Am 25. Februar 2026 fand in Brüssel der zweite European Herbal Health Products Summit statt – organisiert von Pharma Deutschland gemeinsam mit der Society for Medicinal Plants and Natural Product Research (GA). Mehr als 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Industrie, Behörden und Verbraucherschutz diskutierten über die gesundheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung pflanzlicher Arzneimittel für Europa.
Mit einem Umsatzvolumen von knapp 15 Milliarden Euro im Jahr 2025 machen pflanzliche Produkte inzwischen 27 Prozent des europäischen OTC-Markts aus. Eine gesundheitsökonomische Auswertung zeigte, dass Phytopharmaka einen wesentlichen Beitrag zur Selbstmedikation leisten und damit wesentlich zur finanziellen Entlastung der Gesundheitssysteme beitragen. Zudem stärken die zahlreichen mittelständischen Unternehmen den Wirtschaftsstandort Europa.
Ein zentrales Diskussionsthema war die Abgrenzung von pflanzlichen Arzneimitteln zu pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Vertreterin der Verbraucherzentrale plädierte für eine klare abgrenzende Kennzeichnung von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel zusammen mit verbindlichen und geprüften Nachweisen der gesundheitsbezogenen Aussagen und einer besseren Überwachung der Produktsicherheit dieser Produkte.
Auch aus medizinischer Sicht gilt es das große Potenzial pflanzlicher Arzneimittel stärker zu nutzen: Dr. Silke Cameron und Prof. Ioanna Chinou forderten, die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel stärker in die Ausbildung von Heilberufen zu integrieren und auch HMPC-Monografien stärker zu nutzen. Für Prof. Michael Heinrich (GA) braucht es zudem mehr politische Unterstützung und Forschungsförderung, um die Rolle europäischer Phytopharmaka im internationalen Vergleich zu stärken.
Konsens ist: Phytopharmaka sind wirksame, sichere und systemrelevante Arzneimittel in Europa. Um sie zu erhalten, braucht es in Zukunft mehr politische Wertschätzung und regulatorische Entlastung durch den Europäischen Gesetzgeber.