30.09.2026, 10:08

DiversifyEU: EU-Kommission will kritische Lieferabhängigkeiten reduzieren

Konsultation zu neuem Diversifizierungsinstrument gestartet. Stellungnahmen bis 27. Oktober 2026 möglich.
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Autor:innen
Anna Wehage
Die Europäische Kommission plant mit „DiversifyEU“ ein neues Maßnahmenpaket zur Verringerung strategischer Abhängigkeiten in kritischen Lieferketten. Vorgesehen ist eine Kombination aus handelspolitischen Instrumenten sowie regulatorischer und finanzieller Unterstützung. Welche Sektoren und Lieferketten erfasst werden, ist noch offen. Die Kommission bittet Unternehmen und Verbände bis zum 27. Oktober 2026 um Stellungnahme.

Die Europäische Kommission hat am 29. September 2026 eine Aufforderung zur Stellungnahme zur Initiative „Kritische Produkte – Diversifizierung der Lieferketten (DiversifyEU)“ veröffentlicht. Mit dem geplanten Diversifizierungspaket will sie Abhängigkeiten von einzelnen marktbeherrschenden Lieferländern verringern und die Widerstandsfähigkeit strategisch wichtiger Lieferketten stärken. Die Vorlage der Initiative ist bereits für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. 

Nach Auffassung der Kommission schreitet die Diversifizierung in kritischen Sektoren bislang nicht schnell genug voran. Als Gründe nennt sie unter anderem fehlende Preissignale und unzureichende Anreize für Unternehmen, ihre Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen anzupassen. Künftig soll die EU Diversifizierung daher aktiver unterstützen und bestehende sowie neue kritische Abhängigkeiten gezielter adressieren. 

Geplant ist ein Mix aus handels-, binnenmarkt- und förderpolitischen Maßnahmen. Dazu könnte ein neues Instrument zur Diversifizierung des Handels gehören. Die Kommission nennt dabei ausdrücklich auch die Möglichkeit, auf Grundlage von Art. 31 und 207 AEUV Zölle als handelspolitische Maßnahme einzusetzen. Ergänzend werden Anpassungen bestehender Binnenmarktinstrumente geprüft. 

Darüber hinaus sollen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, Risiken in ihren Lieferketten zu reduzieren. Als mögliche Maßnahmen nennt die Kommission die Unterstützung beim Ausbau von Versorgungskapazitäten in der EU und in vertrauenswürdigen Drittstaaten sowie eine Bündelung der Nachfrage. Finanzielle und nichtfinanzielle Unterstützungsmaßnahmen sollen dabei helfen, mögliche Kosten einer stärkeren Diversifizierung abzufedern. 

Für die pharmazeutische Industrie ist insbesondere relevant, welche Lieferketten künftig als kritisch eingestuft und priorisiert werden. Dies ist bislang noch nicht festgelegt. Die Kommission fragt in der Konsultation ausdrücklich, ob bestimmte Sektoren oder Lieferketten aufgrund ihrer Kritikalität oder eines hohen Abhängigkeitsgrades Vorrang erhalten sollten. Zugleich soll geprüft werden, wie das neue Instrument mit bestehenden oder derzeit verhandelten sektorspezifischen Maßnahmen zusammenspielt und Überschneidungen vermieden werden können. 

Pharma Deutschland will sich an der Stellungnahme beteiligen. Mitgliedsunternehmen sind eingeladen, uns Hinweise insbesondere zu kritischen Abhängigkeiten in pharmazeutischen Lieferketten, praktischen Herausforderungen bei der Diversifizierung sowie möglichen finanziellen oder regulatorischen Unterstützungsmaßnahmen bis zum 20. Oktober 2026 zu Händen Anna Wehage (wehage@pharmadeutschland.de) zukommen zu lassen. 

Die Frist für Rückmeldungen an die Europäische Kommission endet am 27. Oktober 2026.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie im Dokument „Aufforderung zur Stellungnahme“ anbei.

Ihr Kontakt

Anna Wehage

Referentin nationale und europäische Gesetzgebung / Internationales / Fälschungsschutz
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