Die Bürgerinnen und Bürger bewerten laut Umfrage die politischen Maßnahmen zur Sicherung der Arzneimittelversorgung im ersten Halbjahr 2026 kritisch. Der Anteil der Befragten mit geringem Vertrauen ist in den letzten sechs Monaten auf 71,6 Prozent gestiegen. Damit äußern inzwischen nahezu drei Viertel der Bevölkerung Zweifel an der Wirksamkeit der Politik.
Nachdem sich dieser Wert im vergangenen Jahr noch erholt hatte – von 75,3 Prozent im Januar 2025 auf 68,8 Prozent zu Beginn 2026 – kehrte sich dieser Trend seit April sichtbar um. Ein deutlicher Ausschlag nach oben zeigt sich unmittelbar im Zuge der Vorstellung des geplanten GKV-Spargesetzes. Seitdem nimmt das Vertrauen deutlich ab. Insgesamt ist der Anteil der Befragten mit großem Vertrauen im Halbjahresverlauf von 24,1 Prozent zu Jahresbeginn auf aktuell 21,9 Prozent zurückgegangen.
Das Vertrauen in gesundheitspolitische Maßnahmen unterscheidet sich regional deutlich. In den westlichen Bundesländern verlaufen die Werte über das Halbjahr hinweg durchgehend auf einem kritisch hohen Niveau zwischen rund 67 und 72 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern zeigen sich dagegen spürbare Schwankungen zwischen rund 64 und 77 Prozent.
Diese Entwicklungen signalisieren, dass sich die Bevölkerung mit den gesundheitspolitischen Debatten auseinandersetzt und diese das Meinungsbild spürbar beeinflussen. Insbesondere sinkendes Vertrauen deutet darauf hin, dass politische Entscheidungen kritisch bewertet und breit diskutiert werden.
Besonders deutlich fallen diese regionalen Unterschiede in Bezug auf die persönliche Versorgung mit Medikamenten auf. In Westdeutschland nahmen die Sorgen seit April deutlich zu, überwogen aber nicht den Anteil derjenigen ohne Sorgen. In Ostdeutschland dagegen erreichte der Anteil derjenigen, die sich Sorgen machen im Mai ihren Höhepunkt und überwog erstmals den der Unbesorgten.
Besonders deutlich zeigen sich die Herausforderungen im Bereich der medizinischen Versorgung. Über das Halbjahr hinweg wird die hausärztliche Versorgung von konstant rund 40 bis 45 Prozent der Befragten als drängendstes Problem genannt. Auch die physische fachärztliche Versorgung und die psychische Gesundheitsversorgung gewinnen weiter an Bedeutung und liegen mit zuletzt 35,3 Prozent und 33,8 Prozent klar auf Platz zwei und drei.
In Westdeutschland stieg besonders die Sorge um die hausärztliche Versorgung im Zuge der Ankündigung des GKV-Spargesetzes deutlich an. In Ostdeutschland hingegen verzeichnete die Sorge um die Krankenhausversorgung zuletzt die deutlichste Zunahme.
Dagegen bleibt die Sorge um die Apothekenversorgung bundesweit auf niedrigem Niveau. Die aktuellen gesundheitspolitischen Debatten haben die positive Meinung zur Apothekenversorgung nicht beeinflusst.
Digitale Gesundheitsanwendungen werden von den Deutschen wenig genutzt. Seit ihrer Einführung im April 2025 hat die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePa) nur langsam zugenommen. Seit diesem Jahr hat sich der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer nur von gut 20 auf derzeit 23,5 Prozent erhöht. Videosprechstunden spielen mit einem Anteil von zuletzt 6,0 Prozent kaum eine Rolle. Gerade im Hinblick auf die kritische hausärztliche Versorgung liegt hier Potential zur Entlastung der Praxen und zur Reduzierung des Infektionsrisikos.
Die Verunsicherung bezüglich der persönlichen Arzneimittelversorgung bleibt ein zentrales Thema. Diese erreichte Anfang Mai ihren Höchststand und verharrt seitdem auf diesem hohen Niveau. Aktuell geben 40,4 Prozent an, sich Sorgen zu machen.
Der Anteil der Personen, die berichten, benötigte Medikamente in der Apotheke im letzten halben Jahr nicht erhalten zu haben, stieg zu Jahresbeginn stark an und erreichte Mitte Februar mit 48,8 Prozent einen Höchststand. Auch Mitte Mai lag der Wert mit 48,5 Prozent auf ähnlich hohem Niveau wie der Anteil derjenigen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben – ein klares Signal, dass strukturelle Ursachen weiterhin ungelöst sind.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen gewinnt die Selbstmedikation an Bedeutung für die persönliche Versorgung. Rezeptfreie Medikamente und Hausmittel werden über das halbe Jahr hinweg von deutlich über 40 Prozent der Befragten mindestens einmal im Monat genutzt – mit einem leichten Anstieg während der Grippesaison im Januar und Februar. Gleichzeitig stieg die Zahl derjenigen, die sie mehrmals die Woche nehmen, zuletzt auf 21,8 Prozent.