28.07.2026, 12:47 dpa

Tabletten per Fingertipp: Wie funktionieren Onlineapotheken?

Die Hausapotheke aufstocken oder ein Rezept einlösen, ohne das Haus zu verlassen? Onlineapotheken machen es möglich. Was man beachten sollte, wenn man dort Medikamente bestellen möchte.
  • Gesellschaft & Politik
Autor:innen
Deutsche Presseagentur (dpa)
Onlineshopping gehört zu unserem Alltag. Kaum noch Produkte sind davon ausgenommen. Auch Medikamente lassen sich im Netz kaufen, bei Onlineapotheken, auch Versandapotheken genannt.

Dort kann man sich frei verkäufliches Nasenspray genauso wie Blutdrucksenker auf Rezept ordern und nach Hause liefern lassen. Warum sich ein Preisvergleich lohnt, wie ein Rezept online eingereicht wird oder wem man Fragen zur richtigen Einnahme stellen kann: Zwei Expertinnen klären die wichtigsten Fragen zum Onlinekauf von Medikamenten. 

Welche Vor- und Nachteile haben Onlineapotheken? 

Auch wenn bequem von der Couch aus zu bestellen einfacher klingt, spricht manches dafür, in die Apotheke um die Ecke zu gehen. Wer krank mit einem Rezept vom Arzt kommt, erhält dort sofort das verschriebene Medikament, wenn es vorrätig ist. Wer - etwa als chronisch kranker Mensch - häufig Medikamente braucht, schätzt zudem oft den persönlichen Kontakt in seiner Stammapotheke.

«In der Apotheke vor Ort kann man außerdem zusätzliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen», sagt Sabine Wolter, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dazu gehören etwa eine Blutdruckmessung, ein Wechselwirkungs-Check oder Impfungen.

Onlineapotheken nutzen viele Menschen vor allem für nicht verschreibungspflichtige Medikamente, sagt die Verbraucherschützerin.

Während man bei Arznei auf Rezept dasselbe zuzahlen muss wie vor Ort, lässt sich bei frei Verkäuflichem durchaus online sparen. «Hier sind die Preisspielräume oft größer und die Medikamente können günstiger sein», sagt Sabine Wolter. 

Und wer Kopfschmerztabletten nicht für den Akutfall benötigt, sondern die Hausapotheke aufstocken will, kann gut ein paar Tage warten, bis das Medikament per Versand ankommt.

Wie finde ich ein gutes Angebot?

«Ein Vergleich zwischen verschiedenen Versandapotheken lohnt sich immer», sagt Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest. «Unsere Testungen haben gezeigt: Es gibt nicht die eine preiswerte Versandapotheke.» Jede Onlineapotheke habe teure und weniger teure Medikamente. Dazu kommt: Diese Preise wechseln auch immer mal.

«Wenn ich zum Beispiel das Schmerzmittel Ibuprofen 400 mg suche, dann sollte ich schauen, bei welcher Apotheke es gerade am günstigsten ist», sagt die Expertin. «Manchmal ist auch ein Medikament noch mal günstiger, wenn Sie eine Preissuchmaschine nutzen und sich von dort zur Versandapotheke weiterleiten lassen.» Auch die Vertriebswege innerhalb einer Onlineapotheke können preislich variieren: etwa über die App und auf der Webseite.

Achtung: mögliche Versandkosten nicht vergessen! Diese können von der Gesamthöhe der Bestellbeträge abhängen. Mehrere Produkte für eine Bestellung zu sammeln, kann also lohnen. Laut Katrin Andruschow versenden die meisten Onlineapotheken ihre Ware versandkostenfrei, wenn ein rezeptpflichtiges Medikament in der Bestellung enthalten ist.

Auch Onlineapotheken müssen persönlich beraten. Wie funktioniert das?

«Eine Versandapotheke hat immer eine "echte" Apotheke im Hintergrund», sagt Verbraucherschützerin Wolter. «Entsprechend müssen Sie Fachpersonal telefonisch erreichen können.» Daher müssen Onlineapotheken immer eine Telefonnummer für Kundennachfragen zu einer Bestellung angeben.

Ebenso kann es vorkommen, dass eine Onlineapotheke von sich aus bei Kunde oder Kundin anruft. «Wenn zum Beispiel jemand auffallend viele Packungen Schmerzmittel kauft, sollte eine Apotheke sich melden und nachfragen oder auch Hinweise zum Einnehmen geben», sagt Sabine Wolter. Wer bei einer Versandapotheke bestellt, muss immer zwingend auch die eigene Telefonnummer angeben.

Wer bei einer im Ausland ansässigen Onlineapotheke bestellt, sollte darauf achten, ob es eine Beratung auch in deutscher Sprache gibt und die Hotline kostenlos oder maximal zur Ortsgebühr erreichbar ist, heißt es von der Verbraucherzentrale.

Wie löst man ein Rezept bei einer Onlineapotheke ein?

Gesetzlich Versicherte können über ihre Gesundheitskarte E-Rezepte einlösen. Wollen sie das bei Onlineapotheken tun, kommt meist das sogenannt CardLink-Verfahren zum Einsatz, wenn die Versandapotheke es anbietet, sagt Verbraucherschützerin Wolter. 

Dafür brauchen Sie ein Handy mit NFC-Funktion sowie die App der entsprechenden Versandapotheke. «Dort müssen Sie sich in ein paar Schritten identifizieren und die Gesundheitskarte vor Ihr Handy halten.»

Auch über die elektronische Patientenakte oder die E-Rezept-App der Gematik kann man ein E-Rezept weiterleiten. «Hat man in der ePA die ganzen Anmeldeprozesse durchlaufen, gibt es eine Funktion "E-Rezept", über die man recht simpel das Rezept auch an eine Versandapotheke weiterleiten kann», sagt Sabine Wolter. Möglich ist auch, den E-Rezept-Code abzuscannen und an die Onlineapotheke zu übermitteln.

Wie in der Apotheke vor Ort gibt es auch bei Versandapotheken weiterhin die Möglichkeit, eine Papierversion des E-Rezepts abzugeben. Das muss dann per Post geschickt werden. 

Das ist übrigens auch der Weg, den privat Versicherte, wenn es noch kein E-Rezept gibt, wählen müssen. Sie sind verpflichtet, das originale Papierrezept einzureichen. Zum Teil bieten Versandapotheken dafür Freiumschläge an, die man sich herunterladen kann.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? 

Rechtlich gesehen sind Onlineapotheken laut Sabine Wolter von der Verbraucherzentrale wie auch Vor-Ort-Apotheken den strengen Datenschutzrichtlinien im Gesundheitswesen unterworfen. In den Apotheken selbst müssen die Daten sicher verwahrt und die Computer entsprechend gesichert sein. Beim Bestellprozess sollten Verbraucher und Verbraucherinnen zudem auf das «Schloss»-Symbol achten, das eine sichere Verbindung anzeigt, rät die Expertin.

Die Stiftung Warentest hat bei ihrem letzten Test 2022 zumindest den Basisschutz persönlicher Daten bei der Bestellung über die Webseite geprüft. «Wir haben damals keine großen Probleme gesehen beim Datensendeverhalten oder dem Erheben der Nutzerdaten», sagt Katrin Andruschow. 

Gilt auch bei Medikamenten das 14-tägige Widerrufsrecht?

Ja, bei Versandapotheken gelten die gleichen Regelungen wie bei jedem Onlineeinkauf. Das bestätigte erst Ende 2025 das Oberlandesgericht Oldenburg (Az. 6 UKl 1/25) nach einer Klage der Verbraucherzentrale Brandenburg gegen den Betreiber einer Versandapotheke.

Demnach können Verbraucher und Verbraucherinnen beim Onlinekauf von Medikamenten grundsätzlich von ihrem gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen und den Kauf rückabwickeln. Dieses Recht darf nicht pauschal ausgeschlossen werden.

Eine Ausnahme sei allerdings, wenn ein Produkt zum Beispiel entsiegelt sei, sagt Sabine Wolter. Wer also die Flasche mit dem Hustensaft schon geöffnet hat, darf diese nicht mehr umtauschen oder zurückgeben.

Zeichenfläche 1