Im Rahmen des Podcasts „Krankenhäuser im Dialog“ diskutierten Dorothee Brakmann (Hauptgeschäftsführerin Pharma Deutschland) und Dr. Gerald Gaß (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft) über die Rolle der Pharmaindustrie sowie die Entwicklung des Standorts Deutschland. Im Fokus stand die Sorge, Deutschland könne angesichts von Bürokratie, internationalem Wettbewerb und dem GKV-Spargesetz an Attraktivität verlieren.
„Deutschland hat noch die Chance den Anschluss nicht zu verlieren. Wir stehen am Scheideweg und es braucht jetzt Richtungsentscheidungen.“ Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin Pharma Deutschland
Brakmann macht deutlich, dass die Branche weiterhin ein zentraler Wirtschafts- und Innovationsfaktor sei, gleichzeitig jedoch unter starkem Druck stehe. Während politische Rahmenbedingungen zunehmend auf europäischer Ebene gesetzt werden, verschärfe Deutschland diese häufig durch zusätzliche nationale Sonderregelungen. Dieses „Gold Plating“ führe zu längeren Genehmigungsverfahren und erschwere Investitionen.
Besonders kritisch bewertet sie die Eingriffe in Preisstrukturen und Marktbedingungen. Diese könnten dazu führen, dass innovative Arzneimittel verzögert oder gar nicht mehr in Deutschland verfügbar werden. Davon betroffen seien nicht nur internationale Konzerne, sondern auch mittelständische Unternehmen.
„Wir können nicht ignorieren, dass die GKV ein Finanzproblem hat, aber wie es im Moment gelöst wird, ist nicht der richtige Weg.“
Statt auf kurzfristige Einsparungen zu setzen, brauche es aus Brakmanns Sicht effiziente Strukturen und nachhaltige Reformen. Ein möglicher Ansatz zur Entlastung sei, die Verschreibungspflicht für ausgewählte Arzneimittel aufzuheben. Dadurch könnten Arztpraxen entlastet und zugleich die niedrigschwellige Versorgung über Apotheken gestärkt werden.
Einigkeit in der Diskussion besteht auch bei der Bewertung der Finanzierung des Gesundheitssystems: Weder Krankenhäuser noch Pharmaunternehmen könnten dauerhaft zusätzliche Aufgaben unter Bedingungen struktureller Unterfinanzierung stemmen. Laut Gaß fehlen etwa Mittel für Resilienz und Krisenvorsorge. Nachhaltiges Wachstum könne daher nicht durch Sparen allein erreicht werden. Notwendig seien gezielte Investitionen, weniger Bürokratie und ein klares politisches Bekenntnis zum Standort.
Das Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Für den Pharmastandort Deutschland ist es fünf nach 12. Deutschland ist im Moment im Rückwärtsgang unterwegs.“ Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin Pharma Deutschland
Das ganze Gespräch im Podcast ist über die Deutsche Krankenhausgesellschaft oder bei Spotify, Apple Music, Deezer, Audible, Amazon Music und RTL+ abrufbar.
