15.10.2026, 07:35

Vertrauen, Beratung, Versorgung: Warum die Apotheke für die Selbstmedikation unverzichtbar bleibt

… sowie die Selbstmedikation für die Apotheke.
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Autor:innen
Lutz Boden, 
Dr. Maria Carol Verheesen
Eine repräsentative Civey-Befragung zeigt: Bei rezeptfreien Arzneimitteln setzen die Menschen vor allem auf eigene Erfahrung, pharmazeutische Beratung und die Vor-Ort-Apotheke. Zugleich eröffnet die hohe Bereitschaft für zusätzliche Gesundheitsangebote neue Perspektiven für die wohnortnahe Versorgung.
Civey-Befragung zu Selbstmedikation und Apotheken

Die Selbstmedikation ist für viele Menschen ein selbstverständlicher Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Entscheidend ist jedoch, worauf Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Auswahl rezeptfreier Arzneimittel vertrauen, wo sie diese kaufen und welche Unterstützung sie erwarten. Antworten liefert eine repräsentative Civey-Befragung im Auftrag von Pharma Deutschland. Vom 9. bis 11. September 2026 wurden 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren online befragt.

Die Vor-Ort-Apotheke bleibt der zentrale Vertrauensort

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Vor-Ort-Apotheke ist mit 49,3 Prozent der mit Abstand bevorzugte Kaufort für rezeptfreie Arzneimittel. Der Versandhandel folgt mit 26,6 Prozent. Damit behauptet die Apotheke ihre besondere Stellung nicht allein als Verkaufsort, sondern als niedrigschwellige Anlaufstelle für eine sichere und verantwortungsvolle Selbstmedikation.

Diese Position ist eng mit Vertrauen verbunden. Beim Betreten einer Apotheke prägen vor allem Vertrauen, Zuversicht und Sicherheit die Wahrnehmung. Die Apotheke ist damit ein emotional verankerter Schutz- und Beratungsraum, in dem gesundheitliche Entscheidungen mit fachlicher Unterstützung getroffen werden können.

Fachliche Beratung schlägt Preis und digitale Empfehlungen

Bei der Kaufentscheidung stehen die eigene Erfahrung und die Beratung in der Apotheke an erster Stelle. Auch die ärztliche Empfehlung besitzt hohes Gewicht. Der Preis ist relevant, bleibt aber hinter Erfahrung und fachlicher Orientierung zurück. Empfehlungen von Influencern und reine Online-Kundenbewertungen spielen dagegen nur eine sehr geringe Rolle.

Mehr als die Hälfte der Befragten, 51,6 Prozent, hält persönliche Beratung beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel für wichtig. Wird Beratung gewünscht, bevorzugen 47,5 Prozent das direkte Gespräch am Handverkaufstisch in der Apotheke. Digitale Beratungswege wie Videoberatung, ein separater Beratungsraum oder ein rund um die Uhr verfügbarer Online-Chat werden bislang deutlich seltener genannt. Der persönliche Kontakt bleibt somit der wichtigste Beratungskanal.

Sicherheit steht beim Informationsbedarf an erster Stelle

Die Befragten suchen vor allem Informationen, die Risiken reduzieren: 37,3 Prozent interessieren sich für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, 32,0 Prozent für Nebenwirkungen und Risiken und 26,7 Prozent für die Wirkungsweise im Körper. Das unterstreicht den hohen Stellenwert pharmazeutischer Kompetenz. Gerade bei mehreren Medikamenten oder individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen kann qualifizierte Beratung Orientierung und Sicherheit geben.

Entwicklung zum Gesundheitsstandort

Die Ergebnisse weisen zugleich über die klassische Arzneimittelabgabe hinaus. Viele Menschen können sich zusätzliche Gesundheitsangebote in der Apotheke vorstellen. Besonders gefragt sind Impfungen mit 36 Prozent und Blutuntersuchungen mit 30 Prozent. Individuelle Gesundheitsberatung erreicht 26 Prozent, Ernährungsberatung 21 Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen fällt die Offenheit noch höher aus: 46 Prozent nennen Impfungen, 45 Prozent Blutuntersuchungen, 37 Prozent individuelle Gesundheitsberatung und 33 Prozent Ernährungsberatung.

Damit wird deutlich: Die Apotheke kann sich vom „Point of Sale“ konsequent zum „Point of Care“ weiterentwickeln. Zusätzliche niedrigschwellige Angebote können Prävention stärken, Versorgungslücken schließen und die wohnortnahe Gesundheitsversorgung sinnvoll ergänzen.

Gesundheitsprodukte: strategisches Potenzial für die Apotheke

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei frei verkäuflichen Gesundheitsprodukten wie Vitaminen oder Nahrungsergänzungsmitteln. Hier liegt der Drogeriemarkt mit 27,1 Prozent vor der Vor-Ort-Apotheke mit 16,0 Prozent und dem Versandhandel mit 17,1 Prozent. Für Apotheken liegt darin ein klarer Handlungsauftrag: Prävention und Gesunderhaltung stärker mit fachlicher Beratung, nachvollziehbarer Produktqualität und passenden Serviceangeboten zu verbinden.

Fazit Pharma Deutschland

Die Befragung bestätigt die besondere Rolle der Apotheke in der Selbstmedikation: Menschen suchen dort nicht nur Produkte, sondern Vertrauen, Sicherheit und persönliche Orientierung. Gleichzeitig wächst die Offenheit für zusätzliche Gesundheitsleistungen. Wer diese Stärke konsequent nutzt, macht die Vor-Ort-Apotheke zu einem noch wichtigeren Baustein einer präventiven, niedrigschwelligen und patientennahen Versorgung.


Zur Befragung: Civey befragte für Pharma Deutschland vom 9. bis 11. September 2026 online 5.000 Personen ab 18 Jahren. Die Ergebnisse sind durch Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ; der statistische Fehler beträgt beim jeweiligen Gesamtergebnis 2,5 Prozentpunkte.

Ihr Kontakt

Lutz Boden

Geschäftsführer OTC-Markt
Fachapotheker für Arzneimittelinformation

Dr. Maria Carol Verheesen

Referentin Selbstmedikation
Apothekerin
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