Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, begrüßte am gestrigen Abend die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zum ImpfTalk gekommen waren. Es folgten Grußworte von Susanne Schneider MdL, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW und eine Videobotschaft von Prof. Heidi J. Larson, Director, The Vaccine Confidence Project.
In der Keynote beschäftigte sich Linus Siebert, Gründer und Geschäftsführer von Fortitude, einem Beratungsunternehmen für strategische Kommunikation gegen Desinformation, mit dem Thema „Zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Meinungskampf: Wirksamer Umgang mit Desinformation rund um Impfungen". Er erklärte, was man eigentlich unter Desinformation versteht, wie man sie erkennen und sich davor schützen kann. Desinformation setzt an echten Sorgen, Ängsten und gesellschaftlichen Spannungen an. Sobald Emotionen oder Weltbilder im Spiel sind, helfen Fakten nur dann weiter, wenn man sie auch verankern kann. Ziel muss es also sein, nicht Recht haben zu wollen, sondern Resonanz zu erzeugen.
In den Impulsvorträgen wurden mögliche Kommunikationswege aus verschiedenen Bereichen vorgestellt:
Prof. Dr. med. Tim Knoop stellte die Möglichkeiten und Grenzen vom Impfen in der Hausarztpraxis dar. Der niedrigschwellige Zugang zu Impfungen (keine Terminpflicht, niemand wird abgewiesen) steht bei ihm im Fokus. Im Praxisalltag sind aus seiner Sicht Diskussionen zu Impfungen und Überzeugungsarbeit strukturell nicht abbildbar. Prof. Knoop sieht die Stärke der Praxen in der schnellen und effizienten Umsetzung der Impfungen, wenn die Entscheidung beim Patienten bereits gefallen ist. Aktuell ist er an einem Projekt beteiligt, bei dem Impfungen im Fußballstadion erfolgen sollen.
Florian Wehrenpfennig, Apotheker in Sankt Augustin, bietet in seiner Apotheke seit langem Impfungen als Ergänzung zum Impfen in der Arztpraxis an. Dieses Angebot wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen, insbesondere von denjenigen, die keinen Hausarzt haben. Allein den Prozess der Abrechnung beschreibt er als zu kompliziert, hier wären Erleichterungen wünschenswert. Weniger Risiko bei der Vorbestellung der Impfstoffe und auch die Möglichkeit, dass PTAs in Zukunft mitimpfen dürfen, hat Florian Wehrenpfennig auf seine Wunschliste gesetzt.
Dr. med. Jasper Iske, Arzt aus Berlin, gab einen Überblick über die Medizin in Zeiten von Social Media. Durch medizinische Influencer werden viele Missinformationen, mitunter auch gefährliche Informationen, verbreitet. Die sogenannten Medfluencer haben mit ihren Beiträgen und Videos eine riesige Reichweite, gerade auch im Vergleich mit Funk und Fernsehen. Dr. Iske zeigte einige konkrete Beispiele von klassischen Mythen im Netz und wie er sie auf satirische Weise kommentiert. Er macht deutlich, wie wichtig Social Media für die Kommunikation ist: Es eröffnet eine gewisse Nahbarkeit für die Bevölkerung bzw. die Patienten, hier kann Aufklärung über zu wenig bekannte Gesundheitsfakten erfolgen und ein Gegenpol zu Falschaussagen aufgebaut werden.
Unter der Moderation von Prof. Dr. Clarissa Kurscheid, figus GmbH, erfolgte eine abschließende Paneldiskussion mit den Vortragenden sowie Susanne Schneider und Kristina Ostertag, GSK und Vorstandsmitglied von Pharma Deutschland. Diskutiert wurde u. a., wie Industriekommunikation glaubwürdig durchgeführt werden kann, welche Zielgruppen bei der Impfkommunikation systematisch übersehen werden und ob wir in Deutschland mehr Verpflichtung oder Überzeugung benötigen, um die Impfquoten zu steigern.
Letzten Endes kommt man zu dem Ergebnis, dass nur das Zusammenspiel aller Akteure zum Ziel führen kann: Niedrigschwellige Impfangebote, lokale und bundesweite Aufklärungskampagnen, aber auch die Ausweitung der Impfkommunikation über die Sozialen Medien spielen hier eine zentrale Rolle.