22.12.2025

Medizin der Zukunft – Wissenschaftsjahr 2026

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) richtet 2026 das Wissenschaftsjahr „Medizin der Zukunft“ aus.
  • Branche & Märkte
  • Forschung & Entwicklung
Autor:innen
Hannes Hönemann
Die Wissenschaftsjahre holen Zukunftsthemen aus der Forschung heraus in unseren Alltag. Sie laden Menschen jeden Alters ein, Wissenschaft aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen, Fragen zu stellen und mitzureden. So werden Forschungsprozesse transparenter, Vertrauen kann wachsen – und aus Zuschauer:innen werden Schritt für Schritt aktive Mitgestalter:innen von Forschung und Medizin von morgen.

Medizin der Zukunft – Ziele

Das Wissenschaftsjahr 2026 „Medizin der Zukunft“ verfolgt mehrere Ziele: Es möchte verständlich machen, wie Gesundheitsforschung konkret arbeitet, welche Möglichkeiten sie eröffnet, aber auch, wo es offene Fragen und Konflikte gibt – und dabei die Leistungsfähigkeit der Forschung in Deutschland sichtbar machen. Im Zentrum stehen Themen, die Menschen direkt betreffen, etwa Prävention, neue Diagnoseverfahren oder innovative Therapien; die damit verbundenen Veränderungen in der Medizin sollen transparent, diskutierbar und im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert werden. Gleichzeitig geht es darum, Vertrauen in technologische und datenbasierte Innovationen aufzubauen und deutlich zu machen, dass sie sich an realen Bedürfnissen von Patient:innen orientieren. Dafür setzt das Wissenschaftsjahr auf vielfältige, dialogorientierte Formate, die unterschiedliche Gruppen erreichen und zur aktiven Beteiligung an Gesundheitsforschung ermutigen – insbesondere auch junge Menschen, die Einblicke in attraktive Berufsbilder und Karrierewege in der medizinischen Forschung erhalten.

Medizin der Zukunft – Themen

1. Die Medizin der Zukunft ist präventiv

Kernidee: Nicht erst behandeln, wenn Krankheit ausgebrochen ist, sondern gesundheitliche Risiken früh erkennen und Erkrankungen möglichst verhindern.

Was das BMFTR darunter versteht:

Verschiebung vom Kurativen zur Prävention: Fokus auf Maßnahmen, die Krankheiten verhindern oder verzögern (Impfungen, Screenings, Lebensstil-Interventionen, Arbeits- und Umweltgestaltung).

Gesundheitsförderung im Alltag: Es geht explizit um gesundheitsrelevante Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen – nicht nur um „individuelles Verhalten“, sondern auch um Rahmenbedingungen (Arbeitswelt, Stadtplanung, Umweltbelastungen).

Neue Präventions- und Diagnoseansätze: Forschung zu innovativen Methoden der Früherkennung, besseren Risikomodellen und prädiktiven Tools (z. B. Biomarker, Bildgebung, Scores).

Ziel im Wissenschaftsjahr: Den Dialog darüber anstoßen, was heute bereits möglich ist und was sich ändern muss, damit Menschen tatsächlich präventiv handeln können – individuell und gesellschaftlich.

2. Die Medizin der Zukunft ist personalisiert

Kernidee: Therapie und Prävention orientieren sich an der individuellen biologischen und lebensweltlichen Situation jedes Einzelnen, statt an Durchschnittswerten.

Was das BMFTR hervorhebt:

Genetik + Lebensstil + Umwelt: Personalisierte Medizin ist mehr als nur Genetik. Berücksichtigt werden: genetische Voraussetzungen, Lebensstil (Ernährung, Bewegung, Konsumverhalten etc.), Umweltfaktoren (z. B. Expositionen, soziale Faktoren)

Maßgeschneiderte Therapien: Ziel ist, für definierte Patientensubgruppen („richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtiger Zeitpunkt“) bessere Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen zu erreichen.

Zukunftstrend im Gesundheitssystem: Personalisierte Medizin wird ausdrücklich als einer der wichtigsten Zukunftstrends bezeichnet – also nicht „Forschungsspinne“, sondern strategische Entwicklungsrichtung.

Ziel im Wissenschaftsjahr: Vermitteln, wie personalisierte Ansätze funktionieren, wo ihre Chancen und Grenzen liegen, wie Daten genutzt werden, und welche ethischen und sozialen Fragen sich daraus ergeben (z. B. Zugang, Gerechtigkeit).

3. Die Medizin der Zukunft ist digital

Kernidee: Digitalisierung verändert alle Stufen der Versorgungskette – von Forschung über Diagnose und Therapie bis zur Nachsorge – und beruht massiv auf Daten.

Was das BMFTR betont:

Datengetriebene Medizin als Schwerpunkt: „Datengestützte Medizin“ ist Schwerpunkt im Wissenschaftsjahr: KI-gestützte Bildgebung, digitale Gesundheitsanwendungen, Telemedizin, elektronische Patientenakten, Real-World-Daten etc.

Chancen UND Verunsicherung: Digitalisierung bietet enorme Chancen (Präzision, Effizienz, neue Erkenntnisse), verunsichert aber auch viele Menschen (Datenschutz, Kontrollverlust, Intransparenz der Algorithmen).

Dialog zu digitalen Gesundheitstechnologien: Es geht nicht nur um Technik-Showcase, sondern insbesondere um: Möglichkeiten und Grenzen erklären, Nutzen-Risiko-Verständnis fördern, öffentliche Debatten zu Datenschutz, Datenteilung, KI-Einsatz strukturieren

Ziel im Wissenschaftsjahr: Digitale Medizin so erklären, dass Bürger:innen informierte Entscheidungen treffen können (z. B. zur Freigabe von Gesundheitsdaten) und Vertrauen in sinnvolle, verantwortliche Nutzung von Daten und KI entsteht.

4. Die Medizin der Zukunft ist partizipativ

Kernidee: Medizinische Forschung und Versorgung werden nicht mehr „über“ Menschen gemacht, sondern „mit“ ihnen – Bürger:innen, Patient:innen, Angehörige und andere Akteure werden aktiv einbezogen.

Was das BMFTR darunter fasst:

Zusammenspiel vieler Akteure. Im Fokus steht das Miteinander von: Wissenschaftler:innen (Akademia und Industrie), Ärzt:innen und Pflegekräften, Krankenkassen und Selbstverwaltung, Patient:innen und deren Angehörigen, Patientenvertretungen und Selbsthilfegruppen

Dialog statt Einbahnstraßen-Kommunikation: Forschende sollen aktiv den Austausch mit der Öffentlichkeit suchen, Chancen und Risiken neuer Verfahren verständlich erläutern und Rückmeldungen ernsthaft in Forschung und Praxis zurückspiegeln.

Teilhabe an Forschung. Bürger:innen werden z. B. als: Studienteilnehmende mit Mitspracherechten, Patientenvertreter:innen in Gremien, Mitforschende in Citizen-Science-Projektenadressiert und befähigt.

Ziel im Wissenschaftsjahr: Partizipation als Normalfall etablieren: Bürger:innen sollen nicht nur „informiert“ werden, sondern bei der Bewertung und Gestaltung medizinischer Innovationen mitreden und mitentscheiden können.

Wissenschaftsjahr 2026 – Stand der Dinge, wie geht es weiter?

Bei dem Förderprojekt konnten sich Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen, NGOs, Kommunen, Start-ups und Unternehmen mit Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation/Bildung bewerben.

Links und Quellen: https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2025/07/2025-07-04-bekanntmachung-wissenschaftsjahr2026.html

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