Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weiterhin zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen in der Europäischen Union. Dazu gehören unter anderem Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen sowie angeborene Herzfehler. Derzeit sind mehr als 60 Millionen Menschen in der EU betroffen; rund ein Drittel aller jährlichen Todesfälle ist auf diese Krankheitsgruppe zurückzuführen. Ohne zusätzliche Gegenmaßnahmen könnte sich die Zahl der Erkrankungen bis zum Jahr 2050 sogar verdoppeln.
Den dringenden Handlungsbedarf unterstreicht auch der am 15. Dezember von der OECD veröffentlichte Bericht „State of Cardiovascular Health in the EU“. Neben den erheblichen gesundheitlichen Folgen verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 282 Milliarden Euro – etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union.
Eckpfeiler des Safe-Hearts-Plans
Mit dem Safe-Hearts-Plan will die Kommission einen umfassenden politischen Rahmen schaffen, der die Mitgliedstaaten sowie relevante Akteure bei Prävention, Früherkennung, Behandlung und Nachsorge unterstützt. Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, die Zahl vorzeitiger Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2035 um 25 Prozent zu senken.
Im Fokus stehen dabei insbesondere regelmäßige Gesundheitschecks, systematische Vorsorgeuntersuchungen sowie personalisierte Präventionsinstrumente.
Ausbau der Früherkennung & Prävention
Konkret sieht der Aktionsplan vor, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre:
Zudem sollen Empfehlungen für Impfungen gegen Influenza, Covid-19 und andere Atemwegserkrankungen ausgesprochen werden, um insbesondere Hochrisikogruppen besser zu schützen.
Digitale Innovation und bessere Datengrundlagen
Ein weiteres zentrales Element des Safe-Hearts-Plans ist die stärkere Nutzung digitaler Technologien. Geplant ist unter anderem:
Auch soll ein „Fahrplan für Forschung und Innovation“ im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt werden.
Weitere regulatorische Maßnahmen spielen im Safe-Hearts-Plan eine wichtige Rolle. Die Kommission kündigt unter anderem an:
Ein besonderer Fokus liegt auf stark verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Zwar sieht der Aktionsplan derzeit keine unmittelbare EU-weite Abgabe auf ungesunde Lebensmittel vor, die Kommission plant jedoch, ein Netzwerk zuständiger Behörden einzurichten. Dieses soll die Zusammenarbeit und Koordinierung bei der Besteuerung ungesunder Lebensmittel fördern sowie den Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten ermöglichen. Zudem ist der Aufbau einer Datenbank über bestehende nationale Steuern und Abgaben vorgesehen.
Auf Grundlage einer noch in Auftrag zu gebende Studie zu den Auswirkungen ultra-verarbeiteter Lebensmittel will die Kommission prüfen, welche Instrumente – einschließlich möglicher finanzieller Maßnahmen – künftig geeignet sind, Primärprävention zu unterstützen, die Reformulierung von Lebensmitteln voranzutreiben und gesündere Verbraucherentscheidungen zu fördern.
Fokus auf gesundheitliche Ungleichheiten: Besondere Aufmerksamkeit widmet der Safe-Hearts-Plan den bestehenden geografischen, geschlechtsspezifischen und sozioökonomischen Ungleichheiten in der kardiovaskulären Versorgung innerhalb Europas. Ziel ist es, den Zugang zu Prävention und Versorgung europaweit gerechter zu gestalten.
Einordnung: Der Safe-Hearts-Plan ist Teil eines umfassenderen, dreiteiligen EU-Gesundheitspakets, das in dieser Woche vorgestellt wurde. Dazu gehören neben dem kardiovaskulären Aktionsplan auch der Biotech Act I sowie Vorschläge zur Vereinfachung der EU-Regelungen für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika.
In einem Q&A stellt die EU-Kommission weitere Informationen zusammengefasst zur Verfügung.