„Apotheken haben in den vergangenen Jahren vielfach bewiesen, dass ihre pharmazeutische Expertise weit über die Arzneimittelabgabe hinausgeht – beim Impfen, in der Prävention, bei der Beratung zu digitalen Gesundheitsanwendungen", sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
„Wer bei jeder neuen Kompetenz für die Apotheke reflexartig Zuständigkeitsgrenzen zieht, verschenkt reale Versorgungsgewinne für Patientinnen und Patienten."
"Mein Appell an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier und alle Beteiligten: Lassen Sie uns die Chancen nicht vergeben, weil wir die Risiken zu sehr fürchten.", so Brakmann weiter.
Pharma Deutschland begrüßt ausdrücklich den im ApoVWG vorgesehenen Ausbau der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL). Darüber hinaus spricht sich der Verband dafür aus, Schnelltests mit In-Vitro-Diagnostika zur Unterscheidung bakterieller und viraler Hals-Rachen-Infektionen in den pDL-Katalog aufzunehmen – ein wirksamer Beitrag gegen Antibiotikaresistenzen.
Die Erweiterung der Impfmöglichkeiten in Apotheken ist aus Sicht von Pharma Deutschland überfällig. Pharma Deutschland fordert, dass neue STIKO-empfohlene Impfungen ab dem Tag der Anspruchsberechtigung als Sachleistung verfügbar sind – ohne dass Versicherte in finanzielle Vorleistung treten müssen.
Die im ApoVWG vorgesehene Möglichkeit, in definierten Fällen verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept abzugeben, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Stringent wäre aber direkt den nächsten Schritt zu gehen. Daher plädiert Pharma Deutschland ergänzend für eine grundlegende Verbesserung des OTC-Switch-Verfahrens: Neben dem bisherigen wirkstoffbezogenen Verfahren soll künftig ein produktbezogener Switch möglich sein. Dies beschleunigt Verfahren würde mehr Arzneimittel aus der Verschreibungspflicht entlassen, schafft Transparenz und verbessert die Planbarkeit für pharmazeutische Unternehmer. Eine Marktexklusivität von mindestens drei Jahren würde Investitionen in innovative rezeptfreie Arzneimittel deutlich attraktiver machen – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.
Der Verband legt heute eine umfassende Stellungnahme vor und ruft Politik und alle Stakeholder dazu auf, die Chancen dieses Gesetzes beherzt zu nutzen.