April 2026

Pharmaindustrie in Ostdeutschland

Die Pharmaindustrie zählt zu den wichtigsten Branchen in Ostdeutschland und ist ein Motor für Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation. Der Landesverband Ost von Pharma Deutschland vertritt die Pharmaunternehmen in Ostdeutschland und setzt sich für gute Rahmenbedingungen ein.

Wie sieht die Pharmaindustrie in Ostdeutschland aus?

Die Pharmalandschaft in Ostdeutschland ist im Vergleich zu anderen Bundesländern noch klein, aber durchaus vielfältig. Es finden sich traditionsreiche Hersteller pflanzlicher und klassischer Arzneimittel sowie auch moderne Produktionsstandorte und Biotech-Cluster. Zu den Stärken des Standorts Ostdeutschland zählt die Mischung aus Erfahrung, Forschung und industrieller Produktion sowie die Nähe zu Wissenschaftsstandorten. Weitere Potenziale bestehen in den Bereichen Biotechnologie, personalisierte Medizin und bei digitalen Gesundheitslösungen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Pharmaindustrie für Ostdeutschland?

Die Pharmaindustrie ist für Ostdeutschland wirtschaftlich von großer Bedeutung. Sie schafft gut bezahlte, qualifizierte Arbeitsplätze, erwirtschaftet hohe Wertschöpfung und stärkt Forschung, Produktion und regionale Lieferketten. Die Branche ist damit ein strategischer Standortfaktor:

  • Wertschöpfung: Die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie erwirtschaften in Ostdeutschland einen jährlichen Umsatz von gut 11,4 Milliarden Euro (Stand 2023*). Die Branche fragt als lokaler Anker für Industrie und Wissenschaft zahlreiche Vorprodukte sowie Dienstleistungen nach – dadurch profitieren auch Zulieferer, Logistik, Forschungseinrichtungen und spezialisierte Dienstleister.
  • Beschäftigung: Die Branche beschäftigt in Ostdeutschland mehr als 20.000 Mitarbeitende (Stand 2023*). Die investitionsstarken und krisenresistenten Pharmaunternehmen sind attraktiv für hochqualifizierte Fachkräfte, wodurch sie zugleich die regionale Kaufkraft stärken.
  • Innovation: Durch Forschung und Entwicklung trägt die Pharmaindustrie in Ostdeutschland zum Innovationsprofil der regionalen Standorte bei.

        *Quelle: Nordostchemie 

Was sind die wichtigen Pharmastandorte in Ostdeutschland?

Die wichtigsten Pharmastandorte in Ostdeutschland sind über alle sechs ostdeutschen Bundesländer verteilt:

  • Berlin-Brandenburg: Die Hauptstadtregion bietet eine einzigartige Konzentration von Forschungseinrichtungen, Kliniken und Industriebetrieben der weltweiten Spitzenklasse. Zu den ansässigen Global Playern zählen etwa Bayer und Berlin-Chemie (Menarini Group) mit Produktionsstätten. Daneben haben Unternehmen wie Pfizer, Takeda und Zentiva hier ihren Deutschlandsitz. Erfolgreiche mittelständische Unternehmen wie DR. KADE Pharmazeutische Fabrik und Aristo Pharma sind ebenfalls in der Hauptstadt angesiedelt.
  • Sachsen: Das Bundesland verfügt über mehrere bedeutende Pharmastandorte, darunter insbesondere Dresden mit Unternehmen wie zum Beispiel APOGEPHA Arzneimittel und Li-iL GmbH. Freital beheimatet die Bombastus-Werke AG, während in Weinböhla die PWA Dr. Haufe GmbH ansässig ist. 
  • Sachsen-Anhalt: Die Pharmaindustrie in Sachsen-Anhalt ist an verschiedenen Standorten ansässig. So produziert etwa wo Sandoz/Salutas Pharma GmbH in Barleben und die Mibe GmbH in Sandersdorf-Brehna. Halle (Saale) und Magdeburg sind zudem wichtige Zentren für biotechnologische Forschung und Entwicklung. Und auch der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen zieht zunehmend biotechnologische Unternehmen an.
  • Thüringen: Der Freistaat verfügt über Pharmastandorte in Städten wie Jena, Rudolstadt, Erfurt, Gera, Weimar und Apolda. In Jena ist EVER Pharma angesiedelt.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Das Bundesland ist ein kleinerer, aber wachsender Pharmastandort mit Schwerpunkt auf Rostock und Greifswald.

Welche Jobs bieten Pharmaunternehmen in Ostdeutschland?

Die Pharmaunternehmen in Ostdeutschland bieten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in unterschiedlichen Bereichen – von Produktion und Forschung über Vertrieb bis hin zu Verwaltungstätigkeiten, darunter:

  • Produktion und Fertigung: Pharmakantinnen, Chemikanten, Chemiefacharbeiter, Produktionsmitarbeitende für aseptische Herstellung von Arzneimitteln, Produktionsmitarbeitende für Verpackung von Arzneimitteln, Mitarbeitende Arzneimittelherstellung
  • Labor und Analytik: Chemielaborantinnen, Lab Scientist, biologisch-technische Assistentinnen (BTA), chemisch-technische Assistenten (CTA), medizinisch-technische Assistentinnen (MTA/MTLA), Laborleitung, Labormitarbeitende
  • Forschung und Entwicklung: Mitarbeitende in der analytischen Entwicklung, Strukturbiologen/Röntgenkristallographinnen, Naturwissenschaftler (insbesondere Biologie, Chemie, Biochemie), Biolaboranten
  • Medizinische und pharmazeutische Berufe: Pharmareferenten, Pharmaberater (u.a. in Onkologie, Diabetologie, Kardiologie), Medical Advisor, Medizinische Direktorinnen, pharmazeutisch-technische Assistent (PTA), Apothekerinnen, Medizinprodukteberater 
  • Qualitätssicherung und Regulatorik: Mitarbeitende in der Qualitätskontrolle, GMP-Beauftragte, Pharmacovigilance-Spezialistinnen, Clinical Safety-Mitarbeitende
  • Technik und Ingenieurwesen: Projektingenieure Technische Gebäudeausrüstung (TGA), Chemieingenieurinnen, Pharmatechniker, IT-Spezialistinnen für pharmazeutische Anwendungen 
  • Vertrieb und Marketing: Marketing-Managerinnen OTC-Produkte, Vertriebsmitarbeitende, Key Account Manager, Sales Managerinnen
  • Kaufmännische und administrative Berufe: Referentinnen GKV-Arzneimittel-Versorgung, Sachbearbeitende, Mitarbeitende in der Verwaltung sowie in den Bereichen Personal, Finanzen, Recht, Buchhaltung
  • Public Affairs und Kommunikation: Mitarbeitende im Dialog mit Politik und Behörden, Mitarbeitende Public Health 

Welche Hochschulen in Ostdeutschland bieten pharmazeutische Studiengänge an?

Mehrere Hochschulen bieten in Ostdeutschland pharmazeutische Studiengänge an, darunter:

Pharmazie-Staatsexamen

  • Universität Greifswald 
  • Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • Universität Leipzig
  • Freie Universität Berlin

Pharmatechnik und verwandte Studiengänge

  • Hochschule Anhalt (Köthen): Pharmatechnik (B.Eng.), Pharmazeutische Chemie (B.Sc.)

Welche wichtigen gesundheitspolitischen Institutionen gibt es in Ostdeutschland?

Mehrere gesundheitspolitische Institutionen in Ostdeutschland spielen eine zentrale Rolle im deutschen Gesundheitssystem und in der regionalen Gesundheitsversorgung, darunter:

Bundesinstitutionen in Berlin

  • Robert Koch-Institut (RKI): Das RKI überwacht als Einrichtung der Bundesregierung unter anderem die Gesundheit der Bevölkerung, betreibt epidemiologische Forschung und berät Politik sowie Fachöffentlichkeit.
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin: Die Charité ist eine der größten Universitätskliniken Europas und vereint die medizinischen Fakultäten von Humboldt- und Freier Universität.

Forschungseinrichtungen

  • Berlin Institute of Health (BIH) @ Charité: Das Institut ist ein klinisches Studienzentrum an der Charité und spielt eine wichtige Rolle in der medizinischen Forschung und Versorgung.
  • Potsdam Science Park: Der Park beherbergt auf rund 50 Hektar wissenschaftliche Institute und mehrere dutzend Unternehmen, darunter viele Start-ups aus der Gesundheitswirtschaft.

Mit welchen Partnern kooperieren Pharmaunternehmen in Ostdeutschland?

Die Pharmaindustrie in Ostdeutschland kooperiert mit einem breiten Netzwerk aus Wissenschaft, Politik, Verbänden und anderen Akteuren der Gesundheitsbranche. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderem:

  • Verbände und Industriepartner, etwa der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), Pharma Deutschland sowie die Wirtschaftsförderung Berlin Partner
  • Universitäten und Forschungseinrichtungen, beispielsweise im Rahmen des Promotionsprogramms PharMetrX der Freien Universität Berlin und der Universität Potsdam oder über die Nationale Dekade gegen Krebs (NDK) des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt
  • Klinische Partner, insbesondere Universitätskliniken wie die Charité in Berlin
  • Politik und Behörden sowie politische Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene
  • Gesundheitsdienstleister, darunter Krankenkassen wie die AOK Nordost
  • Pharmalogistik-Partner wie PHOENIX Pharmahandel und Noweda

Welche Rolle nimmt Pharma Deutschland in der Pharmalandschaft Ostdeutschland ein?

Pharma Deutschland ist über seinen 2024 gegründeten Landesverband Ost ein wichtiges Sprachrohr für die Pharmaindustrie in Ostdeutschland. Der Landesverband vertritt die Interessen von rund 30 Unternehmen der pharmazeutischen Industrie in den sechs ostdeutschen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegenüber der Politik. Dabei schafft Pharma Deutschland eine Plattform für den Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik. Das erklärte Ziel ist es, Ostdeutschland als Hotspot der Gesundheitswirtschaft zu etablieren und das Ökosystem für pharmazeutische Innovation zu optimieren. Der Verband will die Potenziale der Region voll ausschöpfen und den Pharmastandort Ostdeutschland zukunftsfest machen. Zur Arbeit des Verbandes zählen zudem regelmäßige repräsentative Umfragen zur Gesundheitsversorgung in Ostdeutschland.

„Die Pharmaindustrie ist ein Motor für Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation in Ostdeutschland.“
Mathias Butte Regionalbeauftragter Ost
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