10.06.2026

Apotheken in der Primärversorgung

Eine Betrachtung der aktuellen ABDA-Positionierung.
  • Branche & Märkte
  • Gesellschaft & Politik
  • Produktion & Versorgung
Autor:innen
Lutz Boden, 
Dr. Maria Verheesen
Die Vor-Ort-Apotheken sind bereits heute fester und bedeutender Bestandteil der primären Gesundheitsversorgung. Nun hat die verfasste Apothekerschaft ihre Überlegungen zur zukünftigen Rolle der Apotheken in der Primärversorgung geteilt und macht konkrete Vorschläge, wie Apotheken noch mehr zur Stärkung der Primärversorgung beitragen können. Aus Sicht Pharma Deutschlands würden dadurch Patientinnen und Patienten, aber auch das Gesundheitssystem insgesamt profitieren. Der Schlüssel wird das Zusammenwirken mit den weiteren Heilberufen, insbesondere den Arztinnen und Ärzten, unter Nutzung digitaler Instrumente sein. Dies in Verbindung mit einem Ausbau der Selbstmedikation, als erstem Schritt in der Gesundheitsversorgung, könnten Effektivität und Effizienz in der primären Versorgung noch weiter steigern.

In ihrem jüngst veröffentlichten Positionspapier zur Primärversorgung betont die ABDA die Bedeutung der Primärversorgung als tragende Säule des Gesundheitssystems und verdeutlicht ihren gesellschaftlichen Wert. Dazu tragen die Apotheken bereits heute maßgeblich bei. Mit ihren Vorschlägen, so die ABDA, sollen diese Leistungen gestärkt und ausgebaut werden, um so den Herausforderungen infolge von Demografie, Ressourcen- und Finanzknappheit wirksam zu begegnen und das Gesundheitssystem zukunftsfest zu gestalten. Das Papier spricht im Einzelnen folgende Bereiche an:

Gesundheitsförderung

  • Aufklärung und Information zu Gesundheitsthemen (Gesundheitsbewusstsein stärken, Gesundheitskompetenz erhöhen)
  • Präventions- und Früherkennungsangebote ausweiten (betr. best. Lebensphasen u.a.)

Apotheken als Ergänzung zur digitalen Ersteinschätzung

  • Apotheke als Anlaufstelle und Brückenbauer für Digitales (z. B. ePA, DiGAs)
  • Apotheke in bestimmten Situationen als ergänzende Anlaufstelle nach digitaler Ersteinschätzung 
  • Videosprechstunde und assistierte Telemedizin aus der Apotheke heraus aufbauen
  • Anreize für Patienten zur Ersteinschätzung in der Apotheke setzen
  • Pharmazeutische Betreuung nach Krankenhausentlassung

Entlastung ärztlicher Akutsprechstunden und Notdienste

  • Abgabe von OTC-Arzneimitteln zu Lasten der GKV für Kinder im Apotheken-Notdienst
  • Definierte Ausweitung von Selbstbehandlungsmöglichkeiten, d.h. eine begrenzte Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch Apotheken in bestimmten Entscheidungskorridoren 
  • Point-of-Care Testungen

Weitere Angebote in der Routineversorgung

  • Kontinuierliche Pflege des elektronischen Medikationsplans inklusive definierter AMTS-Checks
  • Verbesserung der Therapietreue bei Dauertherapien
  • Standardisierte Therapiebegleitung bei stabilen chronischen Erkrankungen 
  • Begleitung in besonderen Lebensphasen (z. B. Wechseljahre)

In Summe zahlen diese Leistungen auf die Förderung der Gesundheit und der Gesundheitskompetenz ein und adressieren den wichtigen Aspekt der Prävention. Außerdem stützen sie als zentraler Pfeiler die Brücke zwischen Patienten und Arzt, nicht zuletzt mit Hilfe von ePA oder Telekonsultation.

Durch diese Angebote könnten die Patientinnen und Patienten zur Nutzung effizienterer Versorgungspfade motiviert werden. Für eine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung ist, wie die ABDA selbst schreibt, die Zusammenarbeit mit allen betroffenen Gesundheitsprofessionen erforderlich. Für dieses gemeinsame und abgestimmte Wirken sind die rechtlichen Rahmenbedingungen gleichsam weiterzuentwickeln.

Pharma Deutschland begrüßt das Angebot der Apothekerinnen und Apotheker, ihr Leistungsspektrum im Rahmen der Primärversorgung für die Menschen zu erweitern und so das Gesundheitssystem zukunftssicherer zu machen. Dabei geht es nicht darum, anderen etwas wegzunehmen. Vielmehr geht es um eine gemeinsame Diskussion von Optionen, einander zu verstehen und einander zu ergänzen. Denn eines ist klar: Bei dem, was uns erwartet, benötigen wir alle mit gebündelten Kräften. Pharma Deutschland steht bereit, an einer zukunftssicheren Gesundheitsversorgung mitzuwirken.

Abschließend noch zu einem, wenn auch wichtigen Baustein: Aus Sicht von Pharma Deutschland wäre es konsequent, die in dem Positionspapier angesprochene Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel in bestimmten Abgabesituationen (siehe auch § 48b AMG neu) dahingehend, auch im Sinne der Entbürokratisierung, weiterzuentwickeln und entsprechende Arzneimittel bzw. Wirkstoffformulierungen aus der Verschreibungspflicht zu entlassen.

Damit könnte weiteres Potenzial für eine effektive und effiziente Versorgung mit Hilfe der heilberuflich unterstützten Selbstmedikation gehoben werden. Denn Selbstmedikation hilft bei leichten gesundheitlichen Störungen oder wirkt in den zugelassenen Fällen symptomlindernd oder heilend, kann aber auch präventiv, krankheitsbegrenzend und -stabilisierend wirken, um weitere Krankheitslasten zu vermeiden und Risikofaktoren abzumildern.

Für Pharma Deutschlands bildet die Selbstmedikation, am besten heilberuflich unterstützt, die erste Stufe der Primärversorgung – ein breites Fundament im Gesundheitssystem. So können die Menschen ihre Gesundheit in vielen Bereichen aktiv beeinflussen. Dies steigert ihre Zufriedenheit und sichert nachhaltig die Finanzierbarkeit unserer Gesundheitsversorgung.

Dies und viel mehr beleuchten wir auch am 23. September in Berlin. Beachte dazu:

Selbstverständlich Selbstmedikation – der Selbstmedikation-Summit von Pharma Deutschland
 

Ihr Kontakt

Dr. Maria Verheesen

Referentin Selbstmedikation
Apothekerin

Lutz Boden

Geschäftsführer OTC-Markt
Fachapotheker für Arzneimittelinformation
Zeichenfläche 1