Der Gesundheitsmonitor von Pharma Deutschland zeigt, dass das die Verfügbarkeit von Beratung und Therapie psychischer Leiden in den vergangenen zwölf Monaten aus Sicht der Bevölkerung, die am häufigsten genannte Herausforderung in der Gesundheitsinfrastruktur in Berlin war. Die meisten Parteien, die zur Abgeordnetenhauswahl antreten, beschäftigen sich mit dem Thema. Landespolitisch relevant sind vor allem Wartezeiten auf Psychotherapie, die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung, der Öffentliche Gesundheitsdienst (sozialpsychiatrische Dienste), Kinder- und Jugendpsychiatrie nach SGB V und SGB VIII, schulpsychologische Angebote, Krisendienste und die Schnittstelle zur Polizei. Im September 2025 sahen 36,2 Prozent der Befragten hier die größten Probleme. Bis April 2026 stieg dieser Wert auf 44,9 Prozent, bevor er zuletzt auf 36,4 Prozent zurückging. Damit belegt die psychische Gesundheitsversorgung aktuell den ersten Platz der wahrgenommenen Versorgungsprobleme knapp vor der hausärztlichen Versorgung.
*Grafik zeigt die Umfrageergebnisse für Berlin
Die Umfrageergebnisse zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Wahrnehmung der Versorgung. Anders als in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens wird die psychische Gesundheitsversorgung nicht positiver bewertet, je dichter eine Region besiedelt ist. Im Gegenteil: Der Anteil der Menschen, die hier Herausforderungen sehen, steigt von gut 30 Prozent in Gebieten mit niedriger Bevölkerungsdichte auf knapp 40 Prozent in sehr dicht besiedelten Regionen.
Ein dichtes Netz medizinischer Einrichtungen wird in der psychischen Gesundheitsversorgung damit nicht automatisch als bessere Versorgung wahrgenommen. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Angebote es gibt, sondern ob es tatsächlich Verfügbarkeiten gibt. Die Ergebnisse zeigen, dass ein dichtes Versorgungsangebot nicht automatisch dazu führt, dass Menschen einen unkomplizierten Zugang zu psychotherapeutischer oder psychiatrischer Hilfe erleben. Gerade in Großstädten stehen einer hohen Zahl zugelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten häufig ausgelastete Praxen und längere Wartezeiten gegenüber.
Mit dem vor der Sommerpause verabschiedeten Beitragssatzstabilisierungsgesetz sind auch Änderungen für die psychotherapeutische Versorgung vorgesehen. Geplant ist eine Neuregelung der Honorierung, durch die Psychotherapieleistungen künftig innerhalb eines gedeckelten Budgets vergütet werden sollen. Bislang konnten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über eine vorgeschriebene Mindestanzahl hinaus weitere Therapiestunden anbieten und abrechnen.
Ab 2027 soll nur noch ein festgelegtes Stundenkontingent vergütet werden. Die Pläne stießen auf einige Kritik vor allem in Bezug auf die wirtschaftliche Situation der Praxen und die Auswirkungen für Patientinnen und Patienten. Mögliche Folgen könnten längere Wartezeiten, geringere Behandlungskapazitäten sowie eine stärkere Verlagerung von Behandlungen in den stationären Bereich sein. Auch zusätzliche finanzielle Belastungen für Patientinnen und Patienten sind möglich, wenn Betroffene Therapiestunden verstärkt privat finanzieren. Von den geplanten Änderungen ausgenommen ist die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.
Berlin hat rund 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit das am dichtesten besiedelte Bundesland Deutschlands. Die aktuelle Landesregierung besteht aus CDU und SPD, Regierender Bürgermeister ist Kai Wegner (CDU). Pharma Deutschland informiert im Rahmen seines Gesundheitsmonitors fortlaufend über die gesundheitspolitische Stimmungslage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September.