Registerdaten in der Zulassung und im AMNOG-Prozess

Die Herstellerverbände BAH, BIO Deutschland, BPI, Pro Generika und vfa haben am 28. Juni 2017 eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema „Registerdaten in der Zulassung und im AMNOG-Prozess“ im historischen Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin ausgerichtet.
Datum: 28.06.2017
Ort: Kaiserin-Friedrich-Haus
Adresse: Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin

In der gut besuchten Veranstaltung hielten Dr. Jan Müller-Berghaus vom Paul-Ehrlich-Institut, zugleich Kooptiertes Mitglied des Ausschusses für Humanarzneimittel der EMA (CHMP), Prof. Dr. Angela Zink, Studienleiterin des RABBIT-Register am Deutschen Rheuma-For-schungszentrum Berlin, Prof. Dr. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und Dr. Florian Jantschak, Referent beim Gemeinsamen Bundesausschuss, Vorträge zu der Bedeutung und den Chancen von Registern in ihrem Arbeitsgebiet. Durch die Veranstaltung führte Helmut Laschet, Ressortleiter Gesundheitspolitik der Ärzte Zeitung.

Der erste Vortragende, Herr Dr. Müller-Berghaus vom PEI, stellte heraus, dass Register in der Zulassung in der Regel Sicherheitsaspekten dienen. Sie kommen primär bei seltenen Erkrankungen, Zulassungen unter außergewöhnlichen Umständen und sehr innovativen neuen Substanzen zum Einsatz. Für die Zulassungsbehörden ist es schwierig, einen Überblick über existierende Register zu bekommen, da es kein zentrales oder gar supranationales Verzeichnis gibt. Auch die Abstimmung zwischen Registerbetreibern und den Zulassern ist verbesserungswürdig, damit mehr für die Zulassung relevante Daten erhoben werden.

Frau Prof. Dr. Zink vom DRFZ stellte das Register RABBIT (Rheumatoide Arthritis: Beobachtung der Biologika-Therapie) als Best-Practice-Lösung vor. Es handelt sich um eine 2001 initiierte prospektive Kohortenstudie, die die Therapie rheumatischer Erkrankungen mit Biologika erfasst, mit einer Kontrollgruppe von Patienten unter cs-DMARD-Therapie. Die Beobachtungszeit je Patient beträgt mindestens 5 Jahre. Dies dient der Sammlung verlässlicher Daten und ermöglicht zudem Langzeitanalysen. RABBIT wird vollständig von den Herstellern der Biologika finanziert. Die Mitarbeiter des Registers haben volle akademische Freiheit. Das Register hat sich europaweit etabliert und arbeitet eng mit anderen europäi-schen Rheumaregistern zusammen. So konnte gezeigt werden, dass das anfangs gefürchtete Tumorrisiko durch die Biologikatherapie nicht ansteigt, es zeigt sich jedoch (erwartungsgemäß) ein erhöhtes Infektionsrisiko. Das Register erfasst viele Parameter, auch Lebensqualität. Die Qualität der Daten wird auch von der EMA geschätzt, so dass die Mitarbeit am Register zur Zulassungsauflage gemacht wird. Aus ihrer Sicht sind Indikationsregister wich-tig, Register zu Einzelsubstanzen haben wenig Aussagekraft.

Die Sicht der behandelnden Ärzte wird von Herrn Prof. Dr. Bernhard Wörmann von der DGHO eingenommen. Auch wenn Ärzte klinische Studien als primäre Evidenzquelle sehen, ist er Registern gegenüber aufgeschlossen. Studienergebnisse in der Onkologie werden zunehmend durch starkes Cross-Over verwässert, so dass es bei dem rasanten Therapiefortschritt alternativer Evidenzquellen bedarf. Er stellt ReVOn (Register für Versorgungsforschung in der Onkologie) vor, ein neues Register zur Erfassung von Daten bei Prostatakarzinom, Mammakarzinom und Multiplem Myelom. Es wurde von DGHO und AKdÄ initiiert und wird im Rahmen des Innovationsfonds gefördert und soll neben klinischen auch Lebensqualitätsdaten erfassen. Bestehende Krebsregister sind epidemiologischer Natur und können daher nur wenig Daten für die Nutzenbewertung liefern.

Herr Dr. Florian Jantschak stellt die Position des G-BA dar. Für diesen sind andere Quellen als RCT nur in Ausnahmefällen wie dramatischen Effekten, die nicht durch Confounder verursacht sein können, akzeptabel. Register sind für ihn nur sinnvoll, wenn sie vergleichend mehrere Therapiealternativen erfassen. Sie könnten bei neuen Arzneimitteln mit beschleunigter Zulassung die Wissenslücke zwischen der Evidenz auf Basis einarmiger Phase-II-Studien und dem späteren Vorliegen von Phase-III-Daten überbrücken. Auch muss die Abstimmung zwischen EMA und HTA-Agenturen zu Erfordernis und Umfang von Post-Marketing-Daten verbessert werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben den Sprechern auch Herr Dr. Markus Frick vom vfa und Frau Wilma Erhardt von Janssen-Cilag für die Industrie teil. Hier wurden offene Fragen wie die Finanzierung, das Besitzrecht an den mittels Registern generierten Daten und deren Nutzung angesprochen. Die Transparenz zu bestehenden Registern muss verbessert werden. Es wurde deutlich, dass Register nicht innerhalb kurzer Zeit valide Daten liefern können, sondern lange Beobachtungszeiten benötigen. Zulassung und vor allem Träger von Erstattungsentscheidungen wie der G-BA sind aber an schnellen Daten interessiert. Auch die Möglichkeit, Registerdaten zu generieren, darf nicht überschätzt werden. Studien sind oft nicht machbar, weil nicht ausreichend Patienten rekrutiert werden können, oder ethische Gründe dagegensprechen. Auch Register leben von der Teilnahme der Ärzte. Den einzigartigen Erfolg von RABBIT führt Frau Prof. Dr. Zink auf den unmittelbaren Nutzen für die eigene Arbeit, die Rheumatologen aus der Teilnahme an dem Register ziehen (Studien, Datenanalysen, Benchmarks auf Arztebene).

Die Präsentationen der Veranstaltung finden Sie in der rechten Spalte.

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