Die Tour 2026 des Landesverbandes Nord von Pharma Deutschland zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die aktuellen Herausforderungen und Chancen der pharmazeutischen Industrie sind. In Brüssel, Lüchow, Goslar und erneut in Brüssel beim Herbal Health Summit standen zentrale Zukunftsfragen im Mittelpunkt: Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Ende März nahm die Vorstandsvorsitzende Babette Reiken an der Vorstandssitzung von Pharma Deutschland in Brüssel teil. Dort fanden hochrangige Gespräche statt, unter anderem mit EU‑Umweltkommissarin Jessika Roswall. Diskutiert wurden die Zukunft der europäischen Arzneimittelproduktion, die Balance zwischen Innovation und Umweltschutz sowie die Bedeutung eines starken europäischen Pharmastandorts. Klar wurde: Europa kann Versorgungssicherheit und Standortstärkung nur gemeinsam erreichen – mit passenden regulatorischen Weichenstellungen.
Beim Mitgliedsunternehmen Artesan Pharma in Lüchow standen nachhaltige Energieversorgung und Investitionshemmnisse im Fokus. Das Unternehmen möchte den Anteil grüner Energie weiter ausbauen, doch praxisferne Regelungen bremsen geplante Photovoltaik- und Windkraftprojekte aus. Es verdeutlicht, dass politisch angestrebte Nachhaltigkeit nur dann umgesetzt werden kann, wenn zugleich verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Ein weiterer Tourstopp führte zum Mitgliedsunternehmen Med‑X‑Press GmbH nach Goslar. Geschäftsführer Lars Dörhage machte deutlich, welche Auswirkungen die aktuelle Gesetzgebung zu F‑Gasen auf die Pharmalogistik haben kann – insbesondere in preisregulierten Märkten. Für Unternehmen, die GDP‑konforme Lieferketten sicherstellen müssen, sind planbare Investitionsbedingungen entscheidend, um Technik, Infrastruktur und Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.
Beim Herbal Health Summit 2026 in Brüssel rückten pflanzliche Arzneimittel in den Mittelpunkt. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Versorgung und erfüllen teils höhere Qualitätsstandards als chemisch‑synthetische Produkte. Vertreterinnen und Vertreter aus dem Norden – darunter Regionalbeauftragte Dr. Merle Kirchner sowie die Mitgliedsunternehmen Strathmann und Pohl‑Boskamp – diskutierten mit europäischen Stakeholdern über Chancen und Herausforderungen im Rahmen aktueller EU‑Initiativen. Themen wie „Ethanol im Würgegriff“ zeigten, wie regulatorische Vorgaben die Versorgung beeinflussen können. Besonders begrüßt wurde der Austausch mit MdEP Jens Gieseke.
Die Landesverband Nord Tour verdeutlicht: Ob europäische Gesetzgebung, Energiepolitik oder Logistik – die pharmazeutische Versorgung hängt von vielen Faktoren ab. Der LV Nord bleibt daher im engen Dialog mit Politik, Behörden und Unternehmen, um die Zukunft des Pharmastandorts aktiv mitzugestalten.