16.01.2026

IQWiG zur Sicherstellung wissenschaftlicher Recherchen in Europa

Das IQWiG veröffentlicht ein Arbeitspapier mit Handlungsoptionen für einen potenziellen Wegfall der relevanten US-Datenbanken PubMed und ClinicalTrials.gov.
  • Gesellschaft & Politik
Autor:innen
Bernhard Liebenhoff
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) veröffentlichte heute, am 16. Januar 2026 ein Arbeitspapier zur Sicherstellung wissenschaftlicher Recherchen ohne PubMed und ClinicalTrials.gov.

Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Wissenschaftspolitik in den USA unter der aktuellen US-Administration sieht das IQWiG weitreichende Folgen für die wissenschaftliche Literaturrecherche in Deutschland und Europa. Aufgrund finanzieller und personeller Kürzungen stehe die Option im Raum, dass Informationsangebote, die bisher frei verfügbar waren, kostenpflichtig werden oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Die derzeit wichtigsten Recherchequellen, für die diese Gefahr gesehen wird, sind die bibliografische Datenbank PubMed und das Studienregister ClinicalTrials.gov.

Das Arbeitspapier soll Handlungsoptionen für einen potenziellen Wegfall von PubMed und ClinicalTrials.gov in einem „Worst Case Szenario" liefern. Dies umfasst zum einen die Nutzung der Bestandsdaten sicherzustellen und zum anderen Alternativen für diese Datenbanken zu identifizieren.

Die Analyse zeige deutlich, dass PubMed und ClinicalTrials.gov zentrale Bestandteile der evidenzbasierten Medizin darstellen. Ihr Wegfall oder eine eingeschränkte Verfügbarkeit würde die Informationsbeschaffung von Studien und damit die Informationsversorgung in Deutschland erheblich beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund ergebe sich ein dringender Handlungsbedarf, so das IQWiG:

  • Für frei über Crossref zugängliche Referenzen aus MEDLINE-Journals, liege der Fokus auf dem Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur mit einem leistungsfähigen Interface und professionellen Suchfunktionen. Der Einsatz von Large Language Models (LLM) könne künftig ergänzend eingesetzt werden, befinde sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium.
  • Für Studienregister gelte es, bestehende europäische bzw. internationale Alternativen gezielt auszubauen. Eine Öffnung des CTIS für freiwillige Studienregistrierungen sowie eine Verschärfung regulatorischer Anforderungen könne die Transparenz und Vollständigkeit der Ergebnisveröffentlichung deutlich verbessern.
  • Strategisch seien zentrale Akteure im europäischen Gesundheitswesen gefordert, den Aufbau und die Förderung alternativer Systeme aktiv voranzutreiben, um langfristig die Unabhängigkeit und Stabilität der wissenschaftlichen Informationsversorgung zu sichern.

Ihr Kontakt

Bernhard Liebenhoff

Referent HTA / Frühe Nutzenbewertung
Biologe
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