Bereits heute handeln die EU und Indien Waren und Dienstleistungen im Wert von über 180 Mrd. EUR pro Jahr. Dieser Austausch sichert rund 800.000 Arbeitsplätze in der EU. Durch das neue Abkommen sollen die EU-Warenausfuhren nach Indien bis 2032 deutlich ausgeweitet werden. Vorgesehen ist, Zölle für 96,6 % der EU-Warenexporte nach Indien abzuschaffen oder zu senken. Insgesamt könnten europäische Unternehmen dadurch jährlich rund 4 Mrd. EUR an Zöllen einsparen.
Für die Pharmaindustrie besonders relevant: Indien will seine Zölle auf Arzneimittel, die derzeit bei rund 11 % liegen, weitgehend abbauen. Deutsche Pharmaexporte nach Indien beliefen sich laut UN-COMTRADE-Datenbank im Jahr 2024 auf rund 298 Mio. US-Dollar, mit entsprechendem Wachstumspotenzial.
Ein eigenes Kapitel des Abkommens ist kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gewidmet. Vorgesehen ist die Einrichtung spezieller Kontaktstellen auf beiden Seiten, die KMU bei Fragen zum Abkommen unterstützen und mit praxisnahen Informationen versorgen sollen. Insbesondere KMU sollen von Zollsenkungen, dem Abbau regulatorischer Handelshemmnisse sowie von mehr Transparenz, Stabilität und Planbarkeit profitieren.
Darüber hinaus sieht das Abkommen laut Angaben der EU-Kommission ein hohes Schutzniveau für geistiges Eigentum vor. Dies umfasst unter anderem Urheberrechte, Marken, Geschmacksmuster und Geschäftsgeheimnisse. Das Abkommen baut auf bestehenden internationalen Übereinkommen auf und soll die Rechtsvorschriften der EU und Indiens weiter annähern. Konkrete Details zu den IP-Regelungen sind bislang jedoch noch nicht veröffentlicht und können entsprechend erst dann ausreichend bewertet werden.
Auf EU-Seite sollen die ausgehandelten Textentwürfe in Kürze vorgelegt werden. Anschließend erfolgen die rechtliche Überarbeitung sowie die Übersetzung in alle EU-Amtssprachen. Die Europäische Kommission wird dem Rat dann Vorschläge zur Unterzeichnung und zum Abschluss des Abkommens unterbreiten. Nach Zustimmung des Rates und des Europäischen Parlaments sowie der Ratifizierung durch Indien kann das Abkommen in Kraft treten.
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