“Unsere Umfragen zeigen, dass die elektronische Patientenakte bereits vor einem Jahr so bekannt war wie heute. Die Zahl der Nutzenden ist in diesem Zeitraum aber kaum gestiegen und die ePA bleibt hinter den Erwartungen zurück," sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
"Wir können nicht erwarten, dass sich das ändert, solange weder für Krankenkassen noch für Leistungserbringer Anreize bestehen, die ePA weiterzuentwickeln und in die Versorgung einzubinden. Dieser Konstruktionsfehler muss behoben werden."
"Es reicht nicht, darauf zu vertrauen, dass die Digitalisierung in Deutschland von selbst vorankommt,“ so Brakmann weiter.
Die elektronische Patientenakte (ePA) sollte die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranbringen. Doch das System setzt weder für Krankenkassen noch für Arztpraxen und Apotheken ausreichende Anreize, die ePA zu einem besseren Versorgungsinstrument zu machen. Auch für Versicherte bleibt der konkrete Mehrwert begrenzt. Eine aktuelle repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland zeigt: die flächendeckende Nutzung der ePA bleibt aus. 81,5 Prozent der Befragten kennen die ePA zwar, aber nur 23,5 Prozent geben an, sie auch zu nutzen. Eine Entwicklung, die sich seit der Einführung vor eineinhalb Jahren nur schleppend verbessert hat.
Bekanntheit und Nutzung im Vergleich
| Karte | Bereich | Bezeichnung | Wert |
|---|---|---|---|
| Bekanntheit ePA | 29.10.2025 | 80,9 % | |
| Bekanntheit ePA | 29.10.2026 | 81,5 % | |
| Nutzung ePA | 29.10.2025 | 17,4 % | |
| Nutzung ePA | 29.10.2026 | 23,5 % |
Während Gesundheits-Apps auf dem freien Markt mit praktischen Funktionen um Nutzer konkurrieren, fehlt der ePA dieser Innovationsdruck. Andere Apps erinnern an Termine, stellen Dokumente bereit oder machen Impfinformationen übersichtlich zugänglich. Die ePA bleibt hinter diesem Anspruch zurück. Dass digitale Lösungen den Versorgungsalltag erleichtern, zeigt das E-Rezept. Es hat die Verordnung und Einlösung verschreibungspflichtiger Arzneimittel digitalisiert und den Umgang mit Papierrezepten weitgehend ersetzt. Auch die ePA muss einen konkreten Beitrag zur Versorgung leisten, statt sich auf die Bereitstellung einer technischen Infrastruktur zu beschränken.
Zum bundesweiten Start der elektronischen Patientenakte am 29. April 2025 waren die Erwartungen hoch: „Ich bin überzeugt: Bereits nach kurzer Zeit wird die ePA im Versorgungsalltag in Deutschland nicht mehr wegzudenken sein“, erklärte der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Vortag. Er verband damit das Versprechen einer besseren Versorgungsqualität. Bereits zum Start der Pilotphase am 15. Januar 2025 hatte der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas, betont: „Die ePA hat enormes Potenzial für die Behandlung von Patientinnen und Patienten.“ Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, begrüßte den Auftakt ebenfalls: „Das Digitalisierungsdefizit im deutschen Gesundheitssystem ist gigantisch. Darum ist es eine sehr gute Nachricht, dass es jetzt endlich losgeht mit der ePA für alle.“ Zugleich verwiesen die Kassen auf Voraussetzungen für den Erfolg: die aktive Nutzung durch alle Beteiligten, die Sicherheit der Daten und die notwendige Zeit, bis sich der praktische Nutzen im Versorgungsalltag entfaltet.