Wie zukunftsfähig ist der Pharmastandort Deutschland und welche Rahmenbedingungen braucht es für Innovation, Forschung und eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen House of Pharma-Tagung in Frankfurt am Main.
Einen Überblick über das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sowie die anstehenden strukturellen Reformen der Bundesregierung gab Thomas Müller, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit. Vertreterinnen und Vertreter der Pharmaindustrie machten dabei deutlich, dass die vorgesehenen Maßnahmen erhebliche Auswirkungen auf die Attraktivität des Pharmastandorts Deutschland haben könnten.
Pharma Deutschland war mit zahlreichen Mitgliedsunternehmen aus dem Landesverband Mitte vertreten. Für den Verband erläuterte Christian Hilmer, Geschäftsführer für den Rx-Markt, die Folgen geplanter Verträge für patentgeschützte Arzneimittel für Industrie und Patientenversorgung.
Seinen Impuls gab Hilmer im von AbbVie ausgerichteten Workshop „Rabattverträge für Patentarzneimittel: Risiken und Nebenwirkungen für Standort und Versorgung“. Im anschließenden Panel diskutierte er die Auswirkungen gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten. Die Moderation übernahm Wolfgang Reinert, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Mitte von Pharma Deutschland.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Verträge nach § 130e SGB V, die im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes etabliert werden sollen. Hilmer betonte, dass diese Regelungen aus Sicht von Pharma Deutschland keinen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung leisten. Stattdessen bestehe die Gefahr, dass künftig die Auswahl des eingesetzten Arzneimittels maßgeblich durch den jeweiligen Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen bestimmt werde.
Gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen müsse die Therapieentscheidung weiterhin in der Verantwortung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte liegen. Eine Einschränkung dieser Therapiefreiheit könne aus Sicht von Pharma Deutschland zu Ungleichheiten in der Versorgung führen, da privat Versicherte weiterhin von einer freien Arzneimittelwahl profitieren.
Auch für die pharmazeutische Industrie seien die geplanten Regelungen mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Zusätzlicher Preisdruck, bestehende Referenzpreissysteme und internationale wirtschaftliche Entwicklungen könnten dazu beitragen, dass innovative Arzneimittel künftig seltener in Deutschland verfügbar sind. Dies würde nicht nur den Standort schwächen, sondern auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten beeinträchtigen.
Abschließend richtete Christian Hilmer einen dringenden Appell an die Politik: Die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen müssten im Rahmen der Pharmastrategie erneut bewertet werden. Um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Forschungs- und Produktionsstandort zu erhalten und eine hochwertige Versorgung sicherzustellen, sei ein schnelles Nachsteuern erforderlich.