12.05.2026

Kritik an CPHP-Policy Brief: Umweltpolitik darf Arzneimittelhersteller nicht allein in die Pflicht nehmen

Pharma Deutschland warnt im Kontext der EU-Kommunalabwasserrichtlinie vor einer Umweltpolitik, die einseitiger Herstellerverantwortung, unsicheren Spurenstoffdaten und Risiken für Versorgungssicherheit und Pharmastandort den Vorzug vor nachhaltigen Lösung
Autor:innen
Hannes Hönemann
Pharma Deutschland begrüßt das Anliegen des Centre for Planetary Health Policy, die Umweltbilanz von Arzneimitteln zu verbessern, sieht in dem aktuellen Policy Brief jedoch zentrale Schieflagen und Auslassungen. Insbesondere bei der Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) droht aus unserer Sicht eine einseitige Belastung der Humanarzneimittelhersteller – auf Basis unzureichender Daten und ohne faire Einbeziehung anderer relevanter Verursacher von Spurenstoffen.
  1. Andere Spurenstoffquellen bleiben ausgeblendet 

    Der Policy Brief rückt Humanarzneimittel faktisch ins Zentrum der Spurenstoffdebatte in kommunalen Abwässern, ohne andere bedeutende Emittenten wie Industriechemikalien, Wasch- und Reinigungsmittel, Haushaltschemikalien oder landwirtschaftliche Einträge systematisch zu erfassen. Damit entsteht der Eindruck, die Problematik lasse sich im Wesentlichen über Regulierung eines einzelnen Sektors lösen – das widerspricht der tatsächlichen Vielfalt der Spurenstoffquellen. 

  2. Verursacherprinzip wird nur selektiv angewendet 

    Der Policy Brief übernimmt weitgehend unkritisch die erweiterte Herstellerverantwortung, wie sie in KARL für Arzneimittel- und Kosmetikhersteller vorgesehen ist. Aus Sicht von Pharma Deutschland wird das Verursacherprinzip damit nur auf einen Teil der Branchen angewendet, während andere Sektoren mit relevanten Spurenstoffeinträgen im kommunalen Abwasser faktisch außen vor bleiben. 

  3.  Schwächen der EU-Datengrundlage werden ignoriert 

    Die Autoren blenden die inzwischen deutlich gewordenen methodischen Schwächen der von der EU-Kommission verwendeten Datengrundlagen zur Zusammensetzung der Spurenstoffe im Abwasser aus. Eine aktuelle Studie untersuchte die Belastung des Abwassers in und um Athen. Die Daten zeigen, dass zentrale Annahmen der KARL – etwa zum angeblich dominierenden Anteil von Humanarzneimitteln – wissenschaftlich nicht belastbar sind, dennoch werden auf dieser Basis weitreichende finanzielle Pflichten für einen einzelnen Sektor begründet. 

  4.  Risiken für Versorgungssicherheit und Standort werden unterschätzt 

    Der Policy Brief würdigt die Risiken für Versorgungssicherheit und den Pharmastandort nur am Rande, obwohl KARL erhebliche Mehrkosten für vor allem preisgünstige Standardtherapien auslöst. Wenn bis zu 80 Prozent der Investitions- und Betriebskosten für zusätzliche Reinigungsstufen pauschal der Humanarzneimittelindustrie zugeordnet werden, aber eine Weitergabe der Zusatzkosten durch starre Preisregulierungsmaßnahmen nicht möglich sind, sind Produktionsverlagerungen, Marktrückzüge und neue Lieferengpässe keine abstrakte Gefahr, sondern realistische Konsequenzen. 

  5.  Gemeinsame Verantwortung aller Akteure fehlt 

    Der Policy Brief benennt zwar viele Akteure, ordnet die regulatorischen und finanziellen Lasten in der Praxis aber überwiegend der Industrie zu. Ein tragfähiges Konzept für Gewässerschutz braucht jedoch ein echtes „All-Actors-Modell“, in dem Kommunen, Wasserwirtschaft, Politik, Industrie, Fachkreise und Patientinnen gemeinsam Verantwortung tragen – inklusive transparenter Spurenstoffinventare und fair verteilter Kosten über alle relevanten Emittenten. 

Pharma Deutschland steht für konstruktive Lösungen, die Umweltziele und Patientenversorgung zusammenbringen – auf Basis solider Daten, fairer Verantwortungsverteilung und eines realistischen Zeit- und Finanzierungsrahmens. 

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