Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seiner Pressemitteilung berichtet, werteten die Experten für den Vorbericht im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusse (G-BA) 5 aktuelle evidenzbasierte Leitlinien aus, die wie im Vorbericht zu lesen, den Versorgungsaspekten der DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) für das DMP Asthma bronchiale zugeordnet und inhaltlich abgeglichen werden konnten. Die derzeit gültige Anlage zum Asthma bronchiale der DMP-A-RL stimmt in weiten Teilen mit den aktuellen evidenzbasierten Leitlinien überein. Diskrepanzen sehen die Experten in ihrem Fazit unter anderem bei den Medikamentösen Maßnahmen in der Medikamentösen Therapie in den frühen Therapiestufen und bei der Therapie mit Monoklonalen Antikörpern. Mit der Veröffentlichung der vorläufigen Bewertungserbnisse verfolgt das IQWiG nun das Ziel, wichtige Argumente oder Hinweise aus der Fachöffentlichkeit und von allen Interessierten miteinzubeziehen. Stellungnahmen zum Vorbericht können bis zum 10.07.2026 über ein Online-Formular eingereicht werden. Nähere Informationen zu den formalen Anforderungen an einer Stellungnahme finden sich auf der Webseite des IQWiG .
16.06.2026
Beitrag
Beim Treffen des Rates für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz (EPSCO) am 16. Juni 2026 in Luxemburg standen die Stärkung des europäischen Standorts für Arzneimittel, Biotechnologie und Medizinprodukte sowie Fragen der Versorgungssicherheit im Mittelpunkt. Rat einigt sich auf Verhandlungsposition zu Vorschriften über genetisch veränderte Mikroorganismen (GVM) und die Verarbeitung von Organen (Teil von European Biotech Act I) Die Mitgliedstaaten verständigten sich auf ihre Verhandlungsposition zu den geplanten Änderungen der Richtlinien 2001/18/EG und 2010/53/EU. Die Anpassungen sind Teil des European Biotech Act I und sollen Innovationen im Bereich der Biotechnologie fördern sowie regulatorische Verfahren modernisieren. Vorgesehen sind vereinfachte Verfahren für bestimmte gentechnisch veränderte Mikroorganismen (GMM), eine Modernisierung der Vorschriften zur Organverarbeitung sowie besondere Regelungen für autologe Transplantationen. Zudem sind zeitliche Begrenzungen bestimmter Zulassungen und Regelungen zur Verarbeitung personenbezogener Daten vorgesehen. Im nächsten Schritt wird das Europäische Parlament seine Position festlegen. Anschließend beginnen die Verhandlungen zwischen Parlament und Rat über den endgültigen Gesetzestext. Weitere Details siehe Pressemitteilung vom Rat der EU Rat vereinbart Mandat für Maßnahmen zur Förderung der Biotechnologie-Innovation in der EU. Orientierungsaussprache zur europäischen Biotechnologiestrategie Im Anschluss diskutierten die Ministerinnen und Minister die geplante neue europäische EU Biotech-Verordnung. Dabei wurde die strategische Bedeutung der Biotechnologie für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz im geopolitischen Kontext hervorgehoben. Deutschland betonte die Bedeutung schneller Fortschritte bei den Verhandlungen und sprach sich insbesondere für Maßnahmen zur Verkürzung und Harmonisierung der Genehmigungsverfahren für klinische Studien aus. Ziel ist es, Europa als Forschungs- und Innovationsstandort im internationalen Wettbewerb zu stärken. Critical Medicines Act: Vorläufige Einigung im Trilog Unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges" informierte der Vorsitz über den Stand des Critical Medicines Act (CMA). Im dritten Trilog zwischen Europäischer Kommission, Rat und Europäischem Parlament wurde eine vorläufige politische Einigung erzielt. Der endgültige Gesetzestext wird derzeit von den technischen Teams ausgearbeitet. Der CMA soll die Herstellung kritischer Arzneimittel in Europa gezielt fördern und die Resilienz der Lieferketten stärken. Vorgesehen sind unter anderem Möglichkeiten zur Stärkung der Produktion in der EU, preisunabhängigere Vergabeentscheidungen, gemeinsame Beschaffungsverfahren sowie ein verbesserter Informationsaustausch über Notfallvorräte. Ziel ist es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Arzneimittel- und Wirkstoffherstellern zu reduzieren und die Versorgungssicherheit insbesondere bei kritischen Arzneimitteln wie z.B. Antibiotika oder Insulin zu verbessern. Kommunalabwasserrichtlinie: Deutschland fordert praxistaugliche Umsetzung Auch die Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie war Gegenstand der Beratungen. Die Bundesregierung sprach sich für eine praxistaugliche und EU-weit einheitliche Umsetzung aus. Dabei sei insbesondere Transparenz bei der Berechnung der Kosten für pharmazeutische Hersteller erforderlich. Aus Sicht Deutschlands sollte die Umsetzung der Richtlinie die Ziele der europäischen Standortstärkung nicht beeinträchtigen und mit den Maßnahmen des Critical Medicines Act im Einklang stehen. Deutschland übte zudem Kritik an der Studie der EU-Kommission. Weitere Detailinformationen zu den Positionen der einzelnen Mitgliedstaaten finden Sie in einer weiteren Pharma Deutschland News Nina Warken setzt KARL auf die EPSCO-Agenda . Revision der Medizinprodukteverordnung Darüber hinaus befasste sich der EPSCO mit der geplanten Reform der europäischen Medizinprodukteverordnung. Nachdem die Europäische Kommission ihre Vorschläge vorgelegt hat, diskutieren die Mitgliedstaaten nun die konkrete Ausgestaltung. Deutschland setzte sich dabei insbesondere für Erleichterungen bei der Rezertifizierung von Medizinprodukten, effizientere Zertifizierungsverfahren sowie einen schnelleren Zugang zu innovativen Therapien und Medizinprodukten für seltene Erkrankungen ein. Eine ausführliche Pharma Deutschland News dazu hier: EPSCO diskutiert über die Überarbeitung der MDR und IVDR . (PD+ News) Hintergrund Der Rat der Europäischen Union ist neben dem Europäischen Parlament einer der beiden europäischen Gesetzgeber. Die Fachministerinnen und -minister der Mitgliedstaaten beraten dort über Gesetzesvorhaben der Europäischen Kommission. Für die Gesundheitspolitik ist die Formation „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz" (EPSCO) zuständig. Die Gesundheitsministerinnen und -minister der EU kommen in dieser Formation in der Regel zweimal jährlich zusammen. Für Deutschland war in der heutigen Sitzung Nina Warken anwesend (Pressemitteilung Deutschland: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken beim EPSCO-Rat in Luxemburg | BMG ).
16.06.2026
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Pressemitteilung
Bundesgesundheitsministerin Warken thematisiert
EU-Kommunalabwasserrichtlinie im Rat der
Europäischen Union
Pharma Deutschland begrüßt marktverträgliche und
transparente Standards bei der Umsetzung
umweltpolitischer Vorhaben
Berlin (16. Juni 2026) – Pharma Deutschland begrüßt, dass
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das Thema
Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) im Rahmen des EPSCO-Rats
in Luxemburg adressiert. Der EPSCO-Rat ist eine Formation des
Rates der Europäischen Union, die sich mit Beschäftigung,
Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz befasst und die
Lebens- und Arbeitsbedingungen in der EU verbessern soll.
Aus Sicht des Verbandes ist entscheidend, Umwelt- und
Gewässerschutz mit einer resilienten, innovationsfähigen
Arzneimittelproduktion in Europa zu verbinden. Pharma
Deutschland begrüßt deshalb außerordentlich, dass die
Bundesgesundheitsministerin sicherstellen will, bürokratische
Vorschriften und Hürden auf ein Minimum zu begrenzen,
Genehmigungsverfahren für innovative Therapien zu verkürzen und
sich bei der Umsetzung umweltpolitischer Vorgaben wie der KARL
für marktverträgliche und transparente Standards einzusetzen.
Jörg Wieczorek, Vorsitzender von Pharma Deutschland:
„Bundesgesundheitsministerin Warken macht die Auswirkungen
von KARL auf den Pharmastandort im EPSCO-Rat zum Thema.
Das ist ein wichtiges und richtiges Signal für Patientinnen und
Patienten sowie für die industrielle Gesundheitswirtschaft in
Deutschland und Europa. Frau Warken zeigt damit, dass das
Bundesgesundheitsministerium die eklatanten Schwächen der
Richtlinie und die damit einhergehenden Bedrohungen für die
Arzneimittelversorgung erkannt hat. Mit Frau Warken gibt es nun
eine weitere gewichtige Stimme aus den Mitgliedstaaten, die die
Unzulänglichkeiten und Nebenwirkungen der Kommunalabwasser
in den obersten Gremien der Europäischen Union anspricht. Dass
mailto:hoenemann@pharmadeutschland.de
2
die Kommunalabwasserrichtlinie den Critical Medicines Act
konterkariert, ist eine Argument, dass auch in den anderen
Mitgliedstaaten aufhorchen lassen sollte.“
Pharma Deutschland weist darauf hin, dass die
Kommunalabwasserrichtlinie in ihrer derzeitigen Ausgestaltung
erhebliche Risiken für den Pharmastandort birgt. Die vorgesehene
verpflichtende vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen ist fachlich
sinnvoll, die Ausgestaltung der erweiterten Herstellerverantwortung
(EPR) mit einer Kostenbeteiligung der Pharma- und
Kosmetikunternehmen von mindestens 80 Prozent beruht auf
nachweislich falschen Annahmen zu Mikroschadstofffracht im
kommunalen Abwasser und gefährdet notwendige Investitionen in
Produktion und Versorgungssicherheit.
Vor diesem Hintergrund fordert Pharma Deutschland ein „Stop-the-
clock“-Moratorium für die nationale Umsetzung von KARL.
Während dieser Pause müssen Finanzierungsmechanik,
Kostenverteilung und praktische Umsetzung so nachjustiert
werden, dass die Richtlinie einerseits ambitionierten
Gewässerschutz gewährleistet, andererseits aber den Ausbau
europäischer Produktionskapazitäten, die Sicherung kritischer
Arzneimittel und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen nicht
gefährdet.
_______________
Der Pharma Deutschland e.V. ist der mitgliederstärkste Branchenverband der
Pharmaindustrie in Deutschland. Er vertritt die Interessen von rund 400
Mitgliedsunternehmen, die in Deutschland ca. 80.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter beschäftigen. Die in Pharma Deutschland e.V. organisierten
Unternehmen tragen maßgeblich dazu bei, die Arzneimittelversorgung in
Deutschland zu sichern. So stellen sie fast 80 Prozent der in Apotheken
verkauften rezeptfreien und fast zwei Drittel der rezeptpflichtigen
Arzneimittel sowie einen Großteil der stofflichen und dentalen
Medizinprodukte für die Patientinnen und Patienten bereit. Unter
www.pharmadeutschland.de gibt es mehr Informationen zu Pharma
Deutschland.
http://www.pharmadeutschland.de/
16.06.2026
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Aus Sicht des Verbandes ist entscheidend, Umwelt- und Gewässerschutz mit einer resilienten, innovationsfähigen Arzneimittelproduktion in Europa zu verbinden. Pharma Deutschland begrüßt deshalb außerordentlich, dass die Bundesgesundheitsministerin sicherstellen will, bürokratische Vorschriften und Hürden auf ein Minimum zu begrenzen, Genehmigungsverfahren für innovative Therapien zu verkürzen und sich bei der Umsetzung umweltpolitischer Vorgaben wie der KARL für marktverträgliche und transparente Standards einzusetzen. Jörg Wieczorek, Vorsitzender von Pharma Deutschland: „Bundesgesundheitsministerin Warken macht die Auswirkungen von KARL auf den Pharmastandort im EPSCO-Rat zum Thema. Das ist ein wichtiges und richtiges Signal für Patientinnen und Patienten sowie für die industrielle Gesundheitswirtschaft in Deutschland und Europa." "Frau Warken zeigt damit, dass das Bundesgesundheitsministerium die eklatanten Schwächen der Richtlinie und die damit einhergehenden Bedrohungen für die Arzneimittelversorgung erkannt hat." Jörg Wieczorek Vorstandsvorsitzender "Mit Frau Warken gibt es nun eine weitere gewichtige Stimme aus den Mitgliedstaaten, die die Unzulänglichkeiten und Nebenwirkungen der Kommunalabwasser in den obersten Gremien der Europäischen Union anspricht. Dass die Kommunalabwasserrichtlinie den Critical Medicines Act konterkariert, ist eine Argument, dass auch in den anderen Mitgliedstaaten aufhorchen lassen sollte.“ Pharma Deutschland weist darauf hin, dass die Kommunalabwasserrichtlinie in ihrer derzeitigen Ausgestaltung erhebliche Risiken für den Pharmastandort birgt. Die vorgesehene verpflichtende vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen ist fachlich sinnvoll, die Ausgestaltung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) mit einer Kostenbeteiligung der Pharma- und Kosmetikunternehmen von mindestens 80 Prozent beruht auf nachweislich falschen Annahmen zu Mikroschadstofffracht im kommunalen Abwasser und gefährdet notwendige Investitionen in Produktion und Versorgungssicherheit. Vor diesem Hintergrund fordert Pharma Deutschland ein „Stop-the-clock“-Moratorium für die nationale Umsetzung von KARL. Während dieser Pause müssen Finanzierungsmechanik, Kostenverteilung und praktische Umsetzung so nachjustiert werden, dass die Richtlinie einerseits ambitionierten Gewässerschutz gewährleistet, andererseits aber den Ausbau europäischer Produktionskapazitäten, die Sicherung kritischer Arzneimittel und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen nicht gefährdet.
16.06.2026
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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte in ihrem Beitrag zur Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) die Bedeutung einer sicheren und bezahlbaren Arzneimittelversorgung. Mit Blick auf die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) forderte sie mehr Klarheit über die zu erwartenden Kosten und kritisierte, dass die ergänzende Studie der Europäischen Kommission bislang keine ausreichenden neuen Erkenntnisse geliefert habe. Zudem sprach sie sich für ausgewogene Lösungen aus, die die Versorgungssicherheit gewährleisten und insbesondere die bereits angespannte Generikaversorgung nicht zusätzlich belasten. Wichtig sei außerdem eine möglichst einheitliche und praxistaugliche Umsetzung der Richtlinie in allen EU-Mitgliedstaaten. Die Europäische Kommission müsse hierfür zeitnah die notwendigen Vorschläge vorlegen. Warken unterstrich abschließend das gemeinsame Ziel, Gewässerschutz und eine hochwertige, finanzierbare Gesundheits- und Arzneimittelversorgung miteinander in Einklang zu bringen. Griechenland unterstützte den deutschen Vorstoß zur Kommunalen Abwasserrichtlinie, hielt die bisherigen Bedenken jedoch für zu zurückhaltend. Die geplante Umsetzung ab 2027 könne erhebliche Herausforderungen für die Arzneimittelproduktion in Europa mit sich bringen, darunter deutliche Kostensteigerungen und mögliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Medikamenten. Besonders betroffen seien Länder wie Griechenland, die stark auf eine stabile europäische Arzneimittelversorgung angewiesen sind. Griechenland betonte, dass die EU einerseits die Stärkung der Pharmaproduktion in Europa fördern wolle, andererseits aber die Folgen der Richtlinie noch nicht ausreichend bewertet habe. Daher sprach sich das Land für eine Verschiebung der Umsetzung aus, um die Auswirkungen auf die pharmazeutische Industrie, die Versorgungssicherheit und die Patientinnen und Patienten umfassender zu prüfen. Schweden bekräftigte seine Unterstützung für die Ziele der Kommunalen Abwasserrichtlinie und deren Beitrag zum Umwelt- und Gesundheitsschutz. Zugleich verwies die Regierung auf die Notwendigkeit, Unternehmen ausreichend Zeit zur Anpassung an die neuen Anforderungen einzuräumen. Aus schwedischer Sicht muss die Umsetzung der Richtlinie sorgfältig austariert werden, damit Umweltziele erreicht werden, ohne die kontinuierliche Arzneimittelversorgung und die Versorgungssicherheit in der EU zu gefährden. Der Zugang der Patientinnen und Patienten zu Medikamenten müsse dabei gewährleistet bleiben. Polen bekräftigte seine langjährige Kritik an der erweiterten Herstellerverantwortung im Rahmen der Kommunalen Abwasserrichtlinie. Bereits bei der Abstimmung über die Richtlinie habe Polen gemeinsam mit nur einem weiteren Mitgliedstaat gegen den Vorschlag gestimmt und auf mögliche negative Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit von Arzneimitteln hingewiesen. Nach Auffassung Polens wurden die von zahlreichen Mitgliedstaaten geäußerten Bedenken bislang nicht ausreichend ausgeräumt. Auch die aktualisierte Kostenabschätzung liefere keine klaren Antworten zu den möglichen Folgen des EPR-Mechanismus für die Arzneimittelversorgung. Daher fordert Polen weitere Erläuterungen sowie eine umfassendere Folgenabschätzung, um sicherzustellen, dass die Umsetzung der Richtlinie weder den Zugang zu Medikamenten noch die Versorgungssicherheit in der Europäischen Union beeinträchtigt. Die Niederlande unterstützten den deutschen Vorstoß und forderten weitere Klarstellungen der Europäischen Kommission zur Umsetzung der Kommunalen Abwasserrichtlinie. Ohne ausreichende Antworten bestehe die Gefahr, die laufenden Bemühungen zur Bekämpfung von Arzneimittelengpässen und zur Stärkung der europäischen Pharmaproduktion zu beeinträchtigen. Zugleich sprachen sich die Niederlande für einen EU-weit harmonisierten und praxistauglichen Umsetzungsansatz aus, der unbeabsichtigte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Arzneimitteln vermeidet. Umweltziele müssten mit der Versorgungssicherheit und dem Zugang der Patientinnen und Patienten zu Medikamenten in Einklang gebracht werden. Die Niederlande kündigten an, den Dialog mit den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission fortsetzen zu wollen, um ausgewogene und nachhaltige Lösungen zu finden. Italien warnte vor den potenziellen Nebenwirkungen der neuen Regulierung: Ohne eine ausreichend fundierte wissenschaftliche Grundlage drohen der Pharmaindustrie unverhältnismäßig hohe Kosten. Die Folge könnten Engpässe bei der Verfügbarkeit von essenziellen Arzneimitteln in der gesamten Europäischen Union sein. Um dies zu verhindern, wird die EU-Kommission dringend aufgefordert, eine neue, unabhängige und transparente Folgenabschätzung durchzuführen. Eine solche Studie muss nicht nur die tatsächlichen Ursachen der Umweltverschmutzung genau unter die Lupe nehmen, sondern vor allem die Auswirkungen auf die Bezahlbarkeit von Medikamenten und die Belastung der nationalen Gesundheitssysteme prüfen. Das oberste Ziel muss klar bleiben: Auch bei unvorhergesehenen Herausforderungen während der Umsetzung darf die lückenlose Versorgung der Patienten niemals gefährdet werden – das gilt ganz besonders für schutzbedürftige Gruppen wie Menschen mit seltenen Erkrankungen. Es gilt, einen Weg zu ebnen, der den Umweltschutz stärkt, ohne den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten aufs Spiel zu setzen.
16.06.2026
Beitrag
Pressemitteilung: 333/2026
Magdeburg, den 16.06.2026
Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Landesregierung startet Zukunftspakt für den Pharmastandort Sachsen-Anhalt
Magdeburg. Das Land Sachsen-Anhalt will seine führende Rolle als Standort der Pharmaindustrie gezielt ausbauen. Auf
Einladung von Ministerpräsident Sven Schulze haben Vertreterinnen und Vertreter aus Landesregierung, Wissenschaft,
Pharmaindustrie, Verbänden und Gewerkschaften beim Pharma-Gipfel in Magdeburg eine gemeinsame Erklärung zur
Zukunft des Pharmastandorts Sachsen-Anhalt unterzeichnet. Gemeinsam bekennen sie sich dazu, Sachsen-Anhalt zu einem
europäischen Pharmainnovations- und Resilienz-Hub weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für neue Investitionen,
Innovationen und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.
Pharma-Gipfel knüpft an Gespräche in Brüssel an
Der Pharma-Gipfel knüpft unmittelbar an die Gespräche von Ministerpräsident Sven Schulze in Brüssel in den vergangenen
Wochen an. Dort vereinbarten der Ministerpräsident und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der
Leyen, eine engere Zusammenarbeit zwischen Brüssel und Sachsen-Anhalt beim Ausbau der europäischen Pharma- und
Wirkstoffproduktion, um unter anderem die strategische Unabhängigkeit Europas bei Arzneimitteln zu stärken und
bestehende Industriestandorte weiterzuentwickeln.
Ministerpräsident Sven Schulze sagte: „Europa muss bei Arzneimitteln und Wirkstoffen wieder unabhängiger werden. Die
vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sein können. Sachsen-Anhalt verfügt über starke
Unternehmen, exzellente Forschung und einen einzigartigen Verbund aus Pharma- und Chemieindustrie. Diese Stärken
wollen wir gemeinsam nutzen, um neue Investitionen anzuziehen, Innovationen voranzubringen und die
Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa zu stärken.“
Fünf-Punkte-Plan für den Pharmastandort Sachsen-Anhalt
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Erklärung steht ein Fünf-Punkte-Plan, mit dem die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts
nachhaltig gestärkt werden soll:
1. Investitionen beschleunigen
Schnellere Genehmigungen, zusätzliche Industrie- und Gewerbeflächen sowie ein zentraler Ansprechpartner für
Unternehmen sollen neue Ansiedlungen und Erweiterungen erleichtern.
2. Fachkräfte sichern
Ausbildung, Weiterbildung und die Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschulen und Berufsschulen sollen gezielt
gestärkt werden.
3. Versorgungssicherheit stärken
Produktionskapazitäten für kritische Arzneimittel sollen ausgebaut und Lieferketten widerstandsfähiger gemacht werden.
4. Innovationen fördern
Forschung und Wirtschaft sollen noch enger zusammenarbeiten. Start-ups und neue Technologien sollen gezielt unterstützt
werden.
5. Sichtbarkeit erhöhen
Sachsen-Anhalt soll national und international stärker als Pharmastandort wahrgenommen und gegenüber Bund, Europa und
Investoren sichtbarer werden.
Gemeinsames Bekenntnis zum Pharmastandort
Die Unterzeichner verstehen den Pakt als langfristiges Bekenntnis zum Standort Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig setzt das Land
auf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: die enge Zusammenarbeit von Pharmaindustrie und Chemie, von
Wissenschaft und industrieller Produktion. Kurze Wege, starke Netzwerke und gewachsene Verbundstrukturen schaffen gute
Bedingungen für Wachstum und neue Investitionen.
Ministerpräsident Sven Schulze betonte: „Wer Arzneimittelsicherheit will, muss Forschung, Produktion und industrielle
Wertschöpfung gemeinsam stärken. Genau das machen wir in Sachsen-Anhalt. Unser Land bietet hervorragende
Bedingungen für Unternehmen, die investieren, forschen und produzieren wollen. Mit diesem Pakt zeigen wir, dass unser
Land bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Pharmaindustrie aktiv mitzugestalten.“
Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann sagte:
„Sachsen-Anhalt ist ein Land der Zukunftstechnologien und Zukunftsbranchen, gerade auch im Bereich Pharma- und Life-
Science. Es zahlt sich hier aus, dass wir als Land in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich in erstklassige
Forschungseinrichtungen investiert haben, die heute eng mit den Unternehmen kooperieren. Diesen Weg gilt es
fortzusetzen, damit Sachsen-Anhalt auch in Zukunft national wie international von Unternehmen als attraktiver Standort mit
hochqualifizierten Fachkräften und exzellenten Forschungs- und Entwicklungsbedingungen angesehen wird.“
Han Steutel, Präsident des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), sagte: „Sachsen-Anhalt zeigt, wie
Industriepolitik funktioniert: konsequent, ressortübergreifend und mit Blick auf die langen Zeithorizonte, die
pharmazeutische Investitionen brauchen. Dieser Zusammenschluss ist ein Signal an die Branche und ein Maßstab für das,
was wir uns auch auf Bundesebene wünschen. Wir stehen bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen.“
Hintergrund: Sachsen-Anhalt zählt zu den wichtigsten Pharma- und Life-Science-Standorten Deutschlands. Unternehmen wie
Salutas Pharma, IDT Biologika, Bayer, Wacker Biotech, Merz Pharma, medac pharma, Mibe, Serumwerk Bernburg und
weitere Betriebe produzieren Arzneimittel, Impfstoffe und Wirkstoffe für nationale und internationale Märkte.
Ein besonderer Standortvorteil ist die enge Verbindung von Pharmaindustrie, Chemie und Forschung. Neben den beiden
Universitätskliniken in Magdeburg und Halle verfügt Sachsen-Anhalt mit dem Weinberg Campus in Halle über den größten
Technologiepark Mitteldeutschlands. Dort sind mehr als 100 Technologieunternehmen und Institute angesiedelt. Seit der
Gründung des Standorts sind rund 300 Start-ups entstanden. Ergänzt wird das Netzwerk durch den Life Science Sachsen-
Anhalt e. V., in dem rund 30 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände zusammenarbeiten.
Die Unterzeichner haben vereinbart, den Pharma-Gipfel Sachsen-Anhalt künftig jährlich durchzuführen und regelmäßig über
die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen zu berichten.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail: staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
16.06.2026
Datei
GEMEINSAME ERKLÄRUNG
Pharma-Gipfel Sachsen-Anhalt
Magdeburg, 16. Juni 2026
Präambel
Sachsen-Anhalt ist ein Pharmaland. Mit weltweit bekannten Großunternehmen und starken
mittelständischen Unternehmen verfügt das Land über eine industrielle Substanz, die in Deutschland
ihresgleichen sucht. Ergänzt wird diese durch eine ausgeprägte pharmazeutische Forschung und dem
Technologiezentrum WeinbergCampus zur Unterstützung von Gründungen und Startups im Bereich
Life Science. Diese Akteure produzieren Arzneimittel, forschen, bilden aus und sichern tausende
Arbeitsplätze. Sie haben in der COVID-19-Pandemie bewiesen, dass Sachsen-Anhalt liefert, wenn es
darauf ankommt.
Die pharmazeutische Industrie steht im globalen Wettbewerb unter steigendem Druck. Die USA
investieren massiv in Forschung und Produktion, China hat Europa 2023 als Hersteller neuer aktiver
Substanzen überholt. Damit haben sich strategische Abhängigkeiten aufgebaut: Bei Wirkstoffen und
Vorprodukten ist Europa in Teilen von Lieferketten abhängig, die in geopolitischen Krisenfällen nicht
zuverlässig funktionieren. Die Versorgungsengpässe im Herbst und Winter 2022 bei
Kinderarzneimitteln und Antibiotika haben den Handlungsbedarf nachdrücklich aufgezeigt. Nach wie
vor ist die Situation angespannt. Schon kleine geopolitische Verwerfungen können Lieferengpässe
auslösen und Versorgungsausfälle zur Folge haben. Wer heute nicht in europäische
Produktionskapazitäten und Forschungsstärke investiert, wird morgen die Konsequenzen tragen – nicht
nur wirtschaftlich, sondern auch in der Versorgung.
Versorgungssicherheit beginnt dabei nicht erst im Krisenfall. Sie basiert auf einer stabilen, wirtschaftlich
tragfähigen Arzneimittelproduktion im Alltag. Generika und Biosimilars tragen als Rückgrat der
Arzneimittelversorgung nicht nur dazu bei, Produktionskapazitäten, resiliente Lieferketten und
industrielle Kompetenz am Standort zu erhalten, sondern sichern auch die bezahlbare Versorgung der
breiten Bevölkerung. Ihre Stärkung ist damit ein zentraler Baustein für Resilienz und strategische
Souveränität.
Pharmazeutische Forschung und Produktion sind traditionell eng miteinander verbunden: Wo neue
Wirkstoffe erforscht und entwickelt werden, entstehen in der Regel auch die spezialisierten
Produktionskapazitäten für ihre Herstellung und damit hochwertige industrielle Beschäftigung. Der
Pharmastandort Sachsen-Anhalt verkörpert dieses Prinzip – und soll es weiter stärken. Gesundheit,
Wirtschaft, Umwelt und Forschung müssen dafür gemeinsam gedacht und gestaltet werden.
Das Land Sachsen-Anhalt und die unterzeichnenden Unternehmen, Verbände und Sozialpartner
erklären gemeinsam ihren Willen, Sachsen-Anhalt zu einem europäischen Pharmainnovations- und
Resilienz-Hub weiterzuentwickeln. Hier sollen die Wirkstoffe und Arzneimittel produziert werden
können, die für Deutschland und Europa unverzichtbar sind und deshalb mit heimischen
Produktionskapazitäten abgesichert werden müssen.
Dieser Pakt ist keine Absichtserklärung auf Zeit, sondern eine verlässliche Grundlage für Investitions-
und Standortentscheidungen.
Pharmazeutische Investitionen folgen langen Zeithorizonten: Eine nach internationalen Standards
errichtete Produktionsanlage schreibt sich über Jahrzehnte ab, ein Wirkstoff von der Forschungsidee
bis zur Zulassung benötigt oft 10 bis 15 Jahre. Wer in Sachsen-Anhalt investiert, braucht Gewissheit,
dass die Rahmenbedingungen über Wahlperioden und Ressortgrenzen hinweg stabil bleiben. Dort, wo
übergeordnete regulatorische Rahmenbedingungen Investitionsentscheidungen erschweren und den
Marktzugang für innovative Arzneimittel einschränken, ist es Aufgabe der Landespolitik, nicht nur durch
Verlässlichkeit und Planungssicherheit einen Ausgleich zu schaffen – sondern diese Verlässlichkeit
auch aktiv vom Bund einzufordern. Sachsen-Anhalt versteht sich als Stimme der Standorte: Die
Erfahrungen der hier ansässigen Unternehmen werden in bundespolitische Debatten eingebracht, mit
dem Ziel, die Rahmenbedingungen für die gesamte pharmazeutische Industrie in Deutschland zu
verbessern.
Das Land Sachsen-Anhalt verpflichtet sich deshalb zu einer ressortübergreifenden Pharmapolitik:
Wirtschaftsförderung, Beschäftigungspolitik, Umweltfragen, Gesundheitspolitik und
Forschungsförderung werden nicht isoliert gedacht, sondern als zusammenhängendes Politikfeld
geführt.
Investitionsentscheidungen werden durch Wirtschaftspolitik ermöglicht, durch Gesundheitspolitik
flankiert und durch Forschungsförderung sowie Fachkräftesicherung langfristig gesichert. Nur wenn alle
diese Politikfelder in dieselbe Richtung zeigen, entsteht die Planungssicherheit, die langfristige
Investitionsentscheidungen brauchen.
Innovationen von heute sind die Souveränität von morgen. Wer heute in Forschung und Produktion
investiert, sichert nicht nur Arbeitsplätze – er sichert Versorgung, Wohlstand und strategische
Unabhängigkeit. Sachsen-Anhalt will und kann ein Teil dieser Antwort sein.
Sachsen-Anhalt versteht sich dabei nicht nur als bedeutender Pharmastandort, sondern als aktive
Modell- und Erprobungsregion für eine zukunftsgerichtete Pharma- und Gesundheitsindustriepolitik:
Bundes- und europapolitische Reformansätze sollen hier frühzeitig aufgegriffen, praktisch erprobt und
wirksam umgesetzt werden.
Die fünf Punkte des Paktes
1. Investitionen beschleunigen – Genehmigungen, Flächen, Infrastruktur
Neue Produktions- und Forschungsvorhaben brauchen verlässliche und beschleunigende
Rahmenbedingungen. Die pharmazeutischen Bürokratiekosten haben sich in Deutschland seit 2012
mehr als verdoppelt. Land und Industrie wollen gemeinsam einen Beitrag leisten, diesem Trend
entgegenzuwirken. Ziel ist ein Beschleunigungspaket für die Pharmaindustrie:
– Einrichtung eines dedizierten Pharma-Ansprechpartners in der Landesverwaltung für
Investitionsvorhaben nach One-Stop-Logik: ein verlässlicher, einheitlicher Zugangspunkt für
Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Investoren – mit kurzer Eskalationskette und
persönlicher Präsenz auf Leitungsebene
– Einführung von Fast-Track-Verfahren für Neuansiedlungen und Erweiterungsinvestitionen nach
dem Prinzip Genehmigung durch Schweigen: Sofern eine Beschleunigungswirkung erzielt
werden kann und diese keine unvertretbaren Risiken erzeugt, gelten Anträge nach definierter
Frist als genehmigt
– Ausweitung des Flächenpotenzials für Investitionen in neue Produktionsstätten durch
Entwicklung großflächiger Industrie- und Gewerbeflächen
– Darstellung der Potenzialflächen für die Pharma- und Chemie-Industrie im Rahmen der
Standortdatenbank der IMG Sachsen-Anhalt
– Digitalisierung von Genehmigungsverfahren – Ziel: messbare Verkürzung der Durchlaufzeiten
bis 2027
– Regulatorische Verhältnismäßigkeit als Standortprinzip: Neue Umwelt- und
Nachhaltigkeitsauflagen mit ihren erheblichen Kostenwirkungen für pharmazeutische und
chemische Produktionsstandorte werden auf ihre Verhältnismäßigkeit für den Standort geprüft.
Das Land setzt sich auf Bundesebene und gegenüber der EU dafür ein, dass Umweltziele
nicht durch einseitige Kostenbelastung der Hersteller erreicht werden, die die
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gefährden
Ein besonderer Standortvorteil Sachsen-Anhalts ist der enge Verbund mit dem Chemiestandort
Mitteldeutschland: Pharmazeutische Produktion und chemische Grundstoffindustrie, die derzeit unter
besonderem Kosten- und globalem Konkurrenzdruck steht, sind in der Region historisch verknüpft –
Vorprodukte, Wirkstoffe und Infrastruktur liegen nah beieinander. Dieser Verbund ist ein
Wettbewerbsvorteil, den es strukturpolitisch zu erhalten und auszubauen gilt.
Land und Industrie sind gemeinsam der Auffassung, dass diese Maßnahmen den Pharmastandort
Sachsen-Anhalt nachhaltig stärken und die Voraussetzungen für langfristige
Investitionsentscheidungen verbessern.
2. Fachkräfte sichern – Qualifikation, Perspektive, Bindung
Der Pharmastandort Sachsen-Anhalt steht und fällt mit qualifizierten Arbeitskräften – die
Fachkräfteentwicklung und -bindung ist deshalb ein Schlüssel für einen langfristig erfolgreichen
Industriestandort. Die Herausforderung ist dabei zweifältig: Die Pharmaindustrie braucht
hochspezialisierte Fachkräfte in Produktion, Forschung und Qualitätssicherung – gleichzeitig bietet der
Standort Perspektiven für Beschäftigte in Sachsen-Anhalt aus Branchen, die im Strukturwandel unter
Druck stehen. Diese doppelte Aufgabe ist eine Chance: Sachsen-Anhalt kann zur Drehscheibe werden,
auf der industrieller Wandel und pharmazeutisches Wachstum zusammenkommen. Wo
Sozialpartnerschaft funktioniert, entstehen Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität – das ist im
internationalen Wettbewerb ein klarer Standortvorteil, der in Sachsen-Anhalt bewusst gepflegt werden
soll.
Knapp jeder vierte Beschäftigte in pharmarelevanten Berufen ist älter als 55 Jahre. Der demografische
Ersatzbedarf, der Rückgang der MINT-Ausbildungsanfänger und die Anforderungen der Digitalisierung
und Automatisierung machen deutlich: Fachkräftesicherung ist keine Querschnittsaufgabe – sie ist eine
strategische Priorität. Gute Arbeit, lebenslanges Lernen und gezielte Qualifikation für die
Herausforderungen der Zukunft sind dabei ebenso wichtig wie neue Ausbildungsplätze.
Land, Industrie und Gewerkschaft wollen gemeinsam Maßnahmen entlang der gesamten
Qualifikationskette entwickeln:
– Ausbau praxisnaher Ausbildungsgänge in den Berufsfeldern Pharmatechnologie, Chemie und
Life Sciences in enger Abstimmung mit Berufsschulen und Hochschulen in Sachsen-Anhalt –
orientiert an den konkreten Bedarfen der ansässigen Unternehmen
– Stärkung des 4+1-Schulmodells sowie dualer MINT-Studiengänge in Kooperation mit der Otto-
von-Guericke-Universität Magdeburg und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Schul-
und Berufsschulkooperationen als frühzeitige Berücksichtigung naturwissenschaftlicher
Berufsbilder
– Sachsen-Anhalt als Drehscheibe im Strukturwandel: Gezielte Qualifizierungsprogramme für
Quereinsteigende aus vom Strukturwandel betroffenen Branchen hin zu pharmarelevanten
Berufsbildern; stärkeres Bewerben des Qualifizierungsgeldes als unterstützendes Instrument
– Aufbau eines Lotsensystems, das Unternehmen und Beschäftigte entlang des gesamten
Qualifizierungsprozesses begleitet – von der Kompetenzanalyse über die passende
Maßnahme bis zur Stellenbesetzung; Einbindung von Arbeitsagenturen, Kammern und
Sozialpartnern vor Ort
– Lebenslanges Lernen als Grundprinzip: Weiterbildung ‘on the job’, altersgemischte Teams,
Wissensmanagement und Nachqualifizierung für An- und Ungelernte als gemeinsame
sozialpartnerschaftliche Aufgabe von Unternehmen, Gewerkschaft und Land
– Sachsen-Anhalts gute Kita-Infrastruktur als aktiven Standortvorteil kommunizieren und weiter
ausbauen – familienfreundliche Rahmenbedingungen sind ein entscheidender Faktor im
Wettbewerb um Fachkräfte
– Internationale Fachkräfte: Wo inländische Potenziale nicht ausreichen, sollen vereinfachte
Anerkennungsverfahren und der Talentservice der IMG den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte
ergänzend unterstützen
3. Resilienz institutionalisieren – Versorgungssicherheit, Vorsorge,
Krisenbereitschaft
Die Pharmabranche in Sachsen-Anhalt hat in der Pandemie bewiesen, was Resilienz bedeutet: so
füllten IDT Biologika und Mibe Impfstoffe unter anderem für AstraZeneca und Johnson & Johnson ab,
als Europa jeden Liter brauchte. Wacker Biotech lieferte biologische Wirkstoffe unter höchstem
Zeitdruck. Diese Kompetenz ist kein Zufallsprodukt – sie muss strukturell gesichert und vergütet
werden.
Das Kernproblem ist ein Marktversagen: Der gesellschaftliche Wert schneller Reaktionsfähigkeit im
Krisenfall wird im normalen Marktgeschehen nicht vergütet. Pharmazeutische Produktionsstätten
müssen auch in normalen Zeiten wirtschaftlich arbeiten – nur ein laufender Betrieb sichert die
Kompetenz, die Infrastruktur und die Lieferketten, die im Krisenfall gebraucht werden. Auch Generika
und Biosimilars spielen dabei eine zentrale Rolle: Als Rückgrat der Arzneimittelversorgung sichern sie
die kontinuierliche Auslastung von Produktionskapazitäten. Ihre wirtschaftlich tragfähige Produktion ist
Voraussetzung dafür, dass industrielle Kompetenz, Lieferketten und Infrastruktur im Regelbetrieb
erhalten bleiben, und im Krisenfall schnell skaliert werden können.
Die Bereitschaft zur schnellen Skalierung, also Investitionen in Rüstflexibilität, die es ermöglicht,
Kapazitäten innerhalb kurzer Zeit hochzufahren und die über das normale betriebswirtschaftliche Kalkül
hinausgeht, sollen zusätzlich honoriert werden.
Land und Industrie beabsichtigen, gemeinsam ein Hot-Spare-Capacity-Modell für die
Pharmaproduktion zu entwickeln und als Piloten in Sachsen-Anhalt zu erproben:
– Grundprinzip: Teilnehmende Unternehmen produzieren im normalen Betrieb – Land und
Unternehmen setzen sich dabei gemeinsam für eine Förderung von Rüst- und Vorhaltekosten
ein, die eine schnelle Kapazitätsskalierung im Krisenfall erst ermöglichen: vorzuhaltende
Vorprodukte, trainiertes Personal, qualifizierte Produktionslinien
– Unternehmen erklären die Bereitschaft, definierte Produktionskapazitäten für
versorgungskritische Wirkstoffe oder Arzneimittel innerhalb einer festgelegten Frist über das
normale Betriebsniveau hinaus hochfahren zu können – die Prämie bemisst sich an diesen
nachgewiesenen Flexibilitätskosten
– Kofinanzierung aus Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln; das Modell trägt der Tatsache
Rechnung, dass die volkswirtschaftlichen Kosten einer Krisenvorbereitung deutlich niedriger
sind als die Kosten einer nicht vorbereiteten Krise
– Regelmäßige Aktivierungsübungen prüfen, ob die zugesagte Reaktionsgeschwindigkeit
tatsächlich erreichbar ist – Nachweis der Flexibilität als Bedingung für die Prämie
– Aufbau eines Sachsen-Anhalt-Resilienzregisters als Grundlage: Inventur vorhandener
Produktionskapazitäten für versorgungskritische Arzneimittel, Wirkstoffe und Vorprodukte
– Gemeinsame Notfallprotokolle und klare Aktivierungsmechanismen für den Krisenfall – mit
definierten Vorlaufzeiten und Zuständigkeiten
– Grundvoraussetzung für jedes Resilienzmodell ist wirtschaftliche Tragfähigkeit: Produktion, die
am Standort nicht kostendeckend betrieben werden kann, lässt sich nicht durch Prämien allein
retten. Das Land unterstützt deshalb das Engagement der Verbände und Sozialpartner auf
Bundesebene für einen fairen Erstattungsrahmen, der auch Kriterien guter Arbeit und für
Standortsouveränität berücksichtigt.
– Engagement von Land und Industrie auf Bundesebene dafür, dass bei Ausschreibungen
versorgungskritischer Arzneimittel mindestens ein Zuschlag an einen Hersteller mit EU-
Produktionsstätte erfolgt – der Preis darf nicht das alleinige Vergabekriterium sein
– Sachsen-Anhalt als Pilotstandort für das Hot-Spare-Modell – mit dem Ziel, das Instrument in
den European Critical Medicines Act einzuspeisen
4. Innovation fördern – Forschung, Transfer, Skalierung
Sachsen-Anhalt verfügt über Forschungseinrichtungen von Rang: die Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit ihren Universitätskliniken, das
Fraunhofer-Institut IMWS, das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie und den Weinberg Campus als
eines der führenden Life-Sciences-Ökosysteme Mitteldeutschlands. Was diesen Standort auszeichnet,
sind nicht nur die Einrichtungen selbst, sondern die kurzen Wege zwischen ihnen und den
Produktionsstätten der Pharmaindustrie.
Diese Nähe schafft Freiräume: für neue Kooperationsmodelle zwischen Forschung und Industrie, für
schnellere Transferpfade von der Grundlagenforschung in die Anwendung, für Gründungen, die von
Anfang an industriell denken. Land und Industrie wollen diese Freiräume gemeinsam nutzen und
ausbauen – nicht als politisches Programm, sondern als gelebte Praxis zwischen Wissenschaft,
Unternehmertum und Produktion.
– Ausbau der Kooperation zwischen Universitäten, Hochschulen, außeruniversitären
Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen – insbesondere zur Stärkung klinischer
Forschung als Translationshebel: Sachsen-Anhalt will Studienaktivitäten ausbauen und die
Zusammenarbeit zwischen klinischer Forschung und industrieller Entwicklung vertiefen
– Abbau struktureller Kooperationshindernisse zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie:
Vereinfachung von IP- und Lizenzregelungen, Harmonisierung von Vertragsstandards für
Forschungskooperationen und Reduzierung administrativer Hürden bei gemeinsamen
Projekten – damit der Weg von der wissenschaftlichen Idee zur industriellen Anwendung
kürzer und planbarer wird
– Kooperation mit der Industrie als Leistungskriterium: Land und Industrie sprechen sich dafür
aus, dass Transferleistungen, Industriekooperationen und Ausgründungen bei der Bewertung
und Förderung von Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt künftig stärker gewichtet
werden – neben klassischen akademischen Kennziffern wie Publikationen und Drittmitteln
– Förderung von Biotech-Ausgründungen und Start-ups im Life-Sciences-Bereich: Bereitstellung
von Labor- und Produktionsflächen für Gründer und Scale-ups; Zugang zu Wagniskapital,
insbesondere in der Spätphasenfinanzierung, in Kooperation mit der Investitionsbank
Sachsen-Anhalt
– Gemeinsame Forschungsagenda zu den Themen Zelltherapie, Biopharmazeutika und
pharmazeutische Prozesstechnologie – thematisch verknüpft mit den Stärken der ansässigen
Unternehmen
– Engagement von Land und Industrie auf Bundesebene für innovationsfreundliche
Rahmenbedingungen: schnellere Zulassungspfade, Unterstützung klinischer Studien und
bessere Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung
– Innovationsförderung umfasst neben Forschung und Entwicklung ausdrücklich auch
Innovationen in Produktion, Verfahrenstechnik, Digitalisierung, Automatisierung und
nachhaltiger Herstellung von Arzneimitteln.
– Sachsen-Anhalt soll Modellregion für moderne industrielle Pharmaproduktion werden und die
Entwicklung neuer Produktionsverfahren gezielt unterstützen.
5. Sichtbarkeit erhöhen – Standortkommunikation, Berlin, Brüssel
Ein Hub braucht Aufmerksamkeit. Sachsen-Anhalt ist als Pharmastandort national und international zu
wenig sichtbar – gemessen an seiner tatsächlichen wirtschaftlichen Substanz. Sachsen-Anhalt ist einer
der bedeutendsten Pharmastandorte Deutschlands, nicht zuletzt wegen des starken Verbunds im
Chemiestandort. Diese Stärke wird außen zu selten kommuniziert.
Sichtbarkeit entsteht nicht durch Kampagnen allein – sie entsteht durch ein glaubwürdiges,
erkennbares industriepolitisches Bekenntnis. Dieser Pakt ist ein solches Bekenntnis. Seine Wirkung
hängt davon ab, dass er konsequent nach außen getragen wird: gegenüber Investoren, gegenüber
dem Bund und gegenüber Europa. Die Kommunikation umfasst sowohl die Innovationskraft als auch
die Rolle Sachsen-Anhalts als führender Standort für die Produktion von Generika und Biosimilars in
Europa.
– Gemeinsame Kommunikationsmaßnahmen von Land, IMG und Pharmaindustrie im Rahmen
der Standortwerbung des Landes mit klaren Botschaften für internationale Investoren –
Sachsen-Anhalt als verlässlicher, politisch unterstützter Pharmastandort mit industrieller Tiefe
– Internationales Standortmarketing über die IMG, gezielt auf Life-Sciences-Investorenmessen
und -konferenzen; Sachsen-Anhalts Pharma-Ökosystem als exportierbare Erfolgsgeschichte
– Koordiniertes Auftreten von Landesregierung und Industrie gegenüber Bundesministerien und
EU-Institutionen, insbesondere mit Blick auf den Critical Medicines Act, die europäische
Pharmaregulierung und die Energiepolitik
– Sachsen-Anhalt als Referenzstandort in den europäischen Debatten über Resilienz und
Versorgungssicherheit – Erfahrungen aus dem Hot-Spare-Modell, dem Gipfelprozess und der
Kooperation zwischen Forschung und Industrie werden aktiv in Bund und Europa eingebracht
– Jährlicher Pharma-Gipfel Sachsen-Anhalt als institutionalisiertes Format: jährliche öffentliche
Fortschrittsberichterstattung über den Stand der vereinbarten Maßnahmen – transparent
gegenüber Unternehmen, Beschäftigten und Öffentlichkeit; der Gipfel selbst ist Teil der
Sichtbarkeitsstrategie
Gemeinsames Signal
Die fünf Punkte dieses Paktes sind kein Katalog isolierter Maßnahmen. Sie bilden ein
zusammenhängendes Ökosystem: Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen,
verlässliche Rahmenbedingungen brauchen qualifizierte Fachkräfte, Fachkräfte brauchen
Perspektiven, Perspektiven entstehen durch Innovation, und Innovation braucht Sichtbarkeit. Wer an
einem dieser Punkte spart, schwächt alle anderen.
Das Land Sachsen-Anhalt und die unterzeichnenden Unternehmen, Verbände und Sozialpartner
bringen sich gleichermaßen ein: Das Land schafft die politischen, regulatorischen und infrastrukturellen
Voraussetzungen. Industrie und Sozialpartner bringen sich gemeinsam für Investitionen, Ausbildung,
Gute Arbeit und Forschungsengagement ein. Kurz: Alle Seiten übernehmen Verantwortung für den
Standort. Beide Seiten wissen: Ohne das Engagement der anderen funktioniert das Modell nicht.
Dieser Pakt ist ein Signal – an Investoren, an Beschäftigte, an Europa. Sachsen-Anhalt ist kein
Rückzugsgebiet der Pharmaindustrie. Es ist ein Aufbruchsort.
Wir wollen die Umsetzung der skizzierten Maßnahmen gemeinsam verfolgen und berichten beim
nächsten Pharma-Gipfel Sachsen-Anhalt öffentlich über den Stand der Arbeiten.
Unterzeichner
Sven Schulze
Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt
Prof. Dr. Armin Willingmann
Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt
Han Steutel
Präsident, Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa)
Dr. Kai Joachimsen
Hauptgeschäftsführer, Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI)
Bork Bretthauer
Geschäftsführer, ProGenerika e.V.
Dorothee Brakmann
Hauptgeschäftsführerin, Pharma Deutschland e.V.
Alexander Bercht
Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IGBCE & kommissarischer Leiter des Landesbezirks
Nordost der IGBCE
Nora Schmidt-Kesseler
Hauptgeschäftsführerin, Verband der Chemischen Industrie Nordost (VCI Nordost) und Arbeitgeberverband
Nordostchemie (AGV Nordostchemie)
Magdeburg, 16. Juni 2026
16.06.2026
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«Wir sind in Baden-Württemberg Top-Gesundheitsstandort», sagte Özdemir. Der Klinikverbund Heidelberg-Mannheim habe die Berliner Charité als bestes Krankenhaus Deutschlands abgelöst. Im Südwesten sei die Lebenserwartung zudem höher als anderswo. Die Krankenhäuser im Südwesten seien vorbildlich. Es widerspreche jedem Leistungsgedanken, dass der, der seine Hausaufgaben mache, am Ende der «Gelackmeierte» sei und dafür bestraft werde. Zwar gebe es Handlungsbedarf mit Blick auf das Gesundheitssystem, räumte Özdemir ein. Was an Plänen aber vorliege, habe «massive Pferdefüße». Hildenbrand will «Strukturzuschlag» Auch Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) kritisierte die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Die Reform würde die finanzielle Stabilität der Krankenhäuser im Land weiter gefährden, sagte er. Baden-Württemberg habe bereits eine der effizientesten Krankenhaus-Strukturen Deutschlands, so Hildenbrand. So habe man viel weniger stationäre Fälle als andere Länder. Das Land müsse für seine Leistungen belohnt und nicht bestraft werden. Der Minister forderte für Baden-Württemberg deshalb einen «Strukturzuschlag». Bei den Plänen des Bundes handele es sich um ein ausschließliches Sparpaket, Strukturreformen seien keine geplant, sagte Hildenbrand. Das müsse dringend nachgeholt werden. Der Bund wolle dauerhaft Geld aus dem System herausnehmen, statt seiner Finanzierungsverantwortung gerecht zu werden. Hildenbrand kritisierte unter anderem, dass versicherungsfremde Leistungen aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert würden. Den Krankenkassen fehlten jährlich rund 12 Milliarden Euro, weil sie Kosten für die Versorgung von Grundsicherungsbeziehern übernehmen müssten. Widerstand auch in anderen Ländern Mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz will Warken die Finanzlücken in der gesetzlichen Krankenversicherung schließen. Gegen die Sparpläne formiert sich gemeinsamer Widerstand der Länder. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates warnte vor einem Kliniksterben und einer «hohen Insolvenzgefahr». Das Paket soll die Kassen um 16,3 Milliarden Euro entlasten - etwa durch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen bei der Mitversicherung von Ehepartnern.
16.06.2026
Beitrag
Durch eine hohe Ausgabendynamik im ersten Quartal 2026 müsse unbedingt an der Reform festgehalten werden, auch wenn es allen Beteiligten weh tue, sagte der Verbandschef. Die Leistungsausgaben seien von Januar bis Ende März um 8 Prozent gestiegen und damit stärker als angenommen. Kostentreiber seien erneut die großen Ausgabenblöcke für Klinikbehandlungen (plus 9,4 Prozent), Arzneimittel (6,4 Prozent) und Behandlungen in Praxen (7,3 Prozent) gewesen. Größere Lücke 2027 im Blick Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat angesichts der vorläufigen Zahlen schon angekündigt, dass das Sparziel im Gesetz angehoben werden soll, um Beitragserhöhungen im nächsten Jahr zu verhindern. Sie erwartet, dass die Lücke 2027 noch um 3,5 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro wächst. Der vom Kabinett auf den Weg gebrachte Entwurf deckt aber nur 16,3 Milliarden Euro ab. Für 2,5 Milliarden Euro muss also noch eine Lösung her - mindestens, wenn wieder ein Sicherheitspuffer für Unwägbarkeiten eingebaut werden soll. Blatt betonte: «Wir wünschen uns einen größeren Puffer.» So solle vermieden werden, dass es am Ende ein Beitragstabilisierungsgesetz gebe und dennoch die Zusatzbeiträge steigen. Die Kassen fordern unter anderem eine stärkere Mitfinanzierung der Krankenkosten für generell gesetzlich versicherte Bürgergeldbezieher aus Steuermitteln aus dem Bundeshaushalt, da bisherige pauschale Zahlungen die Kosten nicht decken. Auch die Pharmabranche solle mehr in die Pflicht genommen werden, sagte Blatt mit Blick auf Rabattregeln. Der aktuelle Puffer ist schon weg Die Frage des Puffers ist wegen der neuen Finanzlücke wieder akut geworden, nachdem der aktuell angelegte Sicherheitsaufschlag schon vor dem Beschluss des Gesetzes nicht mehr ausreicht. Warken hatte zunächst auch Einsparungen von 19,6 Milliarden Euro und damit ein größeres Polster angepeilt, um die bisher erwartete Lücke von 15,3 Milliarden Euro abzudecken - im Kabinettsentwurf schmolz der Puffer dann aber auf eine Milliarde Euro zusammen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte deswegen für die weiteren Beratungen die Vorgabe formuliert, dass es nicht mehr weniger werden dürfe. Denn gegen das Sparpaket gibt es heftige Proteste aus dem gesamten Gesundheitswesen und auch in der Koalition noch einige Änderungswünsche. Der straffe schwarz-rote Zeitplan sieht vor, das Gesetz bis zur Sommerpause Mitte Juli zu besiegeln - Verabschiedung im Bundestag möglicherweise schon in der nächsten Woche. Begrenzung für Vergütungs-Anstiege Warken plant Ausgabenbremsen bei den Vergütungen für Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Basis für die Berechnungen ist dabei, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent zu halten. Auf dieses Niveau hatte das Ministerium die übliche Marke für 2026 festgelegt, an der sich die Kassen bei den Entscheidungen über ihren jeweiligen Zusatzbeitrag orientieren. Tatsächlich liegen die Zusatzbeiträge aktuell nach Kassendaten aber bereits höher, nämlich im Schnitt bei 3,1 Prozent. Zum Gesamtbeitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, gehört außerdem der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns. Qualität der Versorgung in Gefahr? Blatt sagte, man würde sich schon damit zufriedengeben, wenn es gelinge, das Niveau von 3,1 Prozent zu halten. Warnungen von Ärzteverbänden und Kliniken vor Verschlechterungen des Terminangebots und der Versorgung wegen der Ausgabenbremsen wies er zurück. «Wir gehen davon aus, dass mit dem Geld, was da ist, eine Milliarde Euro pro Tag, die Qualität sich nicht verschlechtert. Und wir werden auch darauf achten, dass das nicht passiert.» Die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta kritisierte, angesichts weiterhin drohender Beitragssteigerungen sei es kaum nachvollziehbar, dass noch immer darüber diskutiert werde, welche Zugeständnisse bei Einsparungen in der Pharmaindustrie gemacht werden könnten. Sie warnte davor, die Reform unter diesen Umständen in der nächsten Woche «durch das Parlament zu prügeln - auf Kosten der Gründlichkeit und der Ausgewogenheit».
16.06.2026
Beitrag
Durch eine hohe Ausgabendynamik im ersten Quartal 2026 müsse unbedingt an der Reform festgehalten werden, auch wenn es allen Beteiligten weh tue, sagte Blatt. Die Leistungsausgaben seien zwischen Januar und Ende März um 8 Prozent gestiegen und damit stärker als angenommen. Kostentreiber seien erneut die großen Ausgabenblöcke für Klinikbehandlungen (plus 9,4 Prozent), Arzneimittel (6,4 Prozent) und Behandlungen in Praxen (7,3 Prozent) gewesen. Größere Lücke 2027 schon im Blick Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat bereits angekündigt, dass das Sparziel im geplanten Gesetz angehoben werden soll, um höhere Beiträge im nächsten Jahr zu verhindern. Denn sie erwartet, dass sich die Lücke 2027 um 3,5 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro vergrößert. Der vom Kabinett auf den Weg gebrachte Entwurf deckt jedoch nur 16,3 Milliarden Euro ab. Für 2,5 Milliarden Euro muss also jetzt noch eine Lösung her - mindestens, wenn auch wieder ein Sicherheitspuffer für Unwägbarkeiten eingebaut werden soll.
16.06.2026
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