20.01.2026

EU-Kommission stellt „Safe Hearts Plan“ vor

Die Europäische Kommission hat am 15. Januar 2026 im Rahmen eines digitalen Stakeholder-Webinars den Safe Hearts Plan vorgestellt.
  • Gesellschaft & Politik
Autor:innen
Anna Wehage
Bei dem Plan handelt es sich um die erste umfassende EU-Strategie zur Prävention, Früherkennung und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD). Pharma Deutschland fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Mit dem vorgeschlagenen Maßnahmenpaket soll die Zahl vorzeitiger Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) bis zum Jahr 2035 um ein Viertel reduziert werden. Einen besonderen Fokus legt die Kommission deshalb auf regelmäßige Gesundheitschecks, Vorsorgeuntersuchungen und personalisierte Präventionsinstrumente.

In einer Videobotschaft betonte der Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, Oliver Várhelyi, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache in Europa sind und erhebliche Auswirkungen auf Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften haben. Der Safe Hearts Plan sei ein konkretes politisches Instrument, das auf breiter Stakeholder-Beteiligung beruhe und lebenslang angelegte, personalisierte sowie digital unterstützte Präventionsansätze verfolge. Die Kommission unterstrich zudem, dass Regierungen allein die CVD-Last nicht senken können und die Mitwirkung aller relevanten Akteure notwendig ist.

Die drei Säulen des Safe Hearts Plan:

Säule 1: Gesundheitsförderung und Prävention

Vorgestellt wurden folgende Leitinitiativen:

  • „EU Cares for Your Heart“: ein lebenslanges, personalisiertes und digitales Präventionsprogramm, einschließlich mobiler Anwendungen.
  • Stärkung der Verbraucherkompetenz im Bereich Lebensmittelverarbeitung, u. a. mit Fokus auf hochverarbeitete Lebensmittel.
  • Modernisierung der Tabakgesetzgebung mit dem langfristigen Ziel, den Tabakkonsum in der EU unter 5 % zu senken.
  • Förderung gesünderer Konsumentscheidungen, u. a. durch Instrumente zur Verbesserung von Ernährungsumgebungen in den Mitgliedstaaten.
  • Impfungen gegen Atemwegsinfektionen als präventive Maßnahme gegen CVD, insbesondere für Risikogruppen, in Zusammenarbeit mit dem ECDC.

Ergänzend wurden Initiativen zu Ernährung (einschließlich eines Piloten zur Frauengesundheit und zur Schließung geschlechtsspezifischer Gesundheitslücken), körperlicher Aktivität sowie Tabakentwöhnung vorgestellt.

Säule 2: Früherkennung und Screening

EU-Protokoll für kardiovaskuläre Gesundheitschecks: Das Protokoll befindet sich noch in der Entwicklung. Die Kommission bittet Stakeholder um Rückmeldungen zu Umsetzbarkeit, Kosten-Nutzen-Aspekten und Organisationsmodellen in den Mitgliedstaaten.

Säule 3: Behandlung und Versorgung

  • Ratsempfehlung zur personalisierten Behandlung und Überwachung von CVD, mit dem Ziel, Versorgungspfade zu modernisieren und Versorgungsstandards EU-weit stärker zu harmonisieren.

Querschnittsthemen

  • Einsatz digitaler Lösungen und Künstlicher Intelligenz in Prävention und Versorgung
  • Abbau sozialer und geschlechtsspezifischer Ungleichheiten
  • Stärkung der europäischen CVD-Forschung und Evidenzbasis

Gemeinsame EU-Maßnahmen (Joint Actions)

PreventNCD – Joint Action zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und Krebs (koordiniert vom Norwegischen Gesundheitsdirektorat) 

  • Laufzeit: Januar 2024 – Dezember 2027
  • 25 Länder, 108 Partner (darunter das Robert Koch-Institut und Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit aus Deutschland)
  • Budget: 95,5 Mio. Euro

Fokus: Ernährung, Tabak, körperliche Aktivität, Datenerhebung, Abbau von Ungleichheiten und koordinierte Präventionsstrategien

JACARDI – Joint Action zu Herz-Kreislauf Erkrankungen und Diabetes (koordiniert von einem Forschungsinstitut im Geschäftsbereich des italienischen Gesundheitsministeriums)

  • Laufzeit: November 2023 – Oktober 2027
  • Budget: 66 Mio. Euro
  • 21 Länder, 81 Partner (keine deutschen Stakeholder involiert)
  • 143 Pilotprojekte zu Screening, Früherkennung und Prävention

Entwicklung gemeinsamer Screening-Protokolle sowie eines Online-Risikobewertungstools

In der Diskussion stellte die Kommission klar, dass EU-Mittel prioritär für laufende, bereits bewertete Initiativen eingesetzt werden sollen. Zudem ist eine enge Abstimmung mit Arbeiten zur Allgemeinen Pharmagesetzgebung (GPL), zur Medizinprodukteverordnung (MDR) sowie zu Ernährung und körperlicher Aktivität vorgesehen.

Die Kommission lädt Stakeholder ein, sich an laufenden Konsultationen zu beteiligen. Pharma Deutschland wird sich in Bezug auf Themen, die für unsere Mitgliedsunternehmen relevant sind, in den Konsultationen einbringen.

Ihr Kontakt

Anna Wehage

Referentin nationale und europäische Gesetzgebung / Internationales / Fälschungsschutz
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