Gesundheitspolitik darf nicht erst beginnen, wenn eine Erkrankung bereits eingetreten ist. Prävention muss vielmehr als eigenständige strategische Säule der Gesundheitsversorgung verstanden werden. Sie trägt dazu bei, Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten, Behandlungsbedarf zu vermeiden oder hinauszuzögern und die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft zu sichern. Prävention ist damit kein Zusatzangebot, sondern eine zentrale Voraussetzung für ein langfristig tragfähiges Gesundheitswesen.
Damit Prävention im Alltag der Menschen ankommt, braucht es vor allem mehr Gesundheitskompetenz. Wissen über Gesundheit sollte frühzeitig vermittelt und über alle Lebensphasen hinweg gestärkt werden. Dazu gehört auch die Fähigkeit, verlässliche Informationen zu beurteilen, Angebote der Gesundheitsversorgung zu finden und diese eigenverantwortlich zu nutzen. Der Staat ist ebenso gefordert wie Ärzte, Apotheker und Arzneimittelhersteller, die verantwortungsvolle Bereitstellung von Gesundheitsinformationen zu unterstützen.
Eigenverantwortung und Solidarität sind dabei keine Gegensätze. Wer im Rahmen seiner Möglichkeiten zur eigenen Gesunderhaltung beiträgt, stärkt zugleich das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem. Dies setzt jedoch voraus, dass Menschen nicht allein gelassen werden.
Eine Schlüsselrolle kommt den bestehenden Versorgungsstrukturen zu. Arztpraxen und öffentliche Apotheken erreichen Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten. Insbesondere die Apotheke vor Ort kann als niedrigschwellige Lotsin in Gesundheitsfragen wirken, individuelle Beratung anbieten und Präventionsleistungen in den Alltag der Menschen integrieren. Ein kollegiales Zusammenwirken der Heilberufe kann die Wirksamkeit und Effizienz dieser Angebote zusätzlich erhöhen.
Auch Selbstmedikation ist Teil dieses Ansatzes. Sie bezeichnet die eigenverantwortliche Behandlung mit rezeptfreien Arzneimitteln und bestimmten Gesundheitsprodukten mit dem Ziel, Gesundheit zu erhalten, zu verbessern oder wiederherzustellen. Richtig eingeordnet und heilberuflich begleitet, kann sie einen ersten Schritt in der Gesundheitsversorgung darstellen und professionelle Versorgungsstrukturen gezielt ergänzen. Damit dieses Potenzial umfassend genutzt werden kann, sind bessere politische und regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich. Hersteller von Arzneimitteln und pharmazeutischen Gesundheitsprodukten können ihren Beitrag zu einer wirksamen Prävention weiter steigern, wenn unnötige Bürokratie abgebaut und ihre Möglichkeiten zur verantwortungsvollen Information und Versorgung gestärkt werden.
Prävention und Selbstmedikation stellen einen wichtigen Punkt in der Strategie von Pharma Deutschland dar. Vor diesem Hintergrund wurde ein Positionspapier erstellt, das sowohl in einer Langversion als auch in einer Kurzversion zur Verfügung steht.
Prävention, Gesundheitskompetenz, Selbstmedikation und heilberufliche Beratung müssen konsequenter zusammengedacht werden. So entsteht ein Gesundheitswesen, das nicht nur Krankheiten behandelt, sondern Gesundheit fördert, individuelle Handlungsmöglichkeiten stärkt und vorhandene Ressourcen gezielter einsetzt. Davon profitieren die Menschen, das Gesundheitssystem und die Gesellschaft insgesamt.