Das Europäische Parlament hat sich für eine stärkere europäische Strategie zur Prävention und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgesprochen. Der Bericht mit den Forderungen wurde mit 545 Stimmen bei 47 Gegenstimmen und 75 Enthaltungen angenommen und stellt die parlamentarische Reaktion auf den Ende 2025 von der Europäischen Kommission vorgelegten „Safe Hearts Plan“ dar.
Im Mittelpunkt der Forderungen steht eine stärkere Prävention. Das Parlament spricht sich für einen horizontalen europäischen Präventionsansatz aus, der gemeinsame Risikofaktoren großer nichtübertragbarer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und Adipositas adressiert. Vorgeschlagen werden unter anderem weitere Maßnahmen zur Tabakkontrolle, eine verbesserte Kennzeichnung von Lebensmitteln und alkoholischen Getränken sowie eine EU-weite Definition für „hochverarbeitete Lebensmittel“.
Neben der Primärprävention setzt das Parlament einen Schwerpunkt auf Früherkennung und Versorgung. Die Abgeordneten unterstützen die Einführung von Herz-Kreislauf-Gesundheitschecks insbesondere für Menschen mit Risikofaktoren oder entsprechender familiärer Vorbelastung. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollen zudem einen zeitnahen und bezahlbaren Zugang zu hochwertiger Behandlung und Versorgung erhalten. Gleichzeitig sollen gesundheitliche Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten reduziert werden.
Auch die Arzneimittelversorgung ist Bestandteil der Forderungen des Parlaments. Die Abgeordneten betonen, dass ein kontinuierlicher Zugang zu sicheren, wirksamen und erschwinglichen Arzneimitteln für die Behandlung und Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gewährleistet werden müsse. Auf EU-Ebene sollen Maßnahmen zur Verbesserung von Erschwinglichkeit, Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit unterstützt werden; ausdrücklich verweist das Parlament dabei auch auf den Critical Medicines Act.
Zugleich fordert das Parlament, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in der Versorgung zu berücksichtigen, hochwertige innovative Behandlungsmethoden in nationale Gesundheitsstrategien aufzunehmen und den Zugang zu diesen Therapien zu verbessern. Auch die Therapieadhärenz erhält einen hohen Stellenwert: Für die Sekundärprävention sollen unter anderem die regelmäßige Arzneimitteleinnahme, ein strukturiertes Risikofaktorenmanagement und die klinische Nachsorge sichergestellt werden.
Hintergrund: Der „Safe Hearts Plan“ der Kommission ist die erste umfassende EU-Initiative zur Herz-Kreislauf-Gesundheit. Er umfasst Maßnahmen entlang des gesamten Versorgungspfads – von Prävention und Früherkennung über Behandlung und Rehabilitation bis hin zu Forschung, Innovation und dem Einsatz digitaler Technologien. Vorgesehen sind unter anderem ein EU-Protokoll für Herz-Kreislauf-Gesundheitschecks, Empfehlungen zur personalisierten Behandlung und Überwachung sowie ein Forschungs- und Innovationsfahrplan.
In Deutschland hatte in der vergangenen Legislaturperiode die damalige Bundesregierung mit dem Entwurf eines Gesundes-Herz-Gesetzes unter anderem zusätzliche Herz-Kreislauf-Check-ups und Maßnahmen zur Früherkennung von Risikofaktoren vorgeschlagen. Das Gesetzgebungsverfahren wurde jedoch vor dem Ende der Wahlperiode nicht abgeschlossen; das Gesetz trat nicht in Kraft. Die aktuelle Bundesregierung hat im Juli 2026 eine neue Präventionsoffensive gestartet und plant, das das Präventionsgesetz zu novellieren. Eine spezifische Position der Bundesregierung zu einzelnen Forderungen des „Safe Hearts Plan“ liegt bislang nicht vor.