17.09.2026, 12:01

EU-Parlament fordert stärkeren Fokus auf Frauengesundheit

Mehr geschlechtersensible Forschung, bessere Repräsentanz in klinischen Studien und gezielte Investitionen in Frauengesundheit gefordert.
  • Gesellschaft & Politik
Autor:innen
Anna Wehage
Das Europäische Parlament fordert stärkere EU-Maßnahmen zur Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede in Forschung und Gesundheitsversorgung. Im Fokus stehen unter anderem eine bessere Repräsentanz von Frauen in klinischen Studien, geschlechtsspezifische Gesundheitsdaten und eine stärkere Erforschung bislang unterversorgter Erkrankungen. Gleichzeitig sollen medizinische Innovationen und Investitionen gefördert und unnötige regulatorische Belastungen reduziert werden.

Das Europäische Parlament hat eine Entschließung zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im Gesundheitsbereich am 16. September 2026 angenommen. Die Abgeordneten sprechen sich für einen umfassenden europäischen Ansatz aus, der die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen über alle Lebensphasen hinweg stärker in Forschung, Prävention, Diagnose und Behandlung berücksichtigt. Der Bericht wurde mit 390 Stimmen bei 218 Gegenstimmen und 29 Enthaltungen angenommen.

Forschung und klinische Studien

Einen Schwerpunkt legt das Parlament auf die medizinische Forschung und Arzneimittelentwicklung. Nach Auffassung der Abgeordneten müssen Frauen über den gesamten Forschungszyklus hinweg angemessen berücksichtigt werden. Dies betrifft insbesondere ihre Repräsentanz in klinischen Studien sowie die Erhebung und Auswertung geschlechts- und genderspezifisch aufgeschlüsselter Daten. Auch schwangere und stillende Frauen sollen stärker in die klinische Forschung einbezogen werden. EU-geförderte Forschungsprojekte sollen entsprechende Daten systematischer erfassen.

Innovation und Investitionen

Das Parlament verbindet die gesundheitspolitischen Forderungen ausdrücklich mit der europäischen Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Gefordert werden Rahmenbedingungen, die medizinische Innovationen, Investitionen und Wachstum unterstützen. Gleichzeitig sollen unnötige regulatorische Belastungen für Gesundheitsunternehmen, Forschende und die Entwicklung neuer Behandlungen reduziert werden. Die Kommission soll zudem konkrete Maßnahmen für EU-Finanzierungen sowie Anreize für öffentliche und private Investitionen insbesondere in die Erforschung und Behandlung geschlechtsspezifischer Gesundheitsprobleme entwickeln.

Versorgung und Frauengesundheit

Handlungsbedarf sieht das Parlament unter anderem bei Erkrankungen und Gesundheitsproblemen, die bislang unzureichend erforscht oder diagnostiziert werden. Genannt werden Endometriose, Beschwerden in der Menopause, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Migräne, Infertilität, Osteoporose, Diabetes und psychische Erkrankungen. Geschlechtsspezifische Unterschiede sollen stärker bei Diagnose und Behandlung sowie in der Ausbildung von Gesundheitsberufen berücksichtigt werden.

Gesundheitsdaten und KI

Auch beim Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) fordert das Parlament eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte. Zugleich weisen die Abgeordneten darauf hin, dass Anwendungen künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen bestehende Verzerrungen in Daten und Versorgung reproduzieren oder verstärken können. Eine bessere Datenbasis soll deshalb sowohl die Forschung als auch eine stärker auf unterschiedliche Patientengruppen zugeschnittene Versorgung unterstützen.

Die Kommission wird schließlich aufgefordert, klare, öffentliche und messbare Ziele zur Verringerung geschlechtsspezifischer Gesundheitsunterschiede zu entwickeln und diese auch im Rahmen einer umfassenden EU-Strategie für Frauengesundheit zu berücksichtigen. Die EU-Gleichstellungsstrategie 2026–2030 soll durch entsprechende politische und haushaltspolitische Maßnahmen sowie gezielte Investitionen in Frauengesundheit und geschlechtsspezifische Erkrankungen ergänzt werden.

Den angenommenen Text finden Sie hier.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und ihre Partner im European Medicines Regulatory Network (EMRN) befassen sich verstärkt mit dem Thema Frauengesundheit. In einem gemeinsamen Workshop am 28. und 29. September werden Perspektiven von Patientinnen und Patienten, Gesundheitsberufen, Wissenschaft, Industrie und internationalen Partnern zusammengeführt und der Beitrag des europäischen Arzneimittelnetzwerks zur Weiterentwicklung der Frauengesundheit diskutiert. Weitere Informationen zum Workshop finden Sie hier. 

Ihr Kontakt

Anna Wehage

Referentin nationale und europäische Gesetzgebung / Internationales / Fälschungsschutz
Zeichenfläche 1