Pharmalogistik umfasst alle Prozesse, die notwendig sind, um Medikamente sicher vom Hersteller zum Patienten zu bringen. Das schließt Transport per LKW und Flugzeug, die Lagerung in verschiedenen Temperaturbereichen, die Kühlkettenüberwachung, lückenlose Dokumentation sowie die „letzte Meile" zum Großhändler, zur Apotheke, zur Klinik oder zum Arzt ein. Anders als bei gewöhnlichen Paketen handelt es sich um hochsensible, streng regulierte Abläufe.

Welche wirtschaftliche Dimension hat die Pharmalogistik in Deutschland?

Deutschland ist der größte Pharmamarkt Europas: Mit einem Jahresumsatz von rund 67,8 Mrd. Euro (2025) und über 104.000 verkehrsfähigen Arzneimitteln nimmt Deutschland etwa 22% des europäischen Pharmamarkt-Umsatzes ein. In diesem Markt fungiert die Pharmalogistik als unverzichtbares Bindeglied. Hochspezialisierte Pharmalogistik-Unternehmen mit tausenden von Arbeitsplätzen in Logistikzentren sorgen dafür, dass die rund 843 Millionen im ersten Halbjahr 2025 abgegebenen Arzneimittelpackungen zuverlässig ihren Weg finden.

Welche Unternehmen bilden die Infrastruktur der Pharmalogistik und sorgen hauptsächlich dafür, dass Medikamente ankommen?

Die Pharmalogistik in Deutschland besteht aus drei sich ergänzenden Säulen: dem Pre-Wholesale, dem pharmazeutischen Großhandel und den spezialisierten Transportdienstleistern.

Der Pre-Wholesale, also der vorgelagerte Großhandel, ist eine deutsche Besonderheit: Spezialisierte Pharmalogistiker übernehmen in großem Umfang Lagerung, Pick-&-Pack-Prozesse und die Übergabe an Transportdienstleister. Für alle relevanten Temperaturbereiche und Produktarten stehen umfangreiche Kapazitäten zur Verfügung, sodass pharmazeutische Hersteller große Produktionsmengen direkt dort einlagern und auf eigene, kostenintensive Lagerstrukturen weitgehend verzichten können.

  • Med-X-Press (Goslar): Inhabergeführter, GDP/GMP-zertifizierter Outsourcing-Partner (GMP: Good Manufacturing Practices / GDP: Good Distribution Practices) für Healthcare- und Pharmalogistik mit Schwerpunkten in Kühlkette, Betäubungsmittel-Handling und Serialisierung; zugleich Gesellschafter von Eurotranspharma Deutschland für aktiv temperaturgeführte Arzneimitteltransporte.
  • SK Pharma Logistics (Bielefeld): Mittelständischer, GDP/GMP-zertifizierter Logistikdienstleister für die pharmazeutische Industrie mit Leistungen von Lagerung und Konfektionierung bis zu temperaturgeführter Distribution und Betäubunsmittel-Logistik; unterstützt Pharmaunternehmen als langfristiger Outsourcing-Partner entlang der Lieferkette.
  • NextPharma (u. a. Göttingen): International aufgestellter, GDP/GMP-zertifizierter Auftragsentwickler und -hersteller (CDMO) mit mehreren Standorten in Europa; bietet von der pharmazeutischen Entwicklung über die Herstellung bis zur Verpackung ein breites Spektrum an Services, darunter feste Arzneiformen und klinische Verpackung in Göttingen.

Der vollversorgende Großhandel ist das Rückgrat der täglichen Versorgung: Er beliefert nahezu alle Apotheken und Kliniken in Deutschland – meist mehrfach täglich – und übernimmt dabei Lagerung, Kommissionierung und Transport in einem integrierten System. Drei Unternehmen wichtigsten Unternehmen in diesen Markt:

  • ​PHOENIX Pharmahandel (Mannheim): Marktführer mit rund 27% Marktanteil, europaweit in 29 Ländern aktiv
  • ​Noweda (Essen): Apothekergenossenschaft in Apothekerhand, bundesweit flächendeckend tätig
  • ​Sanacorp (Planegg): Ebenfalls eine Apothekergenossenschaft – beide Genossenschaften sichern die Unabhängigkeit der inhabergeführten Apotheke

Die spezialisierten Transportdienstleister übernehmen hingegen aktiv temperaturgeführte Transporte für Pharmahersteller direkt – national und international, oft für besonders sensible Produkte wie Biologika, Impfstoffe oder Betäubungsmittel. Die wichtigsten Akteure:

  • Trans-o-flex (Weinheim): Marktführer im spezialisierten Pharmatransport mit bundesweitem Netz GDP-zertifizierter Kühlläger
  • ​Eurotranspharma Germany (Teil der französischen Walden Group): Europaweit aktiver Spezialist für aktiv temperaturgeführte Pharmalogistik

​Der entscheidende Unterschied: Während der Großhandel im B2C-nahen Bereich die Endversorgung von Apotheken sicherstellt, agieren die spezialisierten Dienstleister im B2B-Bereich als verlängerter Arm der Hersteller entlang der vorgelagerten Lieferkette. Beide Säulen zusammen machen die lückenlose Versorgung der Bevölkerung erst möglich.

Welche Rolle spielen die Mitgliedsunternehmen von Pharma Deutschland in der Lieferkette?

Die rund 700 in Deutschland registrierten Pharmaunternehmen – darunter viele Mitglieder von Pharma Deutschland – sind der Ausgangspunkt jeder Lieferkette. Sie sind nicht nur Hersteller, sondern tragen auch Verantwortung für die ordnungsgemäße Übergabe ihrer Produkte an zertifizierte Logistikdienstleister und Großhändler. Gerade für Generika- und OTC-Hersteller, die das Kerngeschäft von Pharma Deutschland prägen, ist eine funktionierende und kosteneffiziente Logistikinfrastruktur ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Wie wird sichergestellt, dass Arzneimittel auf dem Weg zum Patienten sicher und wirksam bleiben?

Jede Stufe der Lieferkette unterliegt strengen gesetzlichen Anforderungen: Die EU-Leitlinie zur „Good Distribution Practice" (GDP), das Arzneimittelgesetz sowie umfassende Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitspflichten bilden den rechtlichen Rahmen. Besonders anspruchsvoll ist die Kühlkette: Bereits heute müssen schätzungsweise 20 % aller Medikamente durchgehend bei 2–8 °C transportiert und gelagert werden – eine Zahl, die mit wachsender Bedeutung von Biotech-Produkten und Biologika weiter steigt. Scheitert die Kühlkette, verliert ein Medikament seine Wirksamkeit – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen für Patienten.

Warum kommt es trotz professioneller Logistik immer wieder zu Lieferengpässen?

Lieferengpässe sind kein Logistikversagen, sondern das Ergebnis struktureller Probleme weiter oben in der Wertschöpfungskette. Im April 2025 waren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über 500 aktive Lieferengpassmeldungen registriert – verursacht durch Produktionsprobleme, erhöhte Nachfrage oder Ausfälle bei Wirkstoffherstellern, die oft in Asien ansässig sind. Im Herbst 2025 waren dauerhaft über 550 Arzneimittel knapp, darunter lebenswichtige Mittel wie Asthma-Sprays, ADHS-Medikamente und Antibiotika. Die Pharmalogistik kann Engpässe abfedern, aber nicht erzeugen, was nicht produziert wurde – deshalb plädiert Pharma Deutschland für eine stärkere Resilienz der gesamten Lieferkette, inklusive Rückverlagerung von Wirkstoffproduktion nach Europa.

Wie kann Digitalisierung die Pharmalogistik stärken und Engpässe reduzieren?

Digitale Technologien sind ein Schlüssel zu mehr Versorgungssicherheit: Über vernetzte Lieferketten lassen sich drohende Unterbrechungen frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Echtzeit-Temperatursensoren, KI-gestützte Bestandsprognosen und digitale Bestellprozesse – wie etwa die standardisierte MSV3-Schnittstelle für Apotheken – erhöhen die Transparenz entlang der gesamten Kette. Pharma Deutschland setzt sich dafür ein, dass regulatorische Rahmenbedingungen diese Innovationen aktiv ermöglichen, statt sie durch bürokratische Hürden zu verlangsamen.

Was muss politisch geschehen, damit die Pharmalogistik auch in Zukunft die Versorgung sichert?

Die Versorgungssicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und sie beginnt mit den richtigen politischen Weichenstellungen. Im März 2025 legte die EU-Kommission einen Rechtsakt zu kritischen Arzneimitteln vor, der auf eine stärkere europäische Produktionsbasis zielt. Auf nationaler Ebene hat der Pharmadialog 2026 Pläne gegen Lieferengpässe konkretisiert. Pharma Deutschland fordert: verlässliche Erstattungspreise, die kostendeckende Produktion in Europa ermöglichen; schnellere Zulassungsverfahren; sowie Investitionsanreize für eine resiliente, digital vernetzte Logistikinfrastruktur – damit die unsichtbare Infrastruktur des Gesundheitssystems auch unter Druck zuverlässig funktioniert.

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