21.05.2026

Offene Fragen bei Fahrplänen der Bundesregierung zur Umsetzung der Hightech-Agenda

Die Hightech-Agenda der Bundesregierung setzt ambitionierte Ziele mit engen Zeitschienen für sechs ausgewählte Schlüsseltechnologien in Deutschland.
  • Forschung & Entwicklung
Autor:innen
Dr. Andreas Franken
Die Bundesregierung hat ihre Zeitschiene für sechs Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) vorgestellt. Im Fokus dabei sind Ziele und Messindikatoren im Bereich Biotechnologie. Trotz viel Zuspruch bleiben einige wichtige Fragen offen, allen voran, mit welchen Mitteln die Maßnahmen umgesetzt werden sollen.

Im Rahmen der HTAD-Tage vom 18.-22. Mai 2026 stand die Veröffentlichung der HTAD-Roadmaps am Mittwoch im Vordergrund. Unter Federführung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) legt die Bundesregierung die ersten Versionen der Roadmaps für die Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) vor:

Mit diesen Technologie-Roadmaps legt das BMFTR erstmals für sechs zentrale Schlüsseltechnologien integrierte und ressortgeeinte Planungsgrundlagen vor. Wesentlichen Input dazu haben die Länder, Wirtschaft und Wissenschaft geliefert. Die Roadmaps verbinden technologiepolitische Ziele mit konkreten Meilensteinen, messbaren Indikatoren und benannten Umsetzungspartnern und gehen damit deutlich über bisherige strategische Veröffentlichungen des Hauses hinaus.

Im Zuge der HDTA-Tage wurden die einzelnen Roadmaps heute nach einer Begrüßung von Bundestechnologieministerin Bär online vorgestellt.  In einer kompakten Session wurde ein Einblick in die Struktur der sechs Roadmaps, in die Meilensteine und einen Ausblick auf die nächsten Schritte gegeben. Die Veranstaltung wurde per Livestream übertragen.

Dabei hat die Bundesregierung besonders bei der Biotechnologie vier sehr ambitionierte Ziele: 

  1. Spitzenstandort für die Gesundheitsforschung 
    Die Bundesregierung will durch Biotechnologie Deutschlands Souveränität in der Entwicklung der Medizin von morgen stärken und damit Deutschland zu einem Spitzenstandort für die Gesundheitsforschung machen.
     
  2. Innovativster Standort für Biotechnologie
    Sie will Deutschland zum weltweit innovativsten Standort für die Biotechnologie ausbauen, so eine ressourceneffiziente, wettbewerbsfähige Industrie gestalten und die Wertschöpfung Deutschlands erhöhen.
     
  3. Krisenfeste Agrar- und Ernährungssysteme
    Sie will mit der Biotechnologie resiliente, krisenfeste Agrar- und Ernährungssysteme der Zukunft entwickeln.
     
  4. Innovative Medizintechnik
    Sie will für eine zunehmend prädiktive und präventive Medizin von morgen die innovative Medizintechnik voranbringen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Künstliche Intelligenz. Die Roadmap umfasst hier vier wichtige Ziele:

  1. Steigerung der Wertschöpfung durch KI
    Wir erwirtschaften bis 2030 10 % unserer Wirtschaftsleistung KI-basiert, erhöhen die Arbeitsproduktivität und machen KI zu einem wichtigen Werkzeug in zentralen Forschungs- und Anwendungsfeldern. 
     
  2. Verbesserung der KI-Kapazitäten 
    Wir verbessern die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von KI-Kapazitäten für Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft messbar. 
     
  3. Zentraler Player bei KI-Innovationen 
    Wir werden ein zentraler Player für die nächste KI-Generation und im weltweiten Wettbewerb. 
     
  4. Ausbau der KI-Nutzung im Gesundheitswesen
    Wir forcieren die Nutzung von KI für eine zunehmend prädikative und präventive Medizin der Zukunft im Gesundheitswesen.

Die Bundesregierung plant, mit ihrer KI-Offensive bis 2030 10 % der Wirtschaftsleistung KI-basiert zu erwirtschaften, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen und KI zu einem wichtigen Werkzeug in zentralen Forschungs- und Anwendungsfeldern zu machen. In einem ersten Schritt sollen bis 2028 verstärkt KI-Testzentren und Reallabore eingerichtet werden. 

Auch die anderen Roadmaps sind auf der Webseite des BMFTR verfügbar. Mit der Veröffentlichung der Roadmaps wurde auch eine gemeinsame Konsultationsphase von sechs Wochen für alle Vorhaben gestartet. Die Roadmaps werden als lebende Dokumente bezeichnet, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Alle Stakeholder sind aufgerufen, dazu beizutragen.

Bewertung durch Pharma Deutschland

Es ist sehr zu begrüßen, dass der Pharmadialog von Anfang 2026 so schnell und so umfassend durch die Bundesregierung aufgenommen und in Form der jetzt vorgestellten Roadmaps umgesetzt werden soll. Die einzelnen Zwischenziele und auch die Gesamtabsicht sind jedoch sehr ambitioniert und es bleiben noch einige Fragen offen. So zum Beispiel wie eine Stärkung des Pharmastandorts Deutschland und hier besonders der pharmazeutischen Industrie gelingen will, wenn man gleichzeitig Entscheidungen und Gesetze auf den Weg bringt, die so einem Ziel maßgeblich im Wege stehen. Dies geht einher mit der Frage, wie und durch wen diese Vorhaben im Umfeld der aktuellen Sparmaßnahmen finanziert werden sollen? Letztendlich bleibt festzuhalten, dass diese Roadmaps nur umgesetzt werden können, wenn Wissenschaft, Wirtschaft, die pharmazeutische Industrie sowie Politik und Gesellschaft „an einem Strang ziehen“.

 

Ihr Kontakt

Dr. Andreas Franken

Stabsstelle Elektronische Verfahren / Klinische Forschung
Chemiker
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