirngesundheit, • Entwicklung neuer Methoden und Produkte zur Prävention, Diagnose, Intervention und Behandlung schwerer neurologischer Erkrankungen, • Aufbau allgemeiner neuromorpher intelligenter Systeme. 06 Prävention und Behandlung schwerer Krankheiten sowie Entwicklung innovativer Arzneimittel • Verbesserung der Systeme zur Prävention, • Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten wie Aids, Tuberkulose und viraler Hepatitis, • Erforschung von Schlüsseltechnologien zur Früherkennung, Präzisionsmedizin und Biotherapie für Krebs, Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen, • Entwicklung innovativer Arzneimittel für häufige chronische Erkrankungen, schwere Infektionskrankheiten, seltene Erkrankungen und Kinderarzneimittel. In Teilen 01 und 09 werden themenübergreifende Technologien formuliert, die für Pharma relevant sind: https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 5 • künstliche Intelligenz: Entwicklung leistungsstarker KI-Chips und breit verfügbarer Basis-Software- Stacks, • Beschleunigung der Erforschung und Innovation im Bereich der Modellinfrastruktur, Vertiefung der Forschung zu Schlüsselalgorithmen wie interpretierbaren und entscheidungsfähigen Modellen sowie Verstärkung der Forschung und Anwendung im Bereich der Datenverwaltung und Sicherheitstechnologien für künstliche Intelligenz, • Durchführung von Innovationsprojekten für die Industrie im Bereich hochwertiger wissenschaftlicher Geräte und biologischer Reagenzien, • Verbesserung der Ressourcenbanken für biologisches Genmaterial und Versuchsmaterialien sowie der Verteilung der staatlichen wissenschaftlichen Feldbeobachtungsstationen, • Aufbau wissenschaftlicher Zeitschriften von Weltklasse, hochrangigen Plattformen für wissenschaftliche Literatur und wissenschaftlicher Datenbanken. Gesundheitspolitik in der „155“ - Planperiode Hierzu gibt es erste Hinweise9 in einem im Oktober 2025 veröffentlichten Dokument „Vorschlag des Zentralkomitees der CPC zur Ausarbeitung des 15. Fünfjahresplans für die nationale wirtschaftliche und soziale Entwicklung“ (中共中央关于制定国民经济和社会发展第十五个五年规划的建议).10 Er enthält zwei Grundsätze: 1. Verbesserung der Koordination zwischen Medizin, Krankenversicherung und Pharmaindustrie 2. Förderung eines Systems der gestuften medizinischen Versorgung (分级诊疗) In der folgenden Tabelle referieren wir dazu Einzelheiten und vergleichen sie mit den Vorgaben der vorhergehenden Fünfjahres-Planperiode „145“. Thema Ziele in „145“ (2021-2025) Ziele in „155“ (2026-2030) Gestufte medizinische Versorgung Beschleunigter Aufbau eines Systems der gestuften Versorgung -Optimierung der Funktion und Verteilung medizinischer Einrichtungen -Umsetzung eines Programms zur Stärkung der Basisgesundheitsversorgung -Förderung der Digitalisierung („Smart Health“) im Gesundheitswesen Leistungsfähigkeit -Aufbau regionaler medizinischer Zentren, die bis 2023 alle Provinzen abdecken -Einrichtung von etwa 120 regionalen medizinischen Zentren auf Provinzebene Bis 2027: Zugang zu medizinischer Versorgung innerhalb von 15 Minuten Bis 2030: -steigender Anteil der Leistungen durch lokale (kreis- und untergeordnete) Einrichtungen -deutliche Fortschritte im System der gestuften Versorgung -wohnortnahe, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung Qualität Leistungsfähige Gesundheitszentrum auf Gemeindeebene mit -Unterstützung von rund 1.000 regional integrierten Versorgungsnetzwerken -Ausbau und Qualitätsverbesserung von 9 Zu Beginn einer neuen Fünfjahresperiode wird der zentrale Masterplan veröffentlicht. Anschließend bilden die zuständigen Ministerien und Institutionen Arbeitsgruppen, die bis Anfang des Folgejahres (also Anfang 2027) die konkreten Maßnahmen und Umsetzungspläne ausarbeiten. 10 https://www.12371.cn/2025/10/28/ARTI1761640401107119.shtml https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 6 1–2 vielseitig einsetzbaren kompetenten Führungskräften Kreis-Krankenhäusern -zentrale Gesundheitszentren auf Gemeindeebene Krankenversicherung (医保) -Konsolidierung der Koordination auf Stadtebene -schrittweise Einführung der Provinzebene Einführung einer Provinz-weiten Koordination der Grundkrankenversicherung Arzneimittelbeschaffung (集采) Ausbau der staatlich organisierten zentralen Mengenbeschaffung von Arzneimitteln und Medizinprodukten -Optimierung der zentralen Beschaffungssysteme -Verbesserung von Erstattungssystemen -Verwendung von Überschüssen im Versicherungssystem Vergütungssystem (医保 支付) Einführung von fallbasierten Vergütungsmodellen -aktive Förderung privater Krankenversicherungen -Aufbau eines mehrschichtigen Systems der Gesundheitsabsicherung -kommerzielle Versicherung: Weiterentwicklung im Rahmen eines mehrstufigen Sicherungssystems Innovation & Biopharma Beschleunigung von: Zulassungsverfahren für innovative Medikamente und Impfstoffe -Zugang zu dringend benötigten und seltenen Therapien Durchbruch bei Schlüsseltechnologien Biotechnologie / Biomanufacturing -innovative Arzneimittel -Unterstützung der Entwicklung von Innovativen Medikamenten und Medizinprodukten Strategische Themen Bioökonomie mit Fokus auf Grundlagen und spezifischen Ausrichtungen Ausbau aufstrebender Branchen, Durchbrüche bei „Kerntechnologien“ und Integration von „AI+“ Technologie-Fokus Aufholprozess bei innovativen Medikamenten, Impfstoffen und High-End- Geräten Vom Prototyp zum Produkt: Schwerpunkt auf biologischer Fertigung und Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) F&E-Entwicklung Kontrolliertes Wachstum; durchschnittliches jährliches Wachstum der F&E-Ausgaben > 7 Prozent weiterhin >7 Prozent Wachstum in Ausgaben und umfassende Förderung für disruptive Innovationen und Projekte, die vom Konsens abweichen Ein Blick auf die Ergebnisse der „145“-Planperiode11 • Im Jahr 2024 beliefen sich die gesamtgesellschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf über 3,6 Billionen CN-Renmibi (entspricht rund 450,2 Milliarden Euro), was einem Anstieg von 48 Prozent gegenüber 2020 entspricht; die Forschungs- und Entwicklungsintensität (Anteil am BIP) erreichte 2,68 Prozent und lag damit über dem Durchschnitt der EU-Länder. 11 https://www.most.gov.cn/xwzx/twzb/fbh2025091801/twzbwzsl/202509/t20250918_194727.html) https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://www.most.gov.cn/xwzx/twzb/fbh2025091801/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 7 • Die Mittel für die Grundlagenforschung beliefen sich auf 249,7 Milliarden CN-Renmibi (etwa 31,2 Milliarden Euro), was einem Anstieg von über 70 Prozent gegenüber 2020 entspricht. • Der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Unternehmen liegt bei über 77 Prozent; im Jahr 2024 schafften es 524 Unternehmen aus Festlandchina unter die 2.000 weltweit führenden Unternehmen hinsichtlich ihrer Forschungs- und Entwicklungsausgaben in der Industrie. • Die Zahl der auf den Markt gebrachten innovativen inländischen Arzneimittel hat sich im Rahmen des 13. Fünfjahresplans verdreifacht, und hochwertige medizinische Geräte wie voll digitale PET-CT-Scanner werden nun in China hergestellt. Zur Bewältigung von Notfällen wurden Investitionen in die Bevorratung von Material und die Ausbildung von Gesundheitspersonal seit 2022 um etwa 20 Prozent gesteigert, eine weitere Aufstockung ist geplant. Im Vergleich zu Europa und den USA kann man Chinas Krankenversicherungssystem als bereits nahezu ausgereift bezeichnen, nur die Zugänglichkeit und Qualität der Gesundheitsdienste ist noch immer verbesserungsfähig. Auch bei der Ressourcenzuteilung zwischen Stadt und Land und beim Langzeitpflegebedarf in einer alternden Gesellschaft gibt es noch Lücken. Was ist für die Planperiode „155“ zu erwarten? Abschließend zitieren wir hier einige Trends aus unseren China PharmaUpdate Newslettern von 2025, die auch zu Beginn der „155“-Planperiode relevant bleiben dürften. Pharma-Wirtschaft und Innovation • Mehr innovative Arzneimittel aus China Von Januar bis Oktober 2025 betrug das Gesamtvolumen chinesischer License-out-Deals über 100 Milliarden US-Dollar (US$) und somit zweimal mehr als 2024 (51,8 Milliarden US$) und dreimal mehr als 2023 (38 Milliarden US$). Der Anteil Chinas am globalen Markt für innovative Arzneimittel-Deals lag 2016 noch bei circa 3,5 Prozent, heute beträgt er über 50 Prozent. US-Pharmaunternehmen schlossen allein im 1. Halbjahr 2025 Deals im Wert von rund 18,3 Milliarden US$ mit chinesischen Firmen ab. • Made-in-China-First Die “Made in China First”-Strategie (国产优先) wird fortgeführt. Sie ist ein erfolgreicher Teil der chinesischen Gesundheitsreform, die darauf abzielt, die inländische Produktion und Innovationskraft im Gesundheitssektor zu stärken. Gleichzeitig soll sie die Abhängigkeit von importierten Produkten verringern. Durch Unterstützung 12 https://www.nhsa.gov.cn/art/2026/3/16/art_7_19918.html Oktober 2020 Dezember 202512 Zahl der Versicherten (Milliarden) 1,36 1,33 Ambulante und stationäre Behandlungen (Milliarden) 7,7 7,2 Öffentliche Krankenhäuser 11.870 11.754 (2024) Private Krankenhäuser 23.524 26.956 (2024) Gesundheitszentren 35.177 37.301 (2024) Krankenhausbetten (Millionen) 9,1 10,3 (2024) https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://www.nhsa.gov.cn/art/2026/3/16/art_7_19918.html PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 8 lokaler Unternehmen und Innovationen will China die nationale Gesundheitsversorgung effizienter und kostengünstiger gestalten. Während ausländische Firmen nach wie vor Zugang zum Markt haben, sehen sie sich mit höheren Anforderungen und einem verstärkten Druck konfrontiert, ihre Produktion nach China zu verlagern oder Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen einzugehen. Gesundheitspolitik • Preisregulierung berücksichtigt Qualität Bereits seit 2015 begannen in China zentrale Preisverhandlungen 医保谈判 für die Aufnahme von Medikamenten in die Erstattungsliste der nationalen Krankenversicherung NRDL 医保目录. Mit der Gründung der Nationalen Krankenversicherungsbehörde (NHSA) 2018 und einem nationalen Arzneimittelverzeichnis 医保药品目录 gelang es, dieses Konzept zu zentralisieren und zur Routine zu machen. Anbieter müssen jetzt jährlich Preisgebote für solche Medikamente machen, die von der öffentlichen Krankenversicherung erstattet werden. Das gilt auch für innovative, patentgeschützte Medikamente. Die Preisnachlässe, die bei diesen Verhandlungen erzielt wurden, lagen im Mittel immer über 50 Prozent. Dadurch konnten auch teure Medikamente für eine breitere Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Viele teure, auch ausländische Medikamente kamen durch diese Maßnahme unter hohen Preisdruck. Um den Zugang zum großen chinesischen Markt zu sichern, mussten die Hersteller große Preisnachlässe akzeptieren. Andererseits kam es bei chinesischen Herstellern zu einem Preisdumping, das in Einzelfällen zu Lasten der Qualität ging und einige Firmen auch in den Ruin trieb. Reformen bei der Ausschreibungspraxis sollen derartige Exzesse in Zukunft verhindern. • Ergänzende private KV, private Krankenhäuser 2025 verstärkte die chinesische Krankenversicherungsbehörde ihre Strategie, private Krankenversicherungen auszubauen, da deren Leistungsanteil 2023 nur 3,3 Prozent der Gesundheitsausgaben entsprachen. Durch die massive Marktverzerrung der zentralen Beschaffung – die viele hochwertige, aber teure Medikamente aus dem öffentlichen System drängt – entsteht für private Krankenversicherungen ein neues strategisches Versorgungsfeld. Damit konnte die private KV im Jahresverlauf 2025 an politischer Priorität zugewinnen und könnte langfristig zur zentralen Eintrittsschleuse für hochwertige internationale Arzneimittel und MedTech- Produkte werden. Für deutsche Exporteure eröffnen die Reformen eine neue Zugangsschiene über private Krankenversicherungen, da hochwertige internationale Arzneimittel und MedTech-Produkte zunehmend außerhalb der zentralen Beschaffung erstattungsfähig werden – ein potenziell wachsender Premium-Markt. Seit 2023 wurden drei private Krankenhäuser zugelassen. Diese Trends dürften anhalten. • Sonderzone Hainan Bereits seit 2020 ist die Hainan BoAo (博鳌) Lecheng International Medical Tourism Zone die erste „Freihandelszone“ für innovative Medizinprodukte und pharmazeutische Produkte in China1. Hier können bei dringend benötigten Medikamenten und Medizinprodukten klinische Daten aus dem Ausland bei einem Zulassungsantrag verwendet werden, ein neues Produkt wird also schneller registriert. Die Zulassung ist zunächst auf Hainan beschränkt und bietet Patienten dort den Zugang zu fortschrittlichen Behandlungen, die in anderen Regionen Chinas noch nicht verfügbar sind. Unter gewissen Bedingungen kann sie dann auf den Rest Chinas ausgeweitet werden. Dabei werden dort gesammelte klinische Daten beim Zulassungsverfahren anerkannt. Bis Ende 2025 wurden bereits 15 innovative gen- und zellbasierte Medikamente auf Hainan zugelassen. • Alternde Gesellschaft 2030 werden 220 Millionen Chinesen älter als 65 Jahre und über 40 Millionen älter als 80 Jahre sein. Damit steigt das Risiko für chronische Krankheiten und der Bedarf an der Versorgung dieser Patienten. 2023 machten Herz- https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 9 Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und chronische Atemwegserkrankungen 79 Prozent der krankheitsbedingten Todesfälle und 70 Prozent der Gesundheitskosten aus. Die Zahlen: • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 330 Millionen (Schlaganfall 13 Millionen, Koronarerkrankungen 11 Millionen) • Krebs: jährlich >4,6 Millionen neu diagnostiziert und >2,5 Millionen Todesfälle • Atemwegserkrankungen: >150 Millionen Auch Diabetes spielt eine große Rolle und betrifft in China derzeit über 140 Millionen Menschen. Forschung und Entwicklung Die folgenden vier Beiträge beschreiben Forschungsfelder, die derzeit in China im Trend liegen und wo für die Periode „155“ zahlreiche Innovationen erwartet werden dürfen. • Personalisierte Medizin und das Yao-Genom Forscher in Peking haben ein Modellgenom der chinesischen Bevölkerung hergestellt, das sie nach einer legendären prähistorischen Hauptstadt Chinas das „Yao-Genom“ benannt haben. Sie sammelten dazu DNA- Proben von Einwohnern eines alten Dorfes in Nordchina, das als Ausgangspunkt der landesweiten Massenmigration im späten 14. Jahrhundert gilt. Eine vergleichende Analyse des Yao-Genoms mit einem in den USA erzeugten humanen Referenzgenoms ergab etwa 11 Prozent Abweichungen und Unterschiede in etwa 3.000 Genen. Das Yao-Referenzgenom dient damit als geeignete genetische „Navigationskarte“ für die Han-chinesische Bevölkerung und unterstützt die klinische Forschung in China bei der Diagnose genetischer Erkrankungen, der Vorhersage von Krankheitsrisiken, Krebsstudien und die Präzisionsmedizin. 13 • Erfolge in der Zell- und Gentherapie Ein Forschungsteam in Schanghai hat eine auf endodermalen Stammzellen beruhende Methode zur Herstellung regenerierter Langerhans-Inseln zur Behandlung von Typ-1-Diabetes entwickelt. Nach Transplantation über die Pfortader funktionierten sie wie normales Pankreasgewebe und regulierten den Blutzuckerspiegel. Bei drei Patienten mit Typ-1-Diabetes (T1D), die an dieser Studie teilnahmen, betrug die längste klinische Heilung über 26 Monate. 14 • Hirnforschung Chinesische Wissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit internationalen Forschern einen Durchbruch in der Kartierung von Gehirnen erzielt. Durch Kombination hochauflösender Bildgebungsverfahren, räumlicher Transkriptomanalyse und KI-Technologien konnten umfassende Gehirnatlanten von Reptilien, Vögeln, Nagetiere, nicht-menschlichen Primaten und des Menschen erstellt und verschiedene Arten von Nervenzellen genau lokalisiert werden. Die Forschung zielt darauf ab, die neuronalen Netzwerkstrukturen zu entschlüsseln, die Wahrnehmung, Bewegung, Lernen, Gedächtnis und Entscheidungsfindung zugrunde liegen. China ist führend vor allem bei der Erforschung des Makakken- und Rhesus-Gehirns.15 • Organtransplantation 13 https://window-to-china.de/2023/12/14/the-yao-genome-a-more-accurate-genome-sequence-for-the-han- population/ 14 https://window-to-china.de/2026/03/19/stem-cell-derived-islet-transplantation-in-three-diabetes-1- patients-reconstructs-islet-function/ 15 https://window-to-china.de/2025/07/15/300-scientists-compare-brain-maps-from-various-species-at-single- cell-resolution/ https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://window-to-china.de/2023/12/14/the-yao-genome-a-more-accurate-genome-sequence-for-the-han-population/ https://window-to-china.de/2023/12/14/the-yao-genome-a-more-accurate-genome-sequence-for-the-han-population/ https://window-to-china.de/2026/03/19/stem-cell-derived-islet-transplantation-in-three-diabetes-1-patients-reconstructs-islet-function/ https://window-to-china.de/2026/03/19/stem-cell-derived-islet-transplantation-in-three-diabetes-1-patients-reconstructs-islet-function/ https://window-to-china.de/2025/07/15/300-scientists-compare-brain-maps-from-various-species-at-single-cell-resolution/ https://window-to-china.de/2025/07/15/300-scientists-compare-brain-maps-from-various-species-at-single-cell-resolution/ PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 10 Nach zahlreichen erfolgreichen Transplantationen von Lebern und Nieren aus Genom-editierten Schweinen ist einem Forschungsteam in Guangzhou nun auch die Transplantation einer genveränderten Schweinelunge gelungen. Bei dem Spenderschwein waren sechs Gene verändert worden, um das Immunrisiko nach der Transplantation beim Menschen zu reduzieren. Postoperative Überwachung von Atmung, Blutbild und Bildgebung bei dem gehirntoten Patienten zeigten, dass die transplantierte Lunge neun Tage lang die Ventilations- und Gasaustauschfunktionen aufrechterhielt. In diesem Zeitraum traten keine akuten Abstoßungsreaktionen auf, und die pathogenetische Überwachung ergab keine Hinweise auf eine aktive Infektion.16 Ausblick Abschließend fassen wir noch einmal unsere wichtigsten Erkenntnisse zusammen. • Während des 14. Fünfjahresplans lag der Schwerpunkt auf „Durchbrüchen“. Im neuen Plan „155“ verlagert er sich auf Umsetzung, Anwendung und Gestaltung. • Hoher Wettbewerbsdruck soll eine ergebnisorientierte Innovationskultur fördern. • Die Ausgaben für Wissenschaft und Technik, für Forschung und Entwicklung steigen weiter. Da China in vielen Bereichen bereits eine Spitzenstellung erreicht hat, investiert das Land stärker in die Grundlagenforschung. • Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist bereits gut und wird landesweit weiter verbessert. Dabei hilft eine erfolgreiche Digitalisierung mit großflächiger 5G-Infrastruktur, die bereits 6G ins Auge fasst. • Zur Bewältigung der Gesundheitskosten kommen zunehmend privatwirtschaftliche Lösungen ins Spiel, darunter Privatversicherungen und private Krankenhäuser. • Chinas Medizinforschung nähert sich immer stärker den internationalen Spitzenleistungen an. Dank ausgezeichneter technischer Infrastruktur, etwa bei Rechenzentren, Datenbanken und Genbanken, einer führenden Position bei KI-getriebenen Lösungen und der großen Bevölkerungszahl mit archivierten Krankheitsverläufen hat China große Chancen, bei der Entwicklung innovativer Diagnosen, Wirkstoffe und Therapien, zum Beispiel von seltenen Krankheiten, eine wesentliche Rolle zu spielen. • Es bleibt anzumerken, dass die dargestellten Fortschritte und ambitionierten Zielsetzungen der chinesischen Gesundheits- und Innovationspolitik nicht unkritisch gesehen werden dürfen. Immer wieder gibt es Berichte, etwa in Nature17 und The BMJ18, dass ein Teil klinischer Studiendaten aus China hinsichtlich Qualität, Reproduzierbarkeit und möglicher Verzerrungen kritisch zu betrachten ist, was die Bewertung gemeldeter wissenschaftlicher Erfolge erschwert. • Die Qualität zentral beschaffter Arzneimittel wird immer wieder hinterfragt. Im Vordergrund steht hier sicher, steigende Gesundheitskosten durch aggressive Preissenkungen zu kontrollieren. Der Preisdruck durch zentrale Beschaffung kann aber auch als industriepolitisches Instrument zur Förderung heimischer Anbieter und zur Reduktion von Importabhängigkeiten interpretiert werden. • Die öffentliche Kommunikation im Gesundheitssektor wird häufig von nationalen Narrativen begleitet, die eine Konkurrenz zwischen westlicher und chinesischer Medizin betonen und die wissenschaftliche Diskussion politisieren. • Die begrenzte Transparenz regulatorischer Prozesse sowie kurzfristige politische Anpassungen stellen für internationale Unternehmen ein relevantes Risiko dar. Trotz eines insgesamt attraktiven Marktpotenzials erfordert ein Engagement in China daher eine sorgfältige und risikobewusste Strategie. 16 https://window-to-china.de/2025/09/01/successful-pig-to-human-gene-edited-lung-transplant-in- guangzhou/ 17 https://www.nature.com/articles/d41586-025-02906-y 18 https://www.bmj.com/content/392/bmj-2025-087581 https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ https://www.nature.com/articles/d41586-025-02906-y https://www.bmj.com/content/392/bmj-2025-087581 PharmaUpdate China | exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de 11 • Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft den Schutz geistigen Eigentums (IP-Recht). Obwohl China in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte bei der Stärkung seines Patentsystems gemacht hat, bestehen bei der praktischen Durchsetzung weiterhin Unsicherheiten. Im Pharmabereich ist der rechtliche Rahmen formal weitgehend an internationale Standards angepasst, jedoch können industriepolitische Maßnahmen, wie die Förderung lokaler Generika im Rahmen zentraler Beschaffungsprogramme, den wirtschaftlichen Wert von Innovationen unterlaufen. Für internationale Unternehmen ergibt sich daraus weiterhin ein Spannungsfeld zwischen attraktivem Marktpotenzial und verbleibenden Risiken im Umgang mit geistigem Eigentum und regulatorischer Planbarkeit. Trotz dieser Herausforderungen und Unsicherheiten bleibt China ein strategisch äußerst wichtiger Markt, sodass es für Unternehmen entscheidend ist, differenzierte und langfristig angelegte Strategien zu entwickeln, anstatt sich aus Vorsicht, Vorurteilen oder kurzfristigen Risiken heraus von einem Engagement abzuwenden. https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de/ 12 Das PharmaUpdate China – ein Angebot der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft – gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die Gesetzesänderungen und -initiativen der letzten Monate. Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft will Deutschlands Stellung als eines der führenden Exportländer gesundheitswirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen stärken. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt. Ein Angebot der: Erstellt durch: Mit freundlicher Unterstützung: Hinweise: Alle Informationen im vorliegenden Newsletter wurden mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert. Wir bemühen uns, Ihnen diese Informationen möglichst aktuell, inhaltlich richtig und vollständig anzubieten. Dennoch ist das Auftreten von Fehlern nicht vollkommen auszuschließen. Soweit dies gesetzlich zulässig ist, können wir daher keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen, es sei denn, die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit beruht auf vorsätzlichem oder grobem Verschulden. Darüber hinaus enthält der Newsletter Kommentierungen und Handlungsempfehlungen allgemeiner Art, die auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Diese Kommentierungen und Handlungsempfehlungen stellen keine Rechts- oder Unternehmensberatung dar und können diese im Einzelfall nicht ersetzen. Mehr Erfolg im Auslandsgeschäft www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de file://///svb010/daten$/Exportini_Gesundheit/02%20Arzneimittel/02%20Informationen/01.%20Russland_Newsletter/03%20Umsetzung/2021/www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de https://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de http://www.gtai.de/
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