August 2026

Pharmaindustrie in Bayern

Vom Biotech-Cluster München bis zu traditionsreichen Mittelständlern in ganz Bayern: Der Freistaat ist einer der bedeutendsten Pharmastandorte Deutschlands – mit hoher Forschungsintensität, starkem Export und tausenden qualifizierten Arbeitsplätzen. Ein Überblick über Unternehmen, Berufe, Studienangebote, gesundheitspolitische Akteure und die Arbeit des Landesverbands Bayern von Pharma Deutschland.

Bayerns Pharmaindustrie ist Leitbranche und Jobmotor für den Freistaat: Rund 35.000 Beschäftigte, starke Forschung an Hochschulen und in Unternehmen, milliardenschwere Exporte und Investitionen machen Bayern zu einem der wichtigsten Pharmastandorte Deutschlands.

Wie sieht die Pharmaindustrie in Bayern aus?

Die Pharmaindustrie in Bayern zählt bundesweit zu den stärksten Standorten für Arzneimittelforschung, -produktion und Biotechnologie. Das Bundesland vereint große forschende Pharmaunternehmen, etablierte mittelständische Hersteller und zahlreiche Biotech‑Start-ups. Wichtige Cluster liegen vor allem im Raum München mit einem der führenden Biotechnologie‑Cluster Europas, in dem Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen räumlich eng verzahnt sind.​ Die bayerischen Unternehmen sind stark im Bereich Forschung: Allein im Zeitraum 2017–2021 wurden mehr als 600 pharmazeutische Patentanmeldungen aus Bayern registriert. Damit liegt der Freistaat auf Platz 4 im Bundesländerranking.​

Was sind die größten Pharmaunternehmen in Bayern?

Zu den größten Pharmaunternehmen mit wichtigen Standorten in Bayern zählen vor allem international tätige Konzerne und große Mittelständler.

Große Konzerne mit Bayern-Standorten:

  • Novartis / Sandoz (Hexal), Holzkirchen
  • MSD Sharp & Dohme, Raum München​
  • GlaxoSmithKline (GSK) / Haleon, Raum München
  • Bristol Myers Squibb, mehrere Standorte​
  • Daiichi Sankyo, Pfaffenhofen

Große Mittelständler „made in Bayern“:

  • Hexal AG, Holzkirchen
  • Bionorica SE, Neumarkt i.d. OPf.
  • HERMES ARZNEIMITTEL / Hermes Pharma, Pullach

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Pharmaindustrie für Bayern?

Die Pharmaindustrie ist für Bayern eine Leitbranche: Sie schafft hochqualifizierte und krisenfeste Jobs, bietet hohe Wertschöpfung und ist stark im Export.

  • Beschäftigung und Wertschöpfung: In bayerischen Pharmaunternehmen arbeiten 2024 rund 35.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Bruttowertschöpfung der Branche liegt bei rund 5 Milliarden Euro pro Jahr und macht die Pharmaindustrie zu einer zentralen Säule des bayerischen Industriestandorts.
  • Produktion und Export: Die Produktionsleistung pharmazeutischer Erzeugnisse in Bayern hat sich zwischen 2010 und 2023 etwa verdoppelt. Die Arzneimittelexporte des Freistaats erreichten 2024 ein Volumen von rund 9,8 Milliarden Euro – gegenüber 2010 sogar annähernd eine Verdreifachung.
  • Forschung und Entwicklung: Rund 41.000 Menschen arbeiten in Bayern in der medizinischen Forschung, davon etwa 6.000 in der pharmazeutischen Industrie.

Welche Jobs bieten Pharmaunternehmen in Bayern?

Pharmaunternehmen in Bayern bieten ein breites Spektrum an Jobs – von Labor und Produktion über klinische Forschung bis hin zu Zulassung, IT, Vertrieb und Verwaltung.

Naturwissenschaftliche und medizinische Berufe

  • Forschung & Entwicklung: z.B. Pharmazeutinnen, Biologen, Chemiker, Biotechnologinnen, klinische Forscher, Medical Advisors
  • Laborberufe: u.a. Chemielaborant, Biologielaborantin, technische Assistentinnen (MTA, BTA)
  • Klinische Entwicklung & Pharmakovigilanz: z.B. Clinical Trial Manager, Clinical Research Associate, Drug-Safety-Manager

Produktion, Technik und Qualität

  • Industrielle Fertigung: Pharmakantin, Anlagenführer, Produktionsingenieurin, Produktionsleitung
  • Qualitätssicherung und ‑kontrolle: Qualitätsmanager, Qualified Person, GMP‑/GxP‑Expertinnen, QA-/QC‑Mitarbeitende
  • Technik & Supply Chain: Instandhaltung, Automatisierungstechnik, Supply‑Chain‑ und Logistikfunktionen

Regulierung, Markt und Vertrieb

  • Zulassung / Regulatory Affairs: Expertinnen für Arzneimittelrecht, Dossiers, Labeling und Behördenkommunikation
  • Market Access & Gesundheitssystem: Fachleute für Erstattung, Preisbildung, G-BA-/GKV‑Prozesse
  • Vertrieb & Marketing: Pharmareferenten, Key‑Account‑Manager, Produktmanagerinnen, Medical Science Liaisons

Ausbildung, Studium und Quereinstieg

  • Klassische Ausbildungsberufe: vor allem Pharmakantin, Chemielaborant, kaufmännische Berufe (Industrie‑, Bürokaufleute), technische Berufe
  • Hochschulabschlüsse: Pharmazie, Chemie, Biochemie, Biotechnologie, (Bio‑)Medizin, Gesundheitsökonomie, Informatik und Ingenieurwissenschaften sind besonders gefragt

Welche Hochschulen in Bayern bieten pharmazeutische Studiengänge an?

In Bayern bieten vier Universitäten klassische pharmazeutische Studiengänge (Staatsexamen Pharmazie) an.

  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Universität Regensburg

Zusätzlich gibt es in Bayern spezialisierte Studiengänge wie „Pharmaceutical Sciences“ (Bachelor/Master) an der LMU München oder Masterangebote mit pharmazeutischem Schwerpunkt (z.B. Medizinische Chemie in Regensburg).

Welche wichtigen gesundheitspolitischen Institutionen gibt es in Bayern?

In Bayern gibt es eine Reihe zentraler gesundheitspolitischer Akteure – von Ministerien über Fachbehörden bis zu Kammern und Verbänden. Im Kern geht es um Institutionen, die Gesundheitspolitik gestalten, den Öffentlichen Gesundheitsdienst organisieren und die Versorgung steuern.

Staatliche Ministerien und Behörden:

  • Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP)
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)
  • Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS)

Öffentlicher Gesundheitsdienst und Landesämter

  • Gesundheitsämter
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
  • Bayerisches Landesamt für Pflege

Selbstverwaltung und Kammern

Unter der Rechtsaufsicht des Gesundheitsministeriums stehen zentrale Körperschaften der Selbstverwaltung:​

  • Bayerische Landesärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB)
  • Bayerische Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
  • Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) und Bayerischer Apothekerverband (BAV)
  • Psychotherapeutenkammer, Tierärztekammer sowie weitere berufsständische Kammern

Gesundheitswirtschaftliche und pharmabezogene Plattformen

  • Bayerischer Pharmagipfel: Gemeinsame Dialogplattform der Staatsministerien für Gesundheit und für Wirtschaft
  • Pharmainitiative Bayern: Zusammenschluss forschender Pharmaunternehmen im Freistaat
  • Bündnis für Prävention / Masterplan Prävention: Netzwerk unter Federführung des Gesundheitsministeriums mit rund 150 Partnern (Kassen, Kammern, Kommunen, Hochschulen, Verbänden)

Patientinnen und Patientenbeteiligung und Beauftragte

  • Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung
  • Weitere Beauftragte, z.B. für Menschen mit Behinderung, Senioren, Ehrenamt) mit Schnittstellen zu Gesundheitsthemen

Mit welchen Partnern kooperieren Pharmaunternehmen in Bayern?

Pharmaunternehmen in Bayern arbeiten in dichten Netzwerken – mit Politik, Wissenschaft, Versorgungspartnern und anderen Branchen der Gesundheitswirtschaft:

  • Wirtschaft: Kooperation in Clustern zu Themen wie Biotechnologie, Medizintechnik und Digital Health, um gemeinsame Projekte von der Idee bis zum marktreifen Produkt voranzutreiben
  • Politik: Dialogformate und runde Tische gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerien für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie für Wirtschaft, z.B. Bayerischer Pharmagipfel
  • Verbände: Enge Abstimmung u.a. mit Pharmainitiative Bayern, Pharma Deutschland (Landesverband Bayern) oder vfa‑Vertretung vor Ort
  • Wissenschaft: Enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen (z.B. LMU, TU München, Würzburg, Erlangen‑Nürnberg, Regensburg) sowie Unikliniken bei Grundlagenforschung, klinischen Studien und Nachwuchsgewinnung

Zudem gibt es regelmäßigen Austausch mit Ärzteschaft, Kassenärztlicher Vereinigung, Apotheken, Krankenhäusern, Krankenkassen und Versicherern.

Welche Rolle nimmt Pharma Deutschland in der Pharmalandschaft Bayern ein?

Pharma Deutschland ist in Bayern die zentrale Stimme der industriellen Arzneimittelhersteller – mit einem eigenen Landesverband Bayern, der die Interessen von derzeit 85 bayerischen Mitgliedsfirmen bündelt und in die Landes- und Bundespolitik trägt. Mit dem 2024 gegründeten Landesverband hat Pharma Deutschland eine Plattform geschaffen, über die die spezifischen Anliegen der bayerischen Pharmaunternehmen gezielt adressiert werden. Pharma Deutschland ist enger Gesprächspartner der bayerischen Staatsregierung und bringt dort die Sicht der Hersteller zu Themen wie Lieferengpässen, Standortbedingungen, Digitalisierung oder Preis- und Erstattungspolitik ein.

Zeichenfläche 1