Von regionalen Unterschieden in der Nutzung rezeptfreier Medikamente bis hin zu Vertrauensfragen: der Pharma Deutschland Gesundheitsmonitor zeigt, wie Deutschland Selbstmedikation wahr nimmt und nutzt. Erfahren Sie mehr über Eigenverantwortung und Gesundheitskompetenz.

Selbstmedikation im Fokus: Wie Menschen rezeptfreie Arzneimittel nutzen

(September 2026) - Wie entscheiden Menschen beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel? Wo kaufen sie diese und welche Rolle spielen persönliche Beratung, Vertrauen und Gesundheitsangebote in der Apotheke? Eine repräsentative Civey-Befragung im Auftrag von Pharma Deutschland gibt Einblicke in Einstellungen und Verhalten rund um die Selbstmedikation.

Eigene Erfahrungen und fachliche Beratung prägen die Kaufentscheidung

Beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel spielt die eigene Erfahrung die größte Rolle: 48,7 Prozent der Befragten nennen sie als Einflussfaktor. Dahinter folgen die Beratung in der Apotheke mit 38,8 Prozent und ärztliche Empfehlungen mit 35,4 Prozent. Der Preis ist für 28 Prozent relevant. Empfehlungen von Familie oder Freunden, Online-Kundenbewertungen, Werbung und Influencer-Empfehlungen spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Damit zeigt die Umfrage, wie wichtig persönliche Erfahrungen und fachliche Orientierung für die Selbstmedikation sind.

Die Vor-Ort-Apotheke ist der wichtigste Kaufort für rezeptfreie Arzneimittel

Knapp die Hälfte der Befragten, 49,3 Prozent, kauft rezeptfreie Arzneimittel bevorzugt in einer Apotheke vor Ort. 26 Prozent bevorzugen eine Versandapotheke im Internet. Andere Online-Marktplätze und Drogeriemärkte liegen deutlich dahinter. Die Vor-Ort-Apotheke nimmt damit beim Kauf von OTC-Arzneimitteln weiterhin eine zentrale Stellung ein.

Bei Gesundheitsprodukten liegt der Drogeriemarkt vorn

Ein anderes Bild zeigt sich bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten wie Vitaminen oder Nahrungsergänzungsmitteln. 27,1 Prozent der Befragten bevorzugen dafür den Drogeriemarkt. Die Vor-Ort-Apotheke wird von 16 Prozent genannt, die Online-Versandapotheke von 17,1 Prozent. Weitere 12,3 Prozent bevorzugen Online-Marktplätze. Damit unterscheidet sich das Einkaufsverhalten bei allgemeinen Gesundheitsprodukten deutlich vom Kauf rezeptfreier Arzneimittel.

Für die Mehrheit ist persönliche Beratung beim Arzneimittelkauf wichtig

51,6 Prozent der Befragten bewerten die persönliche Beratung beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel als wichtig. 43,6 Prozent halten sie für weniger oder gar nicht wichtig. Die Auswertung nach Altersgruppen zeigt zudem Unterschiede in der Bedeutung, die der Beratung beigemessen wird.

Persönliche Beratung in der Apotheke ist klarer Favorit

Wenn Beratung gewünscht wird, steht das persönliche Gespräch in der Apotheke deutlich an erster Stelle: 47,5 Prozent bevorzugen die Beratung vor Ort am Verkaufstresen. Digitale Beratungsangebote werden wesentlich seltener genannt. Gleichzeitig geben 33 Prozent an, beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel keine Beratung zu benötigen. 

Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Risiken stehen im Mittelpunkt

Beim Informationsbedarf zu rezeptfreien Arzneimitteln steht die sichere Anwendung im Vordergrund. 37,3 Prozent wünschen sich Informationen zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. 32 Prozent interessieren sich für Nebenwirkungen und Risiken, 26,7 Prozent für die Wirkungsweise im Körper. Weitere Informationswünsche betreffen unter anderem den richtigen Einnahmezeitpunkt, die Dauer der Anwendung sowie Anwendung und Dosierung.

Viele investieren monatlich bis zu 30 Euro in ihre Gesunderhaltung

Bei rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Gesunderhaltung konzentrieren sich die monatlichen Ausgaben vor allem auf die unteren Preissegmente. 25,6 Prozent der Befragten geben bis zu 10 Euro und 27 Prozent zwischen 11 und 30 Euro im Monat aus. Deutlich kleinere Anteile investieren höhere Beträge.

Auch bei akuten Beschwerden liegen die Ausgaben meist unter 30 Euro

Bei akuten Beschwerden geben 28,1 Prozent der Befragten bis zu 10 Euro für rezeptfreie Arzneimittel und Gesundheitsprodukte aus. 30,5 Prozent investieren zwischen 11 und 30 Euro. Ausgaben von mehr als 50 Euro werden dagegen nur von kleinen Anteilen genannt.

Erkältungssymptome stehen bei leichteren Beschwerden an erster Stelle

Halskratzen beziehungsweise Erkältungsbeschwerden werden mit Abstand am häufigsten genannt. Dahinter folgen unter anderem Lippenherpes, Pilzerkrankungen, leichte Atembeschwerden sowie Augen- und Lidrandentzündungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, bei welchen leichteren gesundheitlichen Beschwerden Selbstmedikation im Alltag relevant sein kann. 

Vertrauen prägt die Wahrnehmung der Apotheke

Beim Betreten einer Apotheke steht vor allem ein Gefühl im Vordergrund: Vertrauen. Auch Zuversicht und Sicherheit prägen die Wahrnehmung. Damit wird deutlich, dass die Apotheke für viele Menschen über ihre Funktion als Einkaufsort hinaus mit einer besonderen Vertrauens- und Beratungskompetenz verbunden ist.

Großes Interesse an zusätzlichen Gesundheitsangeboten der Apotheke

Viele Menschen können sich vorstellen, weitere Gesundheitsleistungen in der Apotheke zu nutzen. Besonders gefragt sind Impfungen und Blutuntersuchungen: 36,2 Prozent aller Befragten können sich Impfangebote vorstellen, rund 30 Prozent Blutuntersuchungen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegen die Werte mit 46 beziehungsweise 45 Prozent deutlich höher. Auch individuelle Gesundheitsberatung und Ernährungsberatung stoßen insbesondere bei jüngeren Menschen auf Interesse. 

Die Ergebnisse zeigen: Selbstmedikation ist eng mit Vertrauen, Erfahrung und fachlicher Beratung verbunden. Beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel bleibt die Vor-Ort-Apotheke eine zentrale Anlaufstelle. Persönliche Erfahrungen sowie die Beratung durch Apotheken und Ärzteschaft beeinflussen die Kaufentscheidung stärker als der Preis oder digitale Empfehlungen. Auch wenn Beratung gewünscht wird, bevorzugen Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem das persönliche Gespräch in der Apotheke. Gleichzeitig spielt die sichere Anwendung rezeptfreier Arzneimittel eine wichtige Rolle. Besonders groß ist der Informationsbedarf bei möglichen Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Risiken. Aus Sicht von Pharma Deutschland unterstreicht dies den Stellenwert qualifizierter pharmazeutischer Beratung als wichtigen Bestandteil einer sicheren und eigenverantwortlichen Selbstmedikation. Die Umfrage macht zudem deutlich, dass sich die Rolle der Apotheke weiterentwickelt: Viele Menschen können sich zusätzliche Gesundheitsangebote wie Impfungen, Blutuntersuchungen oder eine Analyse ihrer Medikation vorstellen. Damit bietet die Apotheke Potenzial, ihre Funktion als niedrigschwellige Anlaufstelle für Gesundheitsfragen weiter auszubauen. Gleichzeitig unterscheiden Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich zwischen rezeptfreien Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten, die häufiger auch außerhalb der Apotheke gekauft werden.

Ihr Kontakt

Dr. Maria Carol Verheesen

Referentin Selbstmedikation
Apothekerin
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