17.09.2026, 15:02

Mangelnder Schutz für junge Risikogruppen: STIKO-Daten zeigen besorgniserregend niedrige Grippe-Impfquoten bei chronisch kranken Kindern

Nur jedes zehnte chronisch kranke Kind ist gegen Grippe geimpft. Die STIKO sieht dringenden Handlungsbedarf.
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Autor:innen
Dr. Nicole Armbrüster, 
Dr. Elmar Kroth
Eine aktuelle Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Epidemiologischen Bulletin 38/2026 legt erhebliche Lücken in der Gesundheitsvorsorge offen: Nur rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen mit schweren chronischen Grunderkrankungen wurden in der vergangenen Saison gegen Influenza geimpft. Angesichts drohender schwerer Krankheitsverläufe mahnt die Ständige Impfkommission (STIKO) dringenden Handlungsbedarf bei Ärzteschaft und Eltern an und verweist auf effektive Impfstoffoptionen – einschließlich nasaler Lebendimpfstoffe.

Erste umfassende Datenbasis zu einer vulnerablen Zielgruppe

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung traditionell nicht nur für Senioren, sondern explizit auch für Kinder und Jugendliche, die durch eine chronische Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe tragen. Im gerade erschienenen Epidemiologischen Bulletin (Ausgabe 38/2026) hat das RKI nun erstmals eine fundierte, bundesweite Analyse dieser sogenannten Indikationsimpfquoten vorgelegt. Die Daten basieren auf der retrospektiven Auswertung von kassenärztlichen Abrechnungsdaten des RKI-Impfquotenmonitorings.

Die Ergebnisse: Erheblicher Nachholbedarf bei der Impfabdeckung

Die statistischen Erkenntnisse der Auswertung für die Influenza-Saison 2024/25 sind aus medizinischer Sicht alarmierend. Trotz der klaren Empfehlung und der vollen Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen verbleibt die Impfbereitschaft auf einem historisch niedrigen Niveau:

  • Niedrige Gesamtquote: Bundesweit waren im Schnitt lediglich rund 10 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit einer impfrelevanten Grunderkrankung gegen Grippe geschützt.
  • Altersgefälle: Besonders niedrig fiel die Quote bei den älteren Jugendlichen aus. In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen sank der Anteil der Geimpften auf lediglich 9 %.
  • Regionale Unterschiede: Auch im Ländervergleich zeigen sich deutliche Unterschiede. Während einige Bundesländer Impfquoten im Bereich von 8% erreichten, bildeten Sachsen und Sachsen-Anhalt mit Spitzenwerten von bis zu 16 % die regionalen Ausnahmen – verbleiben damit aber ebenfalls weit hinter den epidemiologischen Zielvorgaben.

Anforderungen an die Vakzine und Applikationsformen

Um die Impfakzeptanz in der Praxis zu erhöhen, erinnert die STIKO in ihrer Stellungnahme an die Vielfalt der zur Verfügung stehenden, modernen Pharmazeutika. Für die Immunisierung stehen primär zwei technologische Säulen bereit, die den aktuellen Antigen-Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprechen:

  1. Inaktivierte Standard-Impfstoffe: Hierbei handelt es sich um die klassischen, injizierbaren Totimpfstoffe. Diese können wahlweise auf Ei-Basis oder als moderne, zellbasierte Vakzine verabreicht werden.
  2. Nasale Lebendimpfstoffe (LAIV): Für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren hebt die STIKO explizit den attenuierten (abgeschwächten) Influenza-Lebendimpfstoff hervor. Da dieser schmerzfrei als Nasenspray verabreicht wird, stellt er eine pharmakologische Schlüsseloption dar, um bestehende Spritzenphobien bei jungen Patienten zu umgehen und die Quoten zu steigern.

Medizinische Relevanz und Ausblick auf digitales Monitoring

Das primäre therapeutische Ziel der Influenza-Impfung bei Risikogruppen ist nicht zwingend die vollständige Unterdrückung jeder milden Infektion, sondern die Vermeidung schwerer, lebensbedrohlicher Verläufe. Eine Influenza-Erkrankung bei asthmatischen, herzkranken oder immungeschwächten Kindern führt statistisch hochfrequent zu Hospitalisierungen, intensivmedizinischer Betreuung oder im schlimmsten Fall zum Tod.

Um den Erfolg künftiger Aufklärungskampagnen im Pharmasektor und in den Arztpraxen engmaschiger zu überwachen, kündigt das RKI eine Digitalisierungsoffensive an: Ab Dezember 2026 werden die Daten zu den Indikationsimpfungen dauerhaft in das interaktive RKI-Impfdashboard „VacMap" integriert. Dies soll eine kontinuierliche, transparente Nachverfolgung der Impftrends in Deutschland ermöglichen.

Weitere Informationen sind auf der Webseite des RKI unter www.rki.de abrufbar.

 

Ihr Kontakt

Dr. Nicole Armbrüster

Referentin Spezielle Produktgruppen / Nahrungsergänzungsmittel / Kinderarzneimittel
Biologin
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