September 2026

Nutzen rezeptfreier Arzneimittel und Gesundheitsprodukte für Gesundheit, Versorgung und Gesellschaft

Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten ermöglicht schnelle und sichere Hilfe bei leichten Beschwerden. Sie stärkt die Eigenverantwortung, entlastet Arztpraxen und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung und Volkswirtschaft.

Was bedeutet Selbstmedikation?

Pharma Deutschland versteht unter Selbstmedikation die eigenverantwortliche, aktive Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneimitteln und bestimmten anderen Gesundheitsprodukten (OTC). Ziel ist es, das gesundheitliche Wohlbefinden wiederherzustellen oder zu erhalten. Bei leichten, selbstlimitierenden Erkrankungen und Gesundheitsstörungen kann Selbstmedikation eine Alternative zum Arztbesuch sein oder eine ärztliche Therapie ergänzen. Sie unterstützt Menschen dabei, ihre Aufgaben in Beruf und Familie weiterhin wahrzunehmen und ihre Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern.

Die heilberufliche Begleitung erhöht die Sicherheit der Anwendung: Apothekerinnen und Apotheker übernehmen bei der Beratung zu rezeptfreien Produkten eine wichtige Lotsenfunktion. Auch Ärztinnen und Ärzte können geeignete OTC-Arzneimittel und Gesundheitsprodukte empfehlen, beispielsweise auf einem Grünen Rezept oder Grünen E-Rezept. Zahlreiche Krankenkassen erstatten rezeptfreie Arzneimittel auf Grünen Rezepten im Rahmen ihrer Satzungsleistungen.

Was sind OTC-Arzneimittel?

OTC steht für „over the counter“ (deutsch: über den Handverkaufstisch). Das bedeutet, dass OTC-Arzneimittel apothekenpflichtige, rezeptfreie Arzneimittel, die nur durch pharmazeutisches Personal abgegeben werden dürfen. Freiverkäufliche Arzneimittel können dagegen in der sogenannten Freiwahl („vor dem Handverkaufstisch“) und auch außerhalb von Apotheken angeboten werden. Im Markt und in der Bevölkerung werden außerdem Gesundheitsprodukte wie stoffliche Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel häufig unter dem übergeordneten Begriff OTC-Produkte zusammengefasst.

Rezeptfreie Arzneimittel unterliegen bei Herstellung, Qualität, Wirksamkeit, Sicherheit und behördlicher Überwachung denselben strengen gesetzlichen Anforderungen wie verschreibungspflichtige Arzneimittel. Sie enthalten bewährte Wirkstoffe, gelten als besonders sicher in der Anwendung und wurden daher aus der Verschreibungspflicht entlassen (Switch). Bei apothekenpflichtigen OTC-Arzneimitteln werden diese hohen Standards durch die fachliche Beratung in der Apotheke ergänzt.

Vielfalt und Bedeutung des OTC-Marktes

Der deutsche Markt für rezeptfreie Arzneimittel ist vielfältig. Neben chemisch-synthetischen Produkten umfasst er Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen, darunter pflanzliche Arzneimittel, Homöopathika und Anthroposophika. Auf diese besonderen Therapierichtungen entfällt etwa ein Drittel des Umsatzes rezeptfreier Arzneimittel in Apotheken.

Nutzen der Selbstmedikation für Menschen, Gesundheitssystem und Volkswirtschaft

Selbstmedikation ermöglicht bei leichteren Beschwerden eine schnelle, unkomplizierte und sichere Versorgung ohne Wartezeit in der Arztpraxis. Sie hilft zum Beispiel bei Migräne, saisonaler Rhinitis oder leichten Erkältungen, stellt das Wohlbefinden wieder her und erleichtert die Bewältigung des Alltags.

Auch für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft ist Selbstmedikation unverzichtbar. Zwei von drei in einer Apotheke abgegebenen Packungen sind rezeptfreie Produkte. Bereits heute werden dadurch GKV-Ressourcen im Wert von 20,6 Milliarden Euro freigesetzt und volkswirtschaftliche Produktivitätsverluste in Höhe von 4,8 Milliarden Euro vermieden. Ein Euro, der für Selbstmedikation ausgegeben wird, spart gut 12 Euro für die GKV und 3 Euro für die Volkswirtschaft. Insgesamt ergibt sich damit aus gesellschaftlicher Perspektive für jeden in die Selbstmedikation investierten Euro eine Einsparung von 15 Euro.

Durch weniger Arztbesuche und Krankheitsausfälle werden wichtige Ressourcen geschont und die gesamtwirtschaftliche Produktivität gestärkt. So entlastet die Selbstmedikation die knappen und wertvollen ärztlichen Zeitkapazitäten bereits heute um rund 108 Millionen Stunden pro Jahr. Dies entspricht der Arbeitszeit von etwa 51.000 vollzeitbeschäftigten Ärztinnen und Ärzten. Hersteller rezeptfreier Arzneimittel sind überwiegend mittelständisch geprägt, sichern Arbeitsplätze und sind bedeutende Wirtschaftsfaktoren in ihren Regionen und darüber hinaus. Eine funktionierende Gesundheitsversorgung stabilisiert damit die Gesellschaft und trägt zur Zukunftssicherung kommender Generationen bei.

Symbolfoto Apotheke
Selbstmedikation

Einsparpotenziale für Gesundheitssystem und Volkswirtschaft

Die FAQ erläutert den Nutzen der Selbstmedikation für Gesundheitsversorgung und Volkswirtschaft.

Herausforderungen und Potenziale für die Gesundheitsversorgung

Eine alternde Bevölkerung, mehr chronische Erkrankungen, Fachkräftemangel, die steigende Zahl alleinlebender Menschen und regionaler Strukturwandel stellen Deutschland vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig nimmt die Belastung der GKV zu. Ihre Ressourcen werden für die Versorgung mit innovativen Therapien und Generika benötigt. Generika brauchen ausreichenden wirtschaftlichen Spielraum, um eine breite Arzneimittelversorgung zu sichern und Lieferengpässe zu vermeiden.

Mit rezeptfreien Arzneimitteln können weitere Wirtschaftlichkeitsreserven für die GKV erschlossen werden.

Wie werden Arzneimittel rezeptfrei?

Im Switch-Verfahren können bislang verschreibungspflichtige Wirkstoffe oder Arzneimittel, die sich für die Selbstbehandlung eignen, auf Antrag aus der Verschreibungspflicht entlassen werden. Der beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angesiedelte Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht berät darüber und spricht eine Empfehlung aus, ob ein Wirkstoff oder Arzneimittel aus dem Status „rezeptpflichtig“ in den Status „rezeptfrei“ überführt werden sollte. Über die Änderung der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln entscheidet das Bundesgesundheitsministerium; die Rechtsverordnung bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

Um mehr Switches zu ermöglichen, sollte ergänzend zum bestehenden Verfahren nach österreichischem Vorbild ein gesetzlich verankertes Antragsverfahren auf Produktebene direkt beim BfArM geschaffen werden. In relevanten Fällen können individuelle risikominimierende Maßnahmen wie Checklisten oder Informationsmaterialien vorgesehen werden.

Position von Pharma Deutschland zur Selbstmedikation

Pharma Deutschland setzt sich dafür ein, den Wert rezeptfreier Arzneimittel bei den Menschen sowie in Politik und Öffentlichkeit stärker sichtbar zu machen. Selbstmedikation ist Ausdruck von Eigenverantwortung und eine tragende Säule eines fortschrittlichen, leistungsfähigen, bezahlbaren und menschlichen Gesundheitssystems. Sie darf jedoch nicht mit einer Trivialisierung rezeptfreier Arzneimittel gleichgesetzt werden. Die fachliche Beratung durch Apotheken und Arztpraxen hat einen besonderen Stellenwert.

Pharma Deutschland bekennt sich zur Arzneimittelversorgung durch die freiberufliche, inhabergeführte Apotheke und zur grundsätzlichen Apothekenpflicht. Apotheken vor Ort sind für eine kompetente, heilberufliche und wohnortnahe Versorgung unentbehrlich. Auch die Zusammenarbeit von Arztpraxen und Apotheken sowie die Weiterentwicklung der Selbstmedikation zu Self-Care sollen gestärkt werden. Dabei gilt: so viel Eigenverantwortung wie möglich, so viel Fürsorge wie nötig. Sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen sollten von einer bürokratiearmen GKV-Regelung profitieren.

Für eine sichere und zukunftsfähige Selbstmedikation sind insbesondere folgende Voraussetzungen und Rahmenbedingungen wichtig:
  • Anerkennung des individuellen, gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Werts der Selbstmedikation durch die Stakeholder im Gesundheitswesen
  • Erhalt der Apothekenpflicht für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, einschließlich der besonderen Therapierichtungen
  • Stärkung unabhängiger, freiberuflich geleiteter Apotheken
  • Förderung der heilberuflichen Zusammenarbeit von Arztpraxen und Apotheken
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft
  • Entscheidungsfreiheit und informative Freiheit der Menschen
  • Zugang zu Gesundheitsleistungen und Innovationen
  • Vertrauen in Wirksamkeit und Verträglichkeit der Produkte
  • effizientere Regelungen für Zulassungsänderungen und stärkere Switch-Verfahren
  • konsequente Umsetzung der EU-Health-Claims-Verordnung

Weiterführende Informationen und Downloads

Vertiefende Informationen bieten das Positionspapier „Nutzen und Wert der Selbstmedikation“ sowie die europäische Ausarbeitung zu Self-Care und Selbstmedikation. Weitere Faktenblätter sind „Wissen, was hilft, gesund zu bleiben“ und „Gesund werden & gesund bleiben – mit Hilfe von Selbstmedikation und Self-Care“.

Absatz rezeptfreier Arzneimittel 2022-2025

Angabe in Mio. Packungseinheiten

850
847
861
790
518
510
514
464
162
165
173
162
108
109
112
104
62
63
61
59
Gesamt
Rezeptfreie Arzneimittel in der Selbstmedikation (Apotheke)
Rezeptfreie Arzneimittel in der Selbstmedikation (Versandhandel)
Verordnete rezeptfreie Arzneimittel (Apotheke inkl. Versandhandel)
Rezeptfreie Arzneimittel (Mass Market)
2022 2023 2024 2025
Daten als Tabelle anzeigen

Angabe in Mio. Packungseinheiten

Kategorie2022202320242025
Gesamt850847861790
Rezeptfreie Arzneimittel in der Selbstmedikation (Apotheke)518510514464
Rezeptfreie Arzneimittel in der Selbstmedikation (Versandhandel)162165173162
Verordnete rezeptfreie Arzneimittel (Apotheke inkl. Versandhandel)108109112104
Rezeptfreie Arzneimittel (Mass Market)62636159
Quelle: IQVIA OTC(r) Report
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Mit 790 Millionen Packungen entfielen 2025 weiterhin mehr als die Hälfte des gesamten Arzneimittelabsatzes auf rezeptfreie Arzneimittel. Der überwiegende Teil wurde über Apotheken abgegeben. Die hohen Absatzmengen verdeutlichen die große Bedeutung der Selbstmedikation für die Gesundheitsversorgung: Sie ermöglicht die eigenverantwortliche Behandlung leichter Beschwerden, bietet einen schnellen Zugang zu wirksamen Therapien und entlastet zugleich Arztpraxen sowie das Gesundheitssystem. Der anhaltend hohe Einsatz rezeptfreier Arzneimittel zeigt das Vertrauen der Bevölkerung in diese Therapieoption und ihren wichtigen Beitrag zu einer effizienten und patientennahen Versorgung.

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