Antibiotika sind ein Grundpfeiler der modernen Medizin. Sie machen Operationen, Krebstherapien und die Behandlung schwerer bakterieller Infektionen überhaupt erst möglich – Antibiotika retten damit jeden Tag Menschenleben. Sie sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Gesundheitsversorgung und tragen wesentlich dazu bei, Morbidität und Mortalität durch bakterielle Infektionen deutlich zu senken. Dabei bedrohen zunehmende Resistenzen, Lieferengpässe und die starke Abhängigkeit von Asien die Versorgung. Politik, Pharmaindustrie und Branchenverbände drängen daher auf einen verantwortungsvollen Einsatz, mehr Forschung an neuen Wirkstoffen und eine Stärkung der Antibiotikaproduktion in Europa.
Antibiotika sind Arzneimittel, die gezielt bakterielle Infektionen behandeln, indem sie krankmachende Bakterien hemmen oder abtöten. Antibiotika wirken gegen Bakterien und machen Infektionen wie Lungenentzündungen oder schwere Wundinfektionen behandelbar – Krankheiten, die noch vor weniger als einem Jahrhundert häufig zum Tod geführt haben. Damit gehören Antibiotika zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin. Aus Sicht von Pharma Deutschland sind sie essenzielle Arzneimittel, deren Verfügbarkeit dauerhaft gesichert werden muss, da sie in nahezu allen Bereichen der Medizin eingesetzt werden.
Gegen von Viren verursachte Erkrankungen, wie eine Erkältung oder Grippe, wirken Antibiotika hingegen nicht. Ein sachgerechter Einsatz ist daher entscheidend, um Fehlanwendungen zu vermeiden und die Wirksamkeit dieser Medikamente langfristig zu erhalten.
Die Wirkstoffe der Antibiotika greifen an lebenswichtigen Strukturen der krankmachenden Bakterien an, etwa an der Zellwand, der Eiweißproduktion oder der Erbsubstanz. Folge: Die Erreger können sich nicht mehr vermehren oder sterben ab. Man unterscheidet dabei Schmalspektrum-Antibiotika, die nur bestimmte Bakteriengruppen treffen, und Breitband-Antibiotika, die gegen eine große Zahl verschiedener Bakterienarten wirken. Der gezielte Einsatz von Schmalspektrum-Antibiotika wird von Fachgesellschaften und Pharma Deutschland besonders empfohlen, um den Selektionsdruck auf Bakterien möglichst gering zu halten und Resistenzentwicklungen zu verlangsamen.
Antibiotika werden zur Behandlung von Infektionen eingesetzt, die durch Bakterien verursacht werden. Sie sind dabei sowohl in der ambulanten Versorgung als auch im stationären Bereich unverzichtbar und gehören zu den am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln weltweit. Typische Erkrankungen, gegen die Antibiotika zum Einsatz kommen:
In bestimmten Situationen werden Antibiotika auch vorbeugend eingesetzt:
In Deutschland sind gut 80 Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen zugelassen, die man etwa 20 Klassen zuteilen kann. Antibiotikaklassen sind dabei Gruppen von Antibiotika, die nach gemeinsamen Eigenschaften zusammengefasst werden – zum Beispiel nach ihrer chemischen Struktur oder danach, wie sie Bakterien angreifen. Ärztinnen und Ärzte können dank der Klassenzuordnung schnell passende Alternativen auswählen – etwa wenn Resistenzen bestehen oder eine Patientin ein bestimmtes Antibiotikum nicht verträgt.
Zu den wichtigsten Antibiotikaklassen zählen:
| Klasse | Wirkweise | Beispiele |
|---|---|---|
| Beta-Laktame | Töten Bakterien (bakterizid) | Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme, Monobactame |
| Makrolide | Hemmen das Wachstum (bakteriostatisch) | Erythromycin, Azithromycin |
| Tetracycline | Hemmen die Proteinbiosynthese | Doxycyclin, Tetracyclin |
| Fluorchinolone | Greifen in die DNA-Replikation ein | Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin |
| Glykopeptide | Einsatz gegen grampositive Bakterien inkl. MRSA | Vancomycin, Teicoplanin |
| Aminoglykoside | Töten Bakterien, sehr stark | Gentamicin, Amikacin |
| Sulfonamide / Diaminopyrmidine | Hemmen der Folsäurestoffwechsel | Sulfamethoxazol / Trimethoprim (Die Kombination wird auch als Cotrimoxazol bezeichnet) |
Die Vielfalt an Wirkstoffen und Klassen ist notwendig, um auf unterschiedliche Erreger und Resistenzlagen reagieren zu können. Gleichzeitig erfordert der Erhalt dieser therapeutischen Breite eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Marktverfügbarkeit – insbesondere auch im Bereich bewährter, älterer Antibiotika.
Multiresistente Erreger verursachen nicht automatisch schwerere Infektionen, machen diese aber deutlich schwieriger therapierbar, weil die Standardantibiotika nicht mehr wirken und oft nur noch Reserveantibiotika infrage kommen. Typische Beispiele für multiresistente Erreger sind MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und bestimmte multiresistente gramnegative Bakterien wie Klebsiella pneumoniae oder Pseudomonas aeruginosa.
Die Bekämpfung multiresistenter Erreger ist besonders anspruchsvoll, denn sie besitzen oft mehrere Schutzmechanismen gleichzeitig (z.B. Enzyme, die Antibiotika abbauen, Pumpen, die Wirkstoffe wieder hinausschleusen, oder veränderte Zielstrukturen), sodass nur Kombinationen oder speziell optimierte Wirkstoffe erfolgreich sind.
Die zunehmende Verbreitung solcher Erreger stellt nach Einschätzung von Pharma Deutschland eine der größten Herausforderungen für Gesundheitssysteme dar, da sie nicht nur die Therapieoptionen einschränkt, sondern auch die Dauer von Krankenhausaufenthalten verlängert und die Behandlungskosten erhöht.
„Multiresistente Erreger sind Bakterien, die gegen mehrere verschiedene Antibiotikagruppen unempfindlich (resistent) geworden sind und sich deshalb nur noch mit wenigen Arzneimitteln behandeln lassen.“
Antibiotika werden vor allem von der Pharmaindustrie entwickelt – zunehmend in Kooperation mit Universitäten, öffentlichen Forschungsverbünden und internationalen Förderinitiativen. Mitglieder von Pharma Deutschland bringen sich ein und zählen zu den Innovationstreibern für eine besser Gesundheitsversorgung.
Die Entwicklung neuer Antibiotika gilt als besonders risikoreich, kostenintensiv und wissenschaftlich anspruchsvoll, da geeignete Wirkmechanismen schwer zu identifizieren sind und regulatorische Anforderungen hoch sind. Für viele Institutionen sind die Kosten der notwendigen klinischen Studien daher nicht tragfähig.
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Grundlagen der modernen Gesundheitsversorgung. Sie machen viele Behandlungen erst möglich und retten jedes Jahr weltweit Millionen Menschenleben. Seit der Einführung von Penicillin Anfang der 1940er Jahre wurden bakterielle Infektionen wie Lungenentzündung oder Tuberkulose von oft tödlichen Erkrankungen zu meist gut behandelbaren Krankheiten. Ohne wirksame Antibiotika wären auch Routineeingriffe – etwa BlinddarmOPs oder Kaiserschnitte – deutlich riskanter, weil einfache Wundinfektionen lebensbedrohlich werden könnten.
Antibiotika bereiten die Grundlage für die heutige Hightech-Medizin. Organtransplantationen, intensive Chemotherapien in der Onkologie, komplexe Herz und Gefäßoperationen oder die Versorgung von Frühgeborenen sind nur möglich, weil Antibiotika Infektionen bei stark geschwächtem Immunsystem beherrschbar halten. Fachinstitutionen wie das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonen deshalb, dass Antibiotika zu den größten medizinischen Errungenschaften zählen und für die moderne Medizin „unverzichtbar“ sind.
Antibiotikaresistenz bedeutet, dass Bakterien gegen Antibiotika unempfindlich geworden sind – das Medikament kann sie dann nicht mehr zuverlässig abtöten oder im Wachstum bremsen. Dabei verändern sich die Bakterien so, dass das Antibiotikum seinen Angriffspunkt nicht mehr erreicht oder dort nicht mehr wirken kann (z.B. durch veränderte Zellwand, „Pumpen“ nach außen oder abbauende Enzyme). Solche Resistenzeigenschaften können sich vermehren und auf andere Bakterien übertragen. So entstehen multiresistente Keime, gegen die gleich mehrere Antibiotikaklassen nicht mehr helfen.
„Zunehmende Antibiotikaresistenzen sind ein Problem, denn gewohnte Standardtherapien versagen dann häufiger, Infektionen dauern länger, verlaufen schwerer und können lebensbedrohlich werden.“
Wichtige Branchenakteure wie die WHO, das RKI und Pharma Deutschland bewerten Antibiotikaresistenzen als eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Ohne Gegenmaßnahmen könnten bis 2050 weltweit Millionen Todesfälle pro Jahr durch resistente Erreger auftreten.
Ein verantwortungsvoller Umgang in der Humanmedizin und auch in der Tiermedizin sind ein zentrales Anliegen von Pharma Deutschland.
Schätzungen zufolge versterben jedes Jahr rund 35 000 Menschen im Europäischen Wirtschaftsraum infolge von Infektionen mit Antibiotika-resistenten Erregern. Sofern sich der in den letzten Jahren beobachtete Trend fortsetzt, sind künftig global rund 10 Mio. Todesfälle aufgrund von Resistenzen zu erwarten, mit der Folge eines um 2 % bis 3,5 % geringeren globalen Wirtschaftswachstums.


Pharma Deutschland unterstützt einen integrierten „One Health“-Ansatz, der Humanmedizin, Tiermedizin und Umwelt gemeinsam betrachtet, um die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen ganzheitlich zu bekämpfen. Zudem ist eine korrekte Diagnostik wichtig, um bakterielle Infektionen schneller und gezielter zu erkennen und Antibiotika nur dann einzusetzen, wenn sie tatsächlich notwendig sind.
Gegen Antibiotikaresistenzen helfen vor allem: Infektionen verhindern, Antibiotika gezielt und sparsam einsetzen und die Forschung an neuen Wirkstoffen stärken.
Insbesondere im Bereich der sogenannten Reserveantibiotika besteht ein strukturelles Marktversagen: Diese Medikamente sollen möglichst selten eingesetzt werden, was ihre wirtschaftliche Attraktivität erheblich einschränkt. Neue Anreizmodelle wie „Pull-Incentives“ (z. B. Marktprämien oder Abnahmegarantien) könnten Innovationen nachhaltig fördern.
Der Forschungsbedarf zu neuen Antibiotika ist hoch. Es gibt zwar wichtige Projekte und Fonds, insgesamt ist die Entwicklung bislang aber deutlich hinter dem medizinischen Bedarf zurückgeblieben. Zwar kommen vereinzelt neue Mittel auf den Markt. Um mit der Ausbreitung von Resistenzen Schritt zu halten, wären aber deutlich mehr Neuentwicklungen nötig.
"Die Pipeline neuer Antibiotika ist seit Jahren zu dünn und besonders bei Reserveantibiotika entsteht eine gefährliche Lücke."
Zu Erfolgen gehören Projekte wie das europäische ENABLE-Konsortium – ein Zusammenschluss von Partnern aus Forschung und Pharmaindustrie –, das mehrere vielversprechende Wirkstoff-Kandidaten („Leads“) bis in frühe klinische Studien bringen und zeigen konnte, dass öffentlich-private Partnerschaften funktionieren. Zudem stellt der globale AMR Action Fund der pharmazeutischen Industrie über eine Milliarde US-Dollar bereit, um bis 2030 neue Antibiotika gegen multiresistente Erreger zur Marktreife zu bringen.
Die Entwicklung von Reserveantibiotika für Unternehmen allerdings wirtschaftlich kaum tragfähig. Hohe Entwicklungs- und Produktionskosten treffen auf geringe Verordnungszahlen. Daher fordert Pharma Deutschland neue Vergütungsmodelle und staatliche Anreize, um Forschung und Vorhaltung attraktiver zu machen.
Antibiotika sind hier in Relation zu ihrem Anteil an den Verordnungszahlen deutlich überrepräsentiert, fallen also übermäßig oft aus, etwa durch Abhängigkeit von Wirkstoffproduktionen in China und wenigen verbliebenen Herstellern in Europa, und sie fordern höhere Festbeträge, die Förderung europäischer Produktionsstandorte und strategische Programme speziell für versorgungsrelevante Antibiotika.
Gemäß einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2025 befinden sich 47 Prozent der Produktionsstandorte für Antibiotika in China, 27 Prozent in Indien und nur rund 23 Prozent in Europa. In Europa befindet sich derzeit nur eine einzige Produktionsstätte (das Werk der Sandoz AG in Kundl/Österreich), in der antibiotische Wirkstoffe (genauer Penicilline) von einfachsten Vorstufen aus vollständig synthetisiert werden. Alle anderen europäischen Produktionsstätten greifen in der Antibiotikaherstellung auf Vor- und Zwischenstufen zurück, die in Asien und hier vor allem in China hergestellt werden.
„Deutschland ist bei Antibiotika stark von Importen abhängig, vor allem von Wirkstoffen aus Asien.“
Diese Abhängigkeit gilt als strategisches Risiko für die Versorgungssicherheit. Denn Exportstopps oder Produktionsstörungen in China oder Indien können schnell zu massiven Lieferengpässen in Deutschland führen. EU und Bund wollen mit Instrumenten wie dem Critical Medicines Act, nationalen Pharmastrategien und gezielten Förderprogrammen die Produktion kritischer Arzneimittel wie Antibiotika in Europa wieder stärken und die Abhängigkeit reduzieren.
Antibiotika sind von großer Bedeutung und werden auch politisch diskutiert. Dabei geht es vor allem um folgende Bereiche:
Branchenverbände fordern vor allem bessere Rahmenbedingungen, damit wirksame Antibiotika – insbesondere Reserveantibiotika – entwickelt, produziert und langfristig bereitgehalten werden können.
Zentrale Forderungen
"Wir benötigen eine Strategie, die die Entwicklung neuartiger Therapien mit Marktbedingungen verbindet, die den Erhalt bestehender Antibiotika sicherstellt."
Entwicklung neuer Therapieoptionen und Wirkstoffe
Damit auch in Zukunft bakterielle Infektionen optimal behandelt werden können, ist es zunächst unerlässlich, die Erforschung neuer Therapieansätze zur Behandlung bakterieller Infektionen zu fördern. Dies umfasst die Entwicklung sogenannter Reserveantibiotika, auf die zurückgegriffen werden kann, wenn Standardtherapien versagen, beschränkt sich aber nicht auf diese. Nicht alle neu entwickelten antibiotischen Wirkstoffe müssen zwangsläufig als Reservetherapeutika eingestuft werden.
Erfolgt die Einstufung als Reserveantibiotika, dann sollten diese aus guten Gründen nur in besonderen Fällen eingesetzt werden, da es mitunter nur wenige Monate nach Anwendung eines neuen Antibiotikums dauert, bis neue resistente Bakterienstämme bei Patientinnen und Patienten nachgewiesen werden können. Aus diesem Grund ist es gleichzeitig unerlässlich, bestehende Therapieoptionen adäquat einzusetzen und somit der Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, wie dies beispielsweise durch die Kriterien der qualitätsgesicherten Anwendung für Reserveantibiotika oder den Antibiotic Stewardship-Programmen implementiert wurde.
In den letzten Jahren wurden nur sehr wenige neue antibiotische Wirkstoffe entwickelt und zugelassen. Ein Grund liegt in den hohen Innovationskosten, welche für einen neuen Wirkstoff mindestens im dreistelligen Millionenbereich liegen. Diese hohen Entwicklungskosten steht dann allerdings bei Antibiotika nur ein sehr begrenztes Marktpotenzial gegenüber, da neue Wirkstoffe zunächst als Reservetherapeutika eingestuft und somit nur solchen Patienten zugänglich gemacht werden, bei denen andere Therapien – bspw. durch Antibiotika-resistente Erreger – versagt haben. In dieser Situation ist die Politik gefordert, wirtschaftliche Anreize zu schaffen, damit forschende Unternehmen trotz der geringen Umsatzerwartung neuer Antibiotika die Entwicklung solcher Wirkstoffe vorantreiben.
Die Preisbildung der antibiotischen Arzneimittel sollte sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich die Prämisse der verantwortungsvollen Einnahme und der damit einhergehenden seltenen Verschreibung dieser Arzneimittel angemessen berücksichtigen. Die Vergütung innovativer Antibiotika sollte vollständig von der Verschreibungsmenge entkoppelt werden. Nur so können wirtschaftliche Anreize für pharmazeutische Unternehmen sowie wirtschaftliche Sicherheit für verordnende Praxen sichergestellt werden und ungewollten Mengenausweitungen vorgebeugt werden.
Bisher können Arzneimittel, die als Reserveantibiotika für die Versorgung von Bedeutung sind, von der der Festbetragsgruppenbildung ausgenommen werden. Zukünftig sollten sie verpflichtend ausgenommen sein. (§ 35 Abs. 1 SGB V).
Die Freistellung von der Nutzenbewertung im Rahmen des AMNOG-Prozesses für neue Antibiotika (§ 35a Abs. 1c SGB V) und die damit verbundene Fiktion “Zusatznutzen gilt als belegt” sind grundsätzlich zu begrüßen.
Die Nutzenbewertung muss die Resistenzsituation unter Einbeziehung der in-vitro-Daten verpflichtend berücksichtigen. Ist dies nicht der Fall, so fällt der Zusatznutzen innovativer Antibiotika negativ aus, da bestehende Antibiotika, welche als Vergleichstherapie herangezogen werden, gegenüber sensitiven Bakterien einen extrem hohen Wirkungsgrad aufweisen. Dies sollte auch im klinischen Bereich bei den Vergütungsvereinbarungen neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) angewendet werden.
Gewährung einer langfristigen, vom Absatz der Arzneimittel entkoppelten Zahlung (Abonnement-Modell). Das britische Gesundheitssystem setzt nach einer vorherigen Erprobung nun ein solches Bezahlmodell ein, um die Entwicklung von Antiinfektiva zu beschleunigen. Diesem gelegentlich als „Netflix-Modell“ bezeichneten System folgend, werden forschende Pharmaunternehmen im Voraus und nach dem Nutzen bezahlt, den das neue Antibiotikum für das staatliche Gesundheitssystem NHS erwarten lässt. Auf diese Weise erhalten die Hersteller die notwendige Planungssicherheit. Ein solches für die EU-Mitgliedstaaten freiwilliges Abonnement-Modell hat auch die EU im Rahmen des Pharmareviews beschlossen; die konkrete Ausgestaltung dieses Konzeptes steht jedoch noch aus.
"Das "Netflix-Modell" käme sowohl für neue, als Reservetherapeutika eingestufte Antibiotika, als auch für besonders versorgungsrelevante generische Arzneimittel in Betracht."
Als Zusatzelement kann die Gewährung dieser Zahlungen an Faktoren wie die Produktion von Wirkstoffen, deren Vorstufen und der Fertigarzneimittel in Europa oder Deutschland geknüpft und so ein Beitrag zur Sicherung von Lieferketten geleistet werden.
Außerdem hat die EU im Rahmen des Pharmareviews auch ein Voucher-Modell beschlossen, mit dem unter bestimmten Voraussetzungen ein Jahr zusätzlicher Unterlagenschutz als Incentive für die Entwicklung eines neuen Antibiotikums gewährt werden kann. Der Unterlagenschutz kann auch auf andere Arzneimittel mit einem Jahresumsatz von maximal 490 Mio. € in den vorangegangen vier Jahren übertragen werden. Der Umfang dieses Instruments wird dadurch maßgeblich eingeschränkt, sodass nur in Kombination mit adäquaten Erstattungsbedingungen für innovative Antibiotika in den EU-Mitgliedsstaaten (zu Deutschland s.o.) ein tatsächlicher wirksamer Marktanreiz kreiert werden kann, der das Inverkehrbringen neuer Substanzen ermöglicht.
Pharma Deutschland begrüßt beide neuen Modelle, eine abschließende Bewertung der Wirksamkeit der Instrumente ist jedoch abhängig von den konkreten Voraussetzungen und Zugangskriterien, deren Veröffentlichung noch aussteht. Eine zeitnahe Ausgestaltung der Rahmenbedingungen ist unabdingbar, um diese rasch für die Entwicklung und Bereitstellung neuer, aber auch bewährter Antibiotika nutzbar zu machen. Wichtig ist, dass diese Modelle möglichst pragmatisch aufgesetzt werden.
Auch wenn es gelingt, ausreichende Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika zu setzen, wird es viele Jahre dauern, bis diese Arzneimittel auf den Markt gelangen. Daher ist es heute bereits unerlässlich, mit dem Bestand an etablierten antibiotischen Wirkstoffen sorgfältig umzugehen. Generische Antibiotika stehen allerdings unter erheblichem Kostendruck; sie gehören zu den Arzneimitteln mit den niedrigsten Herstellerabgabepreisen. Damit diese Arzneimittel weiterhin in der Versorgung zur Verfügung stehen, bedarf es Korrekturen an den sozialrechtlichen Regelungen – und zwar in folgenden Bereichen:
Festbetragssystem
Rabattvertragssystem