04.11.2026, 14:11

EU-Arbeitsprogramm 2027: Das plant die Europäische Kommission

Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau, resiliente Gesundheitssysteme und künstliche Intelligenz stehen im Fokus. Ein Überblick über zentrale Vorhaben mit Relevanz für den Selbstmedikationssektor.
  • Gesellschaft & Politik
Autor:innen
Henrik Reimer, 
Anna Wehage
Die Europäische Kommission hat heute, am 4. November 2026, ihr Arbeitsprogramm für 2027 veröffentlicht. Darin legt sie ihre politischen und legislativen Prioritäten für das kommende Jahr unter dem Leitmotiv „European Union - standing up for one another“ fest.

Im Mittelpunkt des Arbeitsprogramms stehen die Themen Wettbewerbsfähigkeit, Vereinfachung, Resilienz, Sicherheit, Sozialpolitik und Krisenvorsorge. Gleichzeitig sollen die industrielle Basis Europas und die Gesundheitssysteme weiter gestärkt werden.

Das Arbeitsprogramm mit allen Details finden Sie auf der Website der Europäischen Kommission.

Das Arbeitsprogramm verdeutlicht das Ziel der Kommission, Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau und Innovation mit sozialem Schutz, widerstandsfähigen Gesundheitssystemen und einer verbesserten Krisenvorsorge zu verbinden. Besonderes Augenmerk legt die Kommission auf den Abbau bürokratischer Belastungen, die Stärkung des Binnenmarktes, die Förderung von Innovation, die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz sowie die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Gesundheits-, Pflege- und Sozialsysteme.

Nachfolgend finden Sie eine kurze Übersicht über Initiativen, die für den Selbstmedikationssektor von besonderer Relevanz sein könnten.

1. Wettbewerbsfähigkeit und Vereinfachung

Die Kommission wird ihre umfassende Vereinfachungsagenda fortsetzen und weitere Maßnahmen zum Abbau administrativer Belastungen für Unternehmen vorantreiben. Zu den geplanten Initiativen gehören:

  • Ein Pakt gegen Gold-Plating, um unnötige nationale Zusatzanforderungen bei der Umsetzung von EU-Rechtsvorschriften zu vermeiden.
  • Weitere Maßnahmen zur regulatorischen Vereinfachung, unter anderem in den Bereichen Digitalisierung, Verkehr und Wohnungswesen.
  • Maßnahmen zum Abbau von Hindernissen im Binnenmarkt sowie zur Bekämpfung ungerechtfertigter territorialer Lieferbeschränkungen zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Diese Initiativen sollen die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und die Geschäftstätigkeit innerhalb der EU erleichtern.

2. Gesundheitssysteme und Pflege

Die Kommission bekräftigt ihr Engagement für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der europäischen Gesundheitssysteme sowie für die Aufrechterhaltung eines starken Rechtsrahmens in den Bereichen Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit und Pflanzengesundheit.

Europäischer Pakt für Pflege (European Care Deal)

Angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Pflegebedarfs wird die Kommission einen European Care Deal auf den Weg bringen. Dieser soll:

  • Bezahlbare und qualitativ hochwertige Pflegedienstleistungen fördern.
  • Dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenwirken.
  • Die beruflichen Perspektiven für Beschäftigte im Pflegesektor verbessern.
  • Die soziale Infrastruktur Europas stärken und pflegende Angehörige besser unterstützen.

3. Künstliche Intelligenz und Innovation im Gesundheitswesen

Um den Einsatz künstlicher Intelligenz in strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen zu beschleunigen, wird die Kommission einen Aktionsplan für industrielle KI vorlegen. Dieser umfasst fünf Sektoren:

  • Gesundheitswesen
  • Verkehr
  • Agrar- und Ernährungswirtschaft
  • Fortgeschrittene Fertigungstechnologien
  • Verteidigung und Raumfahrt

Ergänzend dazu sind Maßnahmen zur Stärkung des europäischen KI-Ökosystems vorgesehen. Dazu zählen Investitionen in Halbleiter, Dateninfrastrukturen, Rechenkapazitäten und innovative Finanzierungsinstrumente.

4. Kompetenzen und Fachkräfteentwicklung

Die Kommission wird eine sogenannte Skills Guarantee (Kompetenzgarantie) vorschlagen. Ziel ist es, die Weiterqualifizierung und Umschulung von Arbeitskräften zu unterstützen und ihnen den Wechsel in wachsende und strategisch wichtige Wirtschaftsbereiche zu erleichtern.

Darüber hinaus hebt das Arbeitsprogramm die Notwendigkeit hervor, den Herausforderungen für den Arbeitsmarkt zu begegnen, die sich aus dem technologischen Wandel und dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz ergeben.

5. Klimaresilienz und Gesundheit

Die Kommission plant mehrere Initiativen, die auch mittelbare Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und Prävention haben könnten. Dazu gehören:

  • Eine Europäische Wasserinitiative, die das Management der Wasserressourcen verbessern soll.
  • Ein integrierter Europäischer Hitzewellenplan (European Heatwave Plan), um den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen extremer Hitze entgegenzuwirken.
  • Eine Klima-Versicherungsallianz (Climate Insurance Alliance) zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Risiken.

Ihr Kontakt

Henrik Reimer

Büroleiter Brüssel
Landesverband Europa

Anna Wehage

Referentin nationale und europäische Gesetzgebung / Internationales / Fälschungsschutz
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