Versorgung sichern und Produktion stärken: Schlüsselreformen für einen zukunftsfähigen Pharmastandort Deutschland
Pharma Deutschland fordert:
- Die bestehenden Preisregulierungsmechanismen benötigen eine deutliche Verschlankung, um sowohl die Grundversorgung als auch die Versorgung mit Innovationen sicherzustellen.
- Das Tempo in der Digitalisierung von Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren sollte deutlich erhöht werden. Ziel sollte sein, alle bestehenden Daten an einer einheitlichen Stelle digital zu bündeln und somit die jeweiligen Prozesse zu beschleunigen.
- Genehmigungsprozesse für neue Produktionen sollten effizienter, transparenter und somit attraktiver für potenzielle Investoren gestaltet werden.
- Eine Stärkung des Pharmastandorts Europa durch eine bessere Honorierung von Herstellungsstätten mit hoher Produktions- und Lieferqualität, z.B. durch eine Änderung des Vergaberechts: Bei Rabattausschreibungen sollten die Aspekte Nachhaltigkeit und Produktionsstandort in die Zuschlagskriterien aufgenommen werden, ohne dabei die Anbietervielfalt zu gefährden.
- Eine gesetzliche Vorgabe, die vorsieht, dass Krankenkassen mit mindestens drei Herstellern Rabattverträge abschließen müssen. Auf diese Weise soll Lieferengpässen proaktiv vorgebeugt werden, indem mehr Anbieter im Markt gehalten werden.
- Arzneimittel-Hersteller sollten die Möglichkeit erhalten, die aktuellen Kostensteigerungen über einen Inflationsausgleich bei Festbeträgen und Rabattverträgen und einen quartalsweisen Inflationsausgleich beim Preismoratorium zumindest teilweise auszugleichen.
- Die Importförderklausel sollte endgültig abgeschafft werden, da durch die Maßnahme wiederum Lieferengpässe in anderen EU-Ländern befeuert werden.
- Ungleiche Kostenbelastungen wie z.B. fast alleinige Kostenübernahme zur Finanzierung einer weiteren Klärstufe zur Entfernung von Spurenstoffen vermeiden.
Pharmastandort Europa stärken: Weniger Bürokratie, resilientere Lieferketten, sichere Versorgung
- Die Arzneimittel- und Medizinproduktversorgung sollte zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein.
- Lieferketten müssen langfristig diversifiziert und somit resilienter aufgestellt werden, um die Abhängigkeit Deutschlands von außerhalb Europas produzierten Arzneimitteln sowie Wirk- und Hilfsstoffen zu reduzieren. So soll sichergestellt werden, dass die Versorgung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten auch im Falle von geopolitischen Verwerfungen nicht zusammenbricht. In diesem Kontext ist die Erhaltung der Anbietervielfalt und Lieferanten zentral. Denn Erfahrungswerte legen nahe, dass Anbieter- und Produktvielfalt ein wirksames Mittel gegen Versorgungsengpässe ist.
- Für eine resiliente und diversifizierte Lieferkette muss es den Anbietern möglich sein, auskömmlich wirtschaften zu können. Dazu gehören auch Preise, die dies ermöglichen und eine Kostenstruktur durch nationale und EU-weite Auflagen, die kein Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu internationalen Standortbedingungen sind.
- Das Gleiche gilt für die Rahmenbedingungen zur Erhaltung einer wettbewerbsfähigen Produktion in der EU und in Deutschland: weniger Bürokratie und schnellere Prozesse sind wichtig, um die weitere Abwanderung von Produktionskapazitäten in Drittländer vorzubeugen.
Pharma als Schlüsselbranche für Deutschlands Zukunft
Die Pharmabranche spielt eine essenzielle Rolle für Gesundheit, Wohlstand und Innovationskraft in Deutschland Sie hat dabei das Potenzial, eine Schlüsselposition für die Zukunftsfähigkeit des Standortes einzunehmen– jedoch erfordert dies signifikante Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Innovationen, Standortsicherung und Gesundheitsversorgung.
Im Jahr 2024 beschäftigte die Branche rund 133.376 Mitarbeitende und zeigt aktuell eine steigende Tendenz. Die Deutsche Pharmabranche hat von allen europäischen Staaten den mit Abstand größten Anteil am weltweiten Pharma-Umsatz. Daraus ergibt sich eine nicht zu vernachlässigende wirtschaftliche und soziale Relevanz des Sektors; nicht zuletzt, weil dieser hochqualifiziertes Personal sowie den Einsatz fortschrittlicher Technologien voraussetzt. Pharmaunternehmen bilden einen investitionsstarken Arm der Wirtschaft mit Geldern in Höhe von jährlich über 6 Milliarden Euro für interne Forschung und Entwicklung Außerdem sticht die Branche durch eine hohe Produktivität und starke Innovationskraft hervor.
Für die Gesamtbevölkerung sind vor allem die Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung sowie einer allgemeinen Versorgungssicherheit hervorzuheben. Erklärtes Ziel ist es dabei, Menschen nicht nur zu heilen, sondern ihre Lebenschancen zu verbessern und zu einer gesünderen, lebenswerten Zukunft beizutragen.
Ziel aller Arzneimittel-Hersteller ist es, jederzeit bedarfsgerecht bei Einhaltung hoher Qualitätsstandards lieferfähig zu sein. Damit sie hierfür die bestmöglichen Bedingungen vorfinden und den Wirtschaftsstandort weiterhin als attraktiv wahrnehmen, sind vor allem förderliche Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Produktion erforderlich.